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Jajah: Internettelefonie ohne Internet

Für Internettelefonie braucht es das Internet - bisher. Der Telefondienst Jajah bietet nun VoIP-Gespräche an, ohne dass ein Computer oder spezielle Telefone die Internetverbindung aufbauen. Jedes Festnetzgerät und Handy könne, verspricht das Unternehmen, die günstigen VoIP-Tarife nutzen.

Von Kathrin Warncke

"Sie sitzen im Berlin im Bus und möchten mal eben den Onkel in Amerika anrufen. Handy raus, im Adressbuch den Onkel suchen und grüne Taste drücken. Ihr Handy glaubt, Sie führen ein Festnetzgespräch im Berliner Netz, tatsächlich aber reden Sie mit Amerika." So einfach soll es nach Roman Scharf, Gründer von Jajah, mit der Internettelefonie ohne Internet sein. Über Jajah, "Dschadscha" ausgesprochen, kann der Nutzer mit einem Telefon oder Handy weltweit über das Internet telefonieren.

Bisher mussten sich Telefonierwillige entscheiden: entweder bequem über Telefon und Handy reden oder über das Internet, am Schreibtisch "festgekabelt" mit Headset und Mikro, dafür aber zu günstigeren Tarifen. Auch Softwareinstallationen waren noch nötig. Nach Meinung des zweiten Jajah-Gründers Daniel Mattes soll das bald überflüssig sein: "Der Computer als Telefonersatz ist endgültig Geschichte."

Drei Millionen zahlende User

Bereits jetzt seien nach Angaben des Unternehmens, das drei Niederlassungen in Mountain View, Kalifornien und Luxemburg unterhält, mehr als drei Millionen zahlende User bei dem Dienst angemeldet. Um Telefonate über das neue Angebot Jajah Direct vorzubereiten, gibt es zwei Wege: mit oder ohne Computer. Variante eins erfordert eine kostenlose Registrierung auf der Jajah-Website. Für jeden gewünschten Gesprächspartner bekommt man eine eigene Telefonnummer zugeteilt. Mit dieser neuen Nummer lassen sich Gespräche von jedem Festnetztelefon oder Handy führen, ob im Inland oder Ausland, ob mit dem Internet verbunden oder nicht. Der Anruf erfolgt eigentlich beim Jajah-Server, wird in Internettelefonie-Daten umgewandelt und am Ziel wieder zurück. Beim Angerufenen klingelt ganz normal das Telefon.

Wer Jajah-Mitglied ist und die Website nutzt, um sich Telefonnummern zuweisen zulassen, spart Verbindungsgebühren. Diese werden bei der zweiten Variante fällig, die dafür ohne das Web auskommt: Man kann auch direkt, ohne Registrierung, eine Jajah-Vermittlungsstelle anrufen, die die Verbindung mittels VoIP zum gewünschten Anschluss herstellt. Nach dem ersten Anruf wird per SMS die Jajah-Nummer geschickt, sodass dieses Telefon in Zukunft direkt, ohne Vermittlungsstelle angerufen werden kann.

Vom Festnetz für Jajah-Nutzer kostenlos

Telefonate zwischen Jajah-Usern von Festnetz zu Festnetz oder zwischen Mobiltelefonen sind kostenlos. In anderen Fällen kostet die Minute rund drei bis 16 Cent, je nach Land. Internationale VoIP-Telefonate kosten maximal 32 Cent pro Minute. Wer sich im Ausland befindet, muss mit zusätzlichen Roaming-Gebühren rechnen.

Neben dem Telefondienst lässt sich Jajah auch für Telefonkonferenzen oder automatische Wahlwiederholung nutzen. Dazu können Anrufe vorgemerkt werden, indem Zeit und Telefonnummer zuvor festgelegt werden. Eine SMS erinnert zuvor auf Wunsch an das Telefonat. Allerdings ist bei dieser Funktion keine Gratistelefonie möglich. Außerdem plant das Unternehmen für zukünftige Telefongespräche auch die Möglichkeit für Werbe-Jingles. Diese ersetzen das herkömmliche Freizeichen und können zwischen zehn und 15 Sekunden andauern. Die Nutzer können selbst wählen, ob sie die Werbung hören möchten, und erhalten für die Jingles zusätzliches Telefonieguthaben.

Mit dem Konzept ist Jajah vor allem für solche Ländern oder Unternehmen interessant, in denen Internettelefonie über Konkurrenten wie Skype verboten ist. Jüngstes Beispiel dafür ist Indien: Da Skype-Telefonate von der Regierung für illegal erklärt wurden, findet Jajah, das als Anbieter für Festnetz- und Mobiltelefonate gilt, eine Nische.

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