HOME

BERLIN: Ein Gespenst geht um

Langzeitstudenten droht die Zwangsexmatrikulation

Langzeitstudenten droht die Zwangsexmatrikulation

The same procedure as last year! Es war der Beginn des Sommersemesters 2001, als der Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin (FU) den Langzeitstudenten den Kampf angesagt hatte. Danach tat sich jedoch nicht viel.

Nun ist ein Jahr vorüber und der Dekan des Fachbereiches Geschichte, Prof. Eberhard König, beginnt das Sommersemester 2002 wieder mit der Drohgebärde. Das Unheil verkündet ein kleiner gelber Zettel im Friedrich-Meinecke-Institut, der mit den Worten beginnt: »Ein Gespenst geht um«. Sinn: Zwangsexmatrikulation aller Langzeitstudenten. Dabei geht es aber nicht um eine großangelegte Reform, sondern nur um eine Verschärfung der Studienordnung. Besonders deprimierend müssen für alle Langzeitstudenten Königs Worte klingen: »Glauben Sie nicht, solchen Maßnahmen entgehen zu können.«

König verweist auf die Pläne der FU Berlin, die Satzung für Studienangelegenheiten zu verändern. Demnach droht Studierenden beim Ausbleiben der Zwischenprüfung und dem Versäumen der Nachfristen die Zwangsexmatrikulation. Dabei gilt eine Frist von sechs Semestern für den Abschluss der Zwischenprüfung, danach erfolgen individuelle Auflagen. Wer diese nicht erfüllt, der wird nach weiteren zwei Semestern zwangsexmatrikuliert. Diese geplante Verschärfung soll nach Königs Worten nur ein Anfang sein. Für den Studienabschluss wird es in Kürze ebenfalls neue Bestimmungen geben.

Straffung des Studiums bis 2005

König hebt das Interesse aller Parteien an einer Straffung des Studiums hervor. Als Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Präsidium der FU Berlin und den einzelnen Fachbereichen im vergangenen Herbst wurden folgende Zielvereinbarungen festgelegt: Bis zum Herbst 2003 soll die durchschnittliche Semesterzahl auf zwölf reduziert werden. Im Fachbereich Geschichte liegt sie zur Zeit bei fast 17 Semestern. Allerdings kann fast kein Magisterstudiengang an der FU Berlin weniger als 14 Semester im Schnitt bis zum Abschluss vorweisen. Als zweiter Schritt soll bis 2005 die Semesterzahl, die Studierende bis zu ihrem Abschluss benötigen, auf zehn reduziert werden.

Sofern diese Zielsetzungen nicht erreicht werden, droht dem Fachbereich eine gravierende Haushaltskürzung. Dies betrifft aber nicht nur die Geschichts- und Kulturwissenschaften. Alle Institute sind von einer Kürzung ihres Etats um bis zu 15 Prozent bedroht. Nur aus dieser Angst heraus ist wohl der Satz Königs zu bewerten, der allen potentiellen Langzeitstudierenden das Blut in den Adern gefrieren lässt: »Mit Verständnis für besondere Probleme ist nicht zu rechnen.«

Königs abschließender Rat an alle ist, in den ersten Wochen des neuen Semesters eine »Persönlichkeit ihres Vertrauens« aufzusuchen, um die individuellen Studienprobleme zu meistern. Das die individuellen Probleme aber auch viel mit dem Studiensystem der deutschen Universitäten zu tun haben, fällt bei solchen Mitteilungen gern unter den Tisch. Daher ist die Zwangsexmatrikulation das Gespenst, das sich mit einer grundlegenden Studienreform vertreiben lassen könnte. (se)

Wissenscommunity