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Kunden begeistert, Entwickler enttäuscht Das Apple-Watch-Dilemma

Die Apple Watch gibt es seit drei Monaten
Die Apple Watch gibt es seit drei Monaten
© Kay Nietfeld/DPA
Die Apple Watch gibt es seit drei Monaten, doch noch immer sucht man eine Menge bekannter Apps vergeblich. Viele Entwickler sind von dem Gerät enttäuscht - doch die Kunden scheinen die Uhr zu lieben.

Die Apple Watch gibt es nun seit knapp drei Monaten. Doch wer in den App Store schaut, dem fällt auf: Viele populäre Firmen bieten nach wie vor keine Anwendung für Apples smarte Armbanduhr an. Selbst einige Branchen-Schwergewichte wie Google oder Facebook sucht man vergebens. Doch woran liegt das?

Die Apple Watch war im April mit mehr als 3000 Apps gestartet, mittlerweile gibt es rund 7400 Anwendungen. Allerdings bieten nur fünf der 20 populärsten Apps in den USA eine eigene Anwendung für die Apple Watch an. Viele Entwickler scheinen noch zu experimentieren, wie ihre Dienste am besten auf einer Smartwatch umgesetzt werden können.

7400 Apps für die Apple Watch

Das scheint auch bei Facebook der Fall zu sein. Angeblich habe Apple vor dem Start der Watch monatelang um das größte soziale Netzwerk gebuhlt, vergebens. "Ich weiß nicht, ob wir eine Anwendung so bauen können, dass sie sich auf der Apple Watch gut anfühlt", erklärte Facebook-Manager Adam Mosseri gegenüber der renommierten US-Zeitung "New York Times". "Am Ende würde man doch sein Smartphone aus der Tasche ziehen", so das Fazit des Experten. Weil man bislang keine gute "Facebook-Erfahrung" liefern könne, verzichtet man lieber auf eine App.

Mosseri ist mit seiner Ansicht nicht allein. Snapchat-Gründer Evan Spiegel schlägt in eine ähnliche Kerbe. Auf einer Konferenz erklärte er vor wenigen Wochen: "Wer sieht sich freiwillig ein kleines Bild auf der Watch an, wenn er ein großes Foto am Smartphone anschauen könnte?"

"Wir sind wirklich begeistert"

Andere Entwickler sind zuversichtlicher: "Wir sind wirklich optimistisch", erklärt Chris Huff vom "Weather Channel". Vor allem vom neuen Betriebssystem watchOS 2, das im Herbst erscheint, erhofft sich Huff neue Möglichkeiten. Entwickler profitieren von dem Update, da Apps dann auch direkt auf der Uhr installiert werden können. Denn bislang sind Watch-Apps quasi nur Verlängerungen der iPhone-App. Doch es gibt noch einiges zu tun, sagt Huff: "Wir versuchen noch herauszufinden, wie die Menschen eine App an ihrem Handgelenk bedienen wollen."

Auch der Bilderdienst Instagram zeigt sich begeistert. Die Apple Watch biete neue Möglichkeiten der Interaktion mit dem Nutzer, erklärte das Unternehmen in einem Statement. "Wir sind wirklich begeistert über den Start dieser Plattform."

97 Prozent Zufriedenheit bei Kunden

Und was sagen die Nutzer? Die sind trotz der fehlenden Anwendungen einiger namhafter Hersteller mit der Apple Watch zufrieden, glaubt man einer neuen Umfrage. Das vergleichsweise junge Marktforschungs-Unternehmens Wristly ermittelte bei 800 Befragten aus den USA eine extrem hohe Zufriedenheitsquote von 97 Prozent - mehr als zum Start des ersten iPhones (92 Prozent) oder des ersten iPads (91 Prozent). 66 Prozent der Befragten gaben an, sehr zufrieden zu sein, 31 Prozent waren immerhin einigermaßen zufrieden. Von den 800 Befragten beschrieb sich knapp die Hälfte als "nicht besonders technik-affin", nur 34 Prozent sahen sich als "Tech-Insider".

Dabei sind die einzelnen Gruppen nicht gleichermaßen zufrieden: Während die Otto-Normal-Nutzer zu 73 Prozent "sehr zufrieden" und 26 Prozent "ziemlich zufrieden" sind, sind die App-Entwickler nur zu 43 Prozent "sehr zufrieden" und 54 Prozent "ziemlich zufrieden". Die Strategie ging für Apple offensichtlich auf, immerhin vermarktet der Konzern die Apple Watch weniger als Technik- und mehr als Lifestyle-Produkt.

Ähnlich sieht es der Analyst Ben Bajarin von Creative Strategies. Sein Unternehmen befragte 1000 amerikanische Apple-Watch-Nutzer. Auch hier waren die Zufriedenheitswerte sehr hoch und nur wenige Käufer nutzten ihre Uhr nach einer Weile nicht mehr. "Immer wieder hörten wir, dass die Leute die Apple Watch sehr, sehr mögen", sagte Bajarin der "New York Times".

Ob auch die Anleger das erste neue Apple-Gadget seit dem iPad lieben werden, wird sich am Dienstag zeigen. Dann stellt Apple seine letzten Quartalszahlen vor, in denen erstmals die Verkäufe der Apple Watch miteinbezogen wurden. Allerdings ist unklar, ob Apple-Chef Tim Cook genaue Verkaufszahlen bekanntgibt. Verschiedene Analysten prognostizierten zuletzt auf Grundlage von Online-Schätzungen einen starken Einbruch bei der Nachfrage.

Auch der bekannte Analyst Gene Munster von Piper Jaffray dämpft die Erwartungen: Er rechnet im ersten Verkaufsquartal mit drei Millionen verkauften Apple-Uhren. Das wäre zwar weniger, als viele erwartet hatten - aber immer noch viermal soviel, wie die gesamte Konkurrenz im letzten Jahr verkaufen konnte. Jaffray glaubt vor allem langfristig an den Erfolg der Smartwatch: 2017 wird die Apple Watch nach seinen Schätzungen 40 Millionen Mal über die Ladentheke gehen.


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