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RC3 "Die Luca-App ist in ihrer Wirkung tot": So hart verreißt eine Expertin die einstige Hoffnungs-App

Rapper Smudo von "Fantastischen Vier" stellt seine Corona-App "Luca" vor
Rapper Smudo von "Fantastischen Vier" trommelte für die Luca-App
Galt die Luca-App eine Zeit lang als Hoffnung für einen normalen Alltag, hat sich ihr Ruf bald geändert. Eine für Gesundheitsämter beschäftigte Digitalisierungs-Expertin stellt der App in einem Vortrag für den Chaos Computer Club nun ein katastrophales Zeugnis aus.

Eine schnelle Verfolgung von Corona-Kontakten nach dem Besuch eines Ladens, Restaurants oder Veranstaltungsortes – das verspricht die App Luca. Bei Einführung eifrig von Rapper Smudo beworben, galt sie als Hoffnungsträger für eine schrittweise Rückkehr in einen halbwegs normalen Alltag während der Pandemie. Doch das Bild änderte sich schnell. In einem Vortrag auf dem Chaos-Computer-Club-Kongress RC3 zerlegte Expertin Bianca Kastl die App nun geradezu.

"Ich wüsste jetzt nicht, was die noch für einen Nutzen haben soll", ist ihr vernichtendes Fazit zu der vielfach genutzten App. Kastl weiß, wovon sie spricht. Als eine der ersten prüfte sie gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Bodenseekreis die Eignung der App für den Alltag. Und kam nach eigenen Angaben schnell zu dem Ergebnis, dass es noch viel Luft nach oben gab. "Luca war einfach nicht der Weisheit letzter Schluss. Das wurde schon im März 2021 fachlich festgestellt."

Klares Urteil

In der Praxis hat sich das ihrer Ansicht nach bestätigt. Und das nicht nur, weil Kastl gemeinsam mit anderen schnell eine Sicherheits-Lücke im QR-Code-System der App nachweisen konnte. Auf die Frage, ob die App nun tot sei, zieht Kastl einen klaren Schluss: "Technologisch ja, in der Wirkung auch." Die Begründung: Die gesammelten Daten müssten von den Ämtern immer extra angefragt werden. Weil diese aber unter der enorm hohen Anzahl von Infektionsmeldungen ächzen würden, passiere das so gut wie gar nicht mehr. "Die Arbeitslast ist gerade so hoch, dass man sagen kann: Sie hat keine Wirkung mehr." Vor allem angesichts der sich verbreitenden Omikron-Variante und ihrer vermutlich erheblich höheren Ansteckungsgefahr seien eher noch steigende Fallzahlen zu befürchten – und eine noch geringere Nützlichkeit der Luca-App.

Dass die Luca-App bei einigen Gesundheitsämtern zunächst gut ankam, ist für Kastl nachzuvollziehen: Die zunehmende Digitalisierung führt ihrer Ansicht nach dazu, dass die Ämter das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Etwa dann, wenn über die Corona-Warn-App die möglichen Kontakte direkt und anonym kontaktiert werden, ohne dass die Behörden involviert sind. Luca hätte mit den gesammelten und weitergereichten Daten wenigstens die Illusion gegeben, die Kontrolle zu behalten, glaubt die Expertin. 

Fehlendes Verständnis

Ihre Kritik richtet sich entsprechend nicht nur an die Luca-Entwickler. Ihre These: Viele Software-Entwickler würden sich selbst in der Rolle des Retters sehen, der nun sämtliche Probleme mittels Software lösen könnte. Diese Personen sind nach Ansicht der Expertin oft "fachlich ignorant. Sie verstehen das Digitale und denken, darüber verstehen sie die Welt. Aber sie verstehen die fachliche Dimension eben oft nicht." Andersherum wäre es eben oft auch so, dass Fachexperten oft Modernisierung wünschten, die digitale Dimension aber unzureichend verstehen würden. Ihre Forderung: Die Fachexperten und die Entwickler müssten mehr zusammenarbeiten, dabei aber auch konkret die Nutzer im Auge behalten. Und statt einer App öfter Infrastruktur in Form von allgemein nutzbaren Schnittstellen entwickeln. Auch wenn man so beim Normalbürger für weniger Begeisterung sorgt.

Für die Kontaktverfolgungs-App ist es aber wohl zu spät. "Luca wurde an der Realität vorbei entwickelt", ist Kastl überzeugt. "Wir haben schon zu Anfang der Pandemie gesagt, dass wir das kaum nutzen werden. Man hat uns das nicht geglaubt, sondern erst einmal ein paar Millionen ausgegeben", zieht sie ihr nüchternes Fazit. "Irgendwie lernt man nur durch Geldverschwendung."

Quelle:Vortrag


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