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Festnetz: Call-by-Call im Ortsnetz schon am Ende?

Telefonanbieter müssen für Ortsgespräche 0,4 Cent pro Gesprächsminute an die Telekom zahlen. Das beschloss die Regulierungsbehörde für Telekommunikation. Damit können die neuen Billig-Preise der Anbieter aber nicht gehalten werden.

Telefonanbieter im Ortsnetz haben die erhöhten Zahlungen an die Deutsche Telekom als harten Schlag gegen den Wettbewerb kritisiert. "Nach der Entscheidung ist es für alle privaten Anbieter fast unmöglich geworden, Call-by-Call-Gespräche unter dem Preis der Deutschen Telekom anzubieten", sagte Martin Lukas von der 1051 Telecom. Er kündigte an, dass sein Unternehmen - wie auch der Anbieter Tele2 - rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Bonner Aufsichtsbehörde prüfen werde.

Aufschlag festgesetzt

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hatte einen Aufschlag auf die Zuführungsleistung der Telekom im Ortsnetz von 0,4 Cent pro Gesprächsminute festgesetzt. Damit müssen die Wettbewerber nach Angaben der Telekom für Call-by-Call-Gespräche im Schnitt 1,5 Cent je Minute an den Bonner Telekommunikations-Riesen für die Nutzung des Netzes abführen. "Damit ist Call-by-Call im Ortsnetz zur für Privatkunden besonders wichtigen Nebenzeit tot", sagte Kai Petzke vom Telefon-Tarifvergleicher teltarif.de.

Scharfe Kritik

Arcor-Chef Harald Stöber kritisierte, mit dem Aufschlag werde der Wettbewerb in einem neuen Segment behindert, bevor er sich entfalten könne. Das sei ein völlig falsches Signal für den Markt. Tele2-Deutschlandchef Roman Schwarz sagte: "Jetzt werden die Mitbewerber der Deutschen Telekom AG abgestraft und sollen auch noch Einnahmeausfälle des Ex-Monopolisten kompensieren." Tele2 erhöhe seine Ortsnetztarife "wegen der nicht nachzuvollziehenden Entscheidung zunächst" jedoch nicht.

20 Anbieter gegen die Telekom

Am vergangenen Freitag war der Wettbewerb für das Telefonieren im Ortsnetz frei gegeben worden. Bei einem so genannten Call-by-Call-Gespräch müssen sich die Verbraucher durch Wählen einer Betreiberziffer vor jedem Telefonat entscheiden, über welchen Anbieter sie telefonieren wollen. Der Telefonanschluss bleibt weiterhin bei der Telekom. Etwa 20 Anbieter wollen der Telekom im Call-by-Call-Verfahren Kunden und Marktanteile abjagen. Bei Ferngesprächen hat der ehemalige Monopolist bereits seit fünf Jahren Konkurrenz, die Preise fielen zum Teil drastisch.

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