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Sicherheitslücken bei Smartphones: Wer braucht Viren, wenn er Apps hat?

Kaum ein Computernutzer ist heutzutage ohne Sicherheitssoftware online unterwegs. Bei Smartphones sieht das jedoch anders aus. Obwohl sie immer mehr zum Alltag gehören, ist das Bewusstsein der Nutzer für Gefahren gering. Zu Unrecht, warnen Experten.

Viren, Würmer und Trojaner: Dass solche schädlichen Programme Computer infizieren können, wissen heute fast alle Nutzer. Viele schützen sich mit entsprechender Software. Internetfähige Mobiltelefone, sogenannte Smartphones, sind Computer im Westentaschenformat. Und auch sie können durch Schadsoftware infiziert werden. Dabei droht weniger ein Defekt des Geräts als ein großer Lauschangriff auf die persönlichen Daten.

Bei iPhone & Co wird das Telefonieren zur Nebensache. Die Nutzer können sich zahlreiche teils kostenlose Programme, sogenannte Applikationen oder kurz Apps, auf das Handy laden. Mit denen kann man den nächsten Briefkasten finden, sich durch die Stadt navigieren oder auch einfach nur spielen. "So ein Smartphone ist nichts anderes als ein kleiner Hochleistungs-Computer", sagt Toralv Dirro, Experte beim Antiviren-Hersteller McAfee in Hamburg.

Unnötige Zugriffe

Weil Smartphones aber nicht aussehen wie ein Computer, machen sich laut Dirro viele Nutzer keine Gedanken über die Sicherheit, was aber notwendig wäre: "Die Sicherheitsprobleme sind die gleichen wie beim Computer." Diese Programme greifen oft auf die persönlichen Daten des Nutzer zu, etwa auf das Telefonbuch oder den aktuellen per GPS ermittelten Standort. Dabei ist das oft gar nicht nötig, wie Sascha Pfeiffer vom Antiviren-Hersteller Sophos erklärt: "Es gibt extrem wenige Programme, die auf meine Daten zugreifen müssen."

Doch die Realität sieht anders aus. Viele der Mini-Anwendungen greifen auf die Daten des Nutzers zu. Auch unseriöse oder sogar kriminelle Anbieter nutzen dies aus. So sei etwa jeder fünfte der rund 48.000 für das Google-Handy-Betriebssystem Android angebotenen Apps ein Sicherheitsrisiko, ergab eine Studie des auf mobile Sicherheit spezialisierten Anbieters SMobile Systems. Sie erlauben anderen Programmen Zugriff auf persönliche Informationen.

Wenn eine Applikation Zugriff auf die Daten des Nutzers hat, kann das fatale Folgen haben, wie Daniel Bachfeld, Redakteur der Zeitschrift "c't" erklärt. So gebe es Apps, die automatisch Kopien sämtlicher SMS-Nachrichten verschicken oder sogar das Handy in eine Abhörwanze oder eine Überwachungskamera verwandeln. Andere Programme, rufen automatisch überteuerte Nummern an, ohne dass der Nutzer es merkt, berichtet Bachfeld: "Da lässt sich relativ einfach und schnell viel Geld verdienen."

Viren sind eher selten

Die Betreiber der Handy-Betriebssysteme, die die Apps auf ihren Plattformen veröffentlichen, bieten nach Ansicht von Experte Dirro kaum Schutz. "Bei Apple gibt es zwar eine Kontrolle aller Apps vor der Veröffentlichung", sagt Dirro. Hier gehe es aber weniger um die Sicherheitslücken der Programme als um die Funktionsfähigkeit. Das Google-System Android sehe gar keine Kontrollen vor: "Da kann jeder Entwickler seine Apps veröffentlichen."

Auch klassische Viren, wie man sie von Personal-Computern kennt, haben Kriminelle bereits für Smartphones programmiert. So berichtete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits im vergangenen Jahr vom iPhone-Wurm iKee. Allerdings ist die Bedrohung durch Viren, Würmer und Trojaner auf Smartphones zumindest derzeit nach Expertenmeinung noch äußerst selten. "Das ist zu vernachlässigen", sagt etwa Sophos-Mitarbeiter Pfeiffer.

Sein Kollege Dirro von McAfee geht davon aus, dass diese Bedrohung in Zukunft zunehmen wird. Pfeiffer glaubt allerdings, dass Programme, die das Gerät beschädigen, auch künftig auf Smartphones keine große Rolle spielen werden. Auch künftig werde es vor allem Apps zum Ausspionieren der Nutzerdaten geben, weil dies dem Angreifer viel mehr Vorteile bietet: "Warum sollte ich das Telefon zerstören, wenn ich mit dem funktionierenden Gerät viel mehr Schaden anrichten kann?"

Weil die Viren-Gefahr auf dem Handy noch relativ gering ist, gibt es bislang auch nur wenig Sicherheits-Software speziell für Smartphones. "c't"-Redakteur Bachfeld rät von solchen Programmen wegen der geringen Gefahr eher ab: "Im Moment ist das nicht nötig." McAfee-Experte Dirro empfiehlt aber, auf jeden Fall regelmäßig die Sicherheits-Updates für das Handy-Betriebssystem zu installieren.

Wichtigster Schutz: gesunder Menschenverstand

Gegen dubiose Apps hingegen gibt es keinen technischen Schutz. Die beste Sicherheitsvorkehrung ist derzeit nach Meinung von Experten eine gehörige Portion Skepsis: "Gesunder Menschenverstand ist das Gebot der Stunde", sagt Sophos-Experte Pfeiffer. Lassen sich Apps nur dann installieren, wenn der Anwendung ein umfassender Zugriff auf die Daten des Geräts erlaubt wird, sollte man hellhörig werden.

"c't"-Redakteur Bachfeld rät dazu, sich möglichst im Internet über eine Applikation zu informieren, bevor man sie auf das Mobiltelefon lädt: "Man kann zum Beispiel einfach mal nach dem Namen der App googeln und gucken, ob andere Nutzer möglicherweise negative Erfahrungen damit gemacht haben."

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Hacker V knackte Videosystem der Washington State University"

Sebastian Knoppik