HOME

Handymesse "3GSM World Congress": Träumen von der schönen neuen Mobilfunkwelt

Fernsehen, Internet, Büroanwendungen, Spiele, Fotografieren, Musik hören - die Geräte, die die Handyhersteller auf dem Branchentreff 3GSM zeigen, können immer mehr. Nur der Kunde scheint immer noch nicht bereit zu sein für die schöne neue Mobilfunkwelt

Es ist wieder einmal eine schöne neue Mobilfunk-Welt, die die Telekom-Branche auf ihrem wichtigsten Treff 3GSM in Barcelona zeichnet. Eine Welt, in der man sich an jedem Fleck der Welt jederzeit orientieren oder den Italiener um die Ecke finden kann. Oder seine E-Mails abrufen. Oder Songs und Videos herunterladen. Oder im Supermarkt direkt vom Regal Informationen über ein Produkt auf den Bildschirm bekommen. Oder einfach so im Internet surfen. Es sind Visionen, die schon seit Jahren als die Zukunft gepriesen werden - und jetzt der Industrie zufolge endlich an der Schwelle zum Massenmarkt stehen.

Gründe dafür, dass im vergangenen Jahr von den fast eine Milliarde verkauften Handys nur etwa 80 Millionen so genannte Smartphones waren, die all das oder zumindest einen Teil davon tatsächlich können, gibt es allemal. Da sind zum einen die immer noch zu geringen Batterieleistungen, die ein "Nachtanken" an der Steckdose manchmal schon nach wenigen Stunden notwendig machen können. Da ist der hohe Preis für die schnellen Datenverbindungen, für die locker 50 bis 60 Euro im Monat fällig werden und nicht zuletzt der hohe Preis der Geräte selbst, die mit mehreren hundert Euro zu Buche schlagen.

Der Preis ist immer noch wichtig

Die Branche ist sich der Probleme bewusst. "Die Nutzer wollen einfachere, schnellere, günstigere Verbindungen", sagt Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo. Der Wettbewerb drückt auch die Preise. Doch während die Tarife für klassische Sprachtelefonie immer tiefer sinken, sollen gerade die neuen Datendienste für die Telekom-Konzerne zur neuen Gewinnmaschine werden. Die Erträge der Branche leiden zudem darunter, dass sie sich die Eroberung von Anteilen in den schnell wachsenden Märkten von Schwellenländern wie Indien oder China mit Abschlägen bei der Rendite erkaufen muss: Dort kann man eher günstige Handys verkaufen und auch keine allzuhohen Minutenpreise verlangen.

Allen Problemen zum Trotz wird sich die technische Entwicklung nicht mehr zurückdrehen lassen. Für 2008 rechnet Nokia branchenweit bereits mit 250 Millionen verkauften Smartphones. Das wäre immerhin etwa jedes fünfte Handy.

Die Computerkonzerne drängen rein

Computerkonzerne wie Microsoft und Internet-Riesen wie Yahoo! oder Google wollen da mitmischen. Microsoft stellt in Barcelona sein neues Betriebssystem Windows Mobile 6 vor, dass Handy und PC noch enger mit einander verzahnen soll. Unter anderem soll es bei der Nutzung von E- Mails kaum noch Einschränkungen im Vergleich zum Computer haben. Yahoo! steigt dem Vernehmen nach massiv ins Geschäft mit Werbung auf dem Handy ein - mit interaktiven Anzeigen, über die man zusätzliche Informationen herunterladen oder die Unternehmen gleich anrufen kann. Bei Kartendiensten mit lokalen Suchfunktionen wetteifern Yahoo!, Google und Microsoft mit ziemlich ähnlichen Angeboten gegeneinander. Im vergangenen Jahr wurden allerdings erst 15 Millionen GPS-taugliche Handys verkauft.

Kleine Handy, kleiner Akku

Stolpersteine hat die schöne neue Welt noch viele. Die Akkuleistungen erhöhen sich nur sehr langsam. Schließlich wollten die Verbraucher ja auch immer dünnere Geräte mit folglich immer kleineren Batterien, gibt Microsoft-Vizepräsidentin Suzan DelBene zu bedenken. Und eine bisher schwer einzuschätzende Größe sind Virenangriffe, die nach Erkenntnissen von Sicherheitssoftware-Anbietern immer häufiger auch Smartphones im Visier haben.

Andrej Sokolow/DPA / DPA