Produktdesign Telekom will von Apple lernen

Für die Deutsche Telekom wird der Preiskampf immer härter. Helfen sollen besser gestaltete Produkte und nutzerfreundlichere Internetdienste. Ein Team junger Designer arbeitet an der neuen Linie.
Von Matthias Lambrecht

Hamid Akhavan fühlt sich sichtbar wohl hier unten. Drei Stockwerke unter seinem Vorstandsbüro in der Bonner Telekom-Zentrale sieht es aus wie in einem Internet-Startup. Auf dem Flur liegen bunte Sitzkissen. "Ich hätte nichts dagegen, wenn sich da mal jemand hinlegt", sagt der für Produkte und Innovationen verantwortliche US-Manager im Telekom-Vorstand.

Tatsächlich wird hier im Product Design Center oft bis in die Nacht gearbeitet - und es kann schon mal vorkommen, dass Caroline Seifert, Dominic Flik und Peter Respondek hier kurz vor Sonnenaufgang in bequemer Sitzposition die letzten Details besprechen.

Seit gut einem Jahr stehen die langgediente Telekom-Managerin und die beiden Neueinsteiger als Kreativdirektoren an der Spitze des Teams, dass dem magenta-grauen Staatskonzern ein neues Gesicht geben soll: Respondek und Flik hatten zuvor ein gemeinsames Büro in Graz, gestalteten dort Möbel und Lampen. Die Ex-Postbeamtin Seifert war schon am Aufbau des Telekom-Mobilfunknetzes beteiligt.

Im Designzentrum werkeln sie nun an umweltschonenden Handyverpackungen, den Benutzeroberflächen der Telekom-Internetdienste oder den Icons, die auf Websites oder Prospekten des Konzerns zur Orientierung dienen. Ein Look aus einem Guss ist das Ziel. Cooler, eleganter und nutzerfreundlicher soll die neue Telekom werden. Was ablenkt oder verwirrt, verschwindet. "Auf den Kernnutzen reduzieren" nennt Seifert das.

"Wir müssen dem Kunden exzellentes Design bieten", lautet die Vorgabe von Akhavan, um im harten Wettbewerb die Preise hoch halten zu können. Dass Rivalen wie der iPhone-Hersteller Apple längst vormachen, wie es geht, weiß der Vorstand ganz genau. Seine Designtruppe versucht, vom Trendsetter zu lernen: "Warum zahle ich für den iPod mehr als für das chinesische Gerät, in dem die gleiche Technik steckt?", fragt Seifert - und gibt selbst die Antwort: "Wegen des Programms dahinter und der leichten Bedienbarkeit."

So haben Seifert und ihr Team ein einfach zu bedienendes Mediencenter entwickelt, mit dem Musik, Filme und Fotos über Handy, PC oder TV-Gerät abgerufen werden können. "Die Einfachheit über verschiedene Plattformen hinweg - das ist die große Herausforderung", sagt Kreativdirektor Respondek. Akhavan hält die Telekom für prädestiniert, in der digitalen Welt Orientierung zu bieten. "Die Integration und Vereinfachung der verschiedenen Nutzeroberflächen ist ein echter Mehrwert", sagt er. "Wer außer uns kann das bieten?"

Bis Jahresende wollen Seifert und ihr Team Design-Leitlinien für den Konzern festlegen. Branchenexperten zweifeln indes an der Wandlungsfähigkeit des rosa Riesen. "Die Telekom wird bei Innovationen nie mit Google, Facebook oder Apple mithalten können", sagt ein früherer Marketingmanager. Zu eingefahren seien die Strukturen, zu schwerfällig das Management.

Auch Seifert weiß, dass sie erst Erfolg hat, sobald sich das neue Design bezahlt macht: "Wir können dreimal versuchen, der bessere Apple zu sein", sagt sie. "Wenn der Kunde das Produkt am Ende nicht kauft, bringt das alles nix."

FTD

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