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Rettungsroboter "Emily": Baywatch mit Düsenantrieb

Emily trägt zwar keinen roten Bikini und sieht auch nicht so gut aus wie Pamela Anderson. Aber der erste Rettungsschwimmer-Roboter könnte das Image der Strandwacht für immer verändern.

Von Frank Siering, Los Angeles

An die Zeiten von Baywatch und Pamela Anderson im hautengen roten Bikini erinnert die neue "Angestellte" der Malibu Beach Patrol nicht mehr. Im Gegenteil: hässlich, eckig, eiskalt. Das sind die Adjektive, die "Emily" beschreiben.

Emily steht für "Emergency Integrated Lifesaving Lanyard" und ist der weltweit erste vollautomatisierte Lebensretter-Roboter. 1,60 Meter lang, bis zu 30 km/h schnell. Emily kann, so schätzen ihre Erfinder, bis zu zwölfmal schneller Leben retten als ihr menschlicher Kollege, der immer noch auf Badehose und Muskelkraft angewiesen ist. "Und sie sieht so ein bisschen aus wie ein fahrender Staubsauger", sagt der ehemalige L.A.-Lifeguard Brent Blackman.

Die Häme, die seiner neuesten Erfindung von "echten" Lebensrettern entgegengebracht wird, kontert Tony Mulligan mit Sarkasmus. "Wenn Emily Gas gibt, können Pamela Anderson und David Hasselhoff nun tatsächlich nur noch staunend vom Strand aus zusehen", so der 47-jährige Erfinder. Mulligan hat Erfahrung mit ferngesteuerten Fahrzeugen.

Leidenschaft für Roboter

Jahrelang bastelte er an unbemannten Flugkörpern für diverse amerikanische Regierungsagenturen herum. Im Oktober 2009 half er der National Oceanic Atmospheric Administration (NOAA) mit einem speziellen Roboter-Boot, Meeressäugetiere nahezu ungestört in der freien Wildbahn zu beobachten. "Zu diesem Zeitpunkt entstand auch die Idee für Emily", gesteht Mulligan, der den ersten Emily-Prototyp im Sommer passend zur Touristenzeit das erste Mal der Öffentlichkeit vorstellte. Heute ist Mulligan wieder am Strand. Emily ist besser programmiert, noch ein bisschen schneller. "Bereit zum Einsatz", wie Mulligan sagt. Hochdekorierte Feuerwehrleute und L.A. County Lifeguard Captains umzingeln das Schwimmgerät. Sie tuscheln, sie witzeln. Sie sind gespannt, was der Roboter wirklich kann.

Schneller und stärker als jeder Mensch

Mulligan erklärt vor der eigentlichen Demonstration die technischen Feinheiten seiner neuen Lebensretterin. Emily wird, ähnlich wie ein Jetski, durch eine kleine elektrische Pumpe angetrieben. "Diese Pumpe", so Mulligan, "spuckt in kurzen Intervallen Wasser aus. Somit wird Emily in Bewegung gesetzt." Emily ist batteriebetrieben und kann nach Schätzungen von Mulligan bis zu 80 Meilen durcharbeiten, ohne neu aufgeladen werden zu müssen. Der Körper von Emily besteht aus einem unsinkbarem Schaumstoff. Nach Aussagen des Erfinders kann Emily fünf Menschen gleichzeitig retten.

Zeit für eine kleine Demonstration. Drei Rettungsschwimmer paddeln durch die Wellen von Zuma raus ins Meer. 500 Meter weit draußen halten sie an und lassen sich treiben. Emily wird zu Wasser gelassen. Mulligan selbst nimmt die Fernbedienung zur Hand. Emily, gerade noch flach im Wasser liegend, richtet sich plötzlich auf und saust mit hoher Geschwindigkeit durch die Brandung. In weniger als zwei Minuten ist der Schaumstoff-Roboter bei den "Opfern" angekommen. Die halten sich an den Seilen, die an der Seite von Emily angebracht sind, fest und warten. Die Beobachter am Strand sind beeindruckt und ein bisschen nervös zugleich. "Schon erstaunlich, wie schnell das Teil bei den Opfern war", sagt Lifeguard-Captain Jake. Sein Kollege Jim fügt hinzu: "Ein guter Rettungsschwimmer braucht für eine solche Rettung mindestens 20 Minuten."

Vor dem Strand ist Schluss

Von alleine kann Emily die Opfer noch nicht zurück an den Strand ziehen. Die "echten Rettungsschimmer" müssen also für den Moment zumindest auch weiterhin ihren Job erledigen und die erschöpften Schwimmer an Land holen. Emily, sie soll rund 3500 Dollar kosten, ist schon jetzt ein Hit. Sowohl die US Navy wie auch die NOAA und die University of Arizona, das berichtet CNN, haben mehr als 250.000 Dollar in die weitere Entwicklung von Emily gesteckt.

Einen kleinen Haken allerdings gebe es bei Emily noch, wirft Rettungschwimmer Jim Inglese vom Strand aus ein. "Was tut Emily, wenn ihr Opfer kurz vor dem Erreichen untergeht?" Auf diese Frage hat auch Erfinder Mulligan zurzeit keine Antwort. Tauchen nämlich kann Emily noch nicht. Und so bleiben die Lifeguard-Türme den Stränden von Malibu wohl auch noch in naher Zukunft erhalten.

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