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Youtube: Jeder ist ein Sender

In nur 19 Monaten schoss Youtube mit einem Marktanteil von mittlerweile 47 Prozent an die Spitze der die Video-Communities. Das Erfolgsrezept: Das Mitmachangebot ist einfach in seiner Handhabung. Und eine Fundgrube für freiwillige - und unfreiwillige - Komik.

Von Udo Lewalter

Die drei ehemaligen Paypal-Mitarbeiter Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim hatten eine fixe Idee: ein Internet-Angebot, auf dem jedermann Filme veröffentlichen kann, die von jedermann angeschaut und bewertet werden können. Eine Art eine Mischung aus "Pleiten, Pech und Pannen", "Die Witzigsten Werbespots der Welt", "Verstehen Sie Spaß?" und MTV sollte es sein. Zum Selbermachen. Und einfach zu handhaben sollte es sein. Das Ergebnis: Youtube. Im Februar 2005 startete das Erfolgstrio das Internetangebot, auf das mittlerweile täglich etwa 65.000 neue Videos hochgeladen und auf dem 100 Millionen Clips angesehen werden.

Obwohl die Filme klein und qualitativ oft mau sind, schauen täglich etwa sechs Millionen Nutzer bei einer der "heißesten Websites 2006" ("Forbes"-Magazin) vorbei. Es gibt von Soldaten selbst gedrehte Videos aus dem Irak, Harald-Schmidt-Sketche, Ufo-Sichtungen, Musikvideos und Bundesligatore.

Die Handhabung des Angebots ist denkbar einfach: Nach Registrierung können Nutzer Videos in unterschiedlichen Formaten - beispielsweise Avi, Mpeg oder Quicktime- zu Youtube hochladen. Die Videos dürfen eine Größe von 100 Megabyte oder 10 Minuten nicht überschreiten und werden vor der Weiterverbreitung von Youtube automatisch in ein bestimmtes Format, Flash Video, gewandelt, und auch die Auflösung wird selbsttätig auf 320 x 240 Pixel gerechnet.

Ähnlich wie bei Foto-Communitys werden die Clips mit Schlagwörtern versehen, damit man sie thematisch einsortieren und besser finden kann. Die Nutzer können Clips bewerten, weiterempfehlen und die Filmchen auf eigenen Webseiten einbauen.

Probleme und Kritikpunkte

Weil einige Nutzer auch urheberrechtlich geschütztes Material von Fernsehsendern und Plattenfirmen in ihre Beiträge integrierten, sah sich Youtube zuletzt mit juristischen Problemen konfrontiert. Kurz vor Bekanntgabe der Übernahme durch Google vereinbarte Youtube mit dem Fernsehsender CBS sowie den Musikfirmen Universal Music Group und Sony BMG Music Entertainment eine Zusammenarbeit, womit mögliche Klagen dieser Firmen abgewendet sind. Bereits im September wurde ein ähnliches Abkommen mit der Warner Music Group erzielt.

Ein weiteres Problem sind häufig die Inhalte der selbsterstellten Filme. Obwohl die Nutzungsbedingungen von Youtube es untersagen, Videos mit rassistischem oder ethnisch diskriminierendem Inhalt hochzuladen, werden solche Clips bisweilen selten vom Angebot genommen. Und selbst dann sind sie häufig noch immer für registrierte Nutzer zugänglich. Da bei der Anmeldung eines Nutzers keine Altersverifizierung durchgeführt wird, stößt Youtube vor allem bei Jugendschützer auf Kritik.

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