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Der geheime Code der Liebe : Ich bin grundlos eifersüchtig und lasse meinen Partner nicht ausgehen

Petra ist tierisch eifersüchtig und hat große Angst, ihren Freund dadurch zu verlieren. Trotzdem kann sie in vielen Situationen einfach nicht anders und macht ihm eine Szene. Julia Peirano sucht nach den Gründen für Petras Verlustängste.

Guten Tag Frau Peirano,
Ich habe seit rund einem Jahr einen neuen Freund, der sich ganz anders als mein Ex- Mann toll um mich kümmert. Wir führen an sich eine total harmonische und liebevolle Beziehung.
Nun ist es allerdings so, dass ich extrem viel Aufmerksamkeit brauche und mein Freund mir diese auch immer zuteil werden lässt. Dennoch werde ich sehr unfair, wenn er mal etwas nicht mit mir, sondern mit Freunden macht ,was wirklich sehr selten vorkommt. Ich manipuliere ihn dann, eher unabsichtlich, emotional, mache ihm ein schlechtes Gewissen rufe an etc. Ich sage manchmal, ich sei krank oder jammere, dass ich alleine bin. Obwohl es keinen Anlass gibt, bin ich eifersüchtig und will ihn nur für mich. Ich habe ständig Angst, wir könnten uns voneinander distanzieren oder dass er gar eine neue Frau kennen lernt. Ich schaffe es einfach nicht, an so einem Abend mal etwas alleine zu machen.
Ich habe Angst, dass ich meine Beziehung auf diesem Weg langfristig kaputt mache. Wir haben uns schon offen darüber unterhalten und er versteht mein Defizit und ist sehr lieb zu mir. Dennoch weiß ich, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich liebe ihn sehr und will ihn auf keinen Fall verlieren.
Vielen Dank für Ihren Rat
Petra

Liebe Petra,
ich finde es sehr gut, dass Sie schon so viel Einsicht in Ihre Probleme haben! Denn Sie haben Recht damit, dass Ihr Verhalten das Risiko birgt, dass Sie Ihre Beziehung zerstören und damit genau das erreichen, was Sie nicht wollen. Deshalb ist es klasse, dass Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie sich anders verhalten können.
Nun ist das oft leichter gesagt als getan. Ich vermute, dass Ihr "klammeriges" Verhalten mit Verlusten oder zumindest starken Verlustängsten in Ihrer Kindheit zusammen hängt oder mit den Erfahrungen in der Beziehung zu Ihrem Ex-Mann, der sich wohl wenig um Sie gekümmert hat. Wie haben Sie denn die Zeit an seiner Seite überstanden? Konnten Sie da besser alleine sein als jetzt?
Und wie sieht es in Ihrer Kindheit aus? Oft gelten Verlustängste früheren Bezugspersonen. Gab es bei Ihnen in der Familie eine wichtige Bezugsperson, die Sie verlassen hat- hat zum Beispiel Ihr Vater die Familie verlassen und den Kontakt zu Ihnen abgebrochen? Oder hat ein Elternteil zumindest damit gedroht hat, Sie zu verlassen? Waren Ihre Eltern mit ganz anderen Dingen beschäftigt als mit Ihnen? So, wie Sie sich beschreiben, hören Sie sich nach einem Kind an, das (entweder wirklich oder innerlich) verlassen wurde und das nicht verarbeitet hat. Wenn das so ist, kann eine Therapie helfen, die Verluste aufzuarbeiten.
Ich denke, dass es ganz wichtig für Sie wäre, sich mit der Frage auseinander zu setzen, woher Ihre Verlustängste kommen und an wen Sie wirklich gerichtet sind. Solche Ängste haben aus ihrer Geschichte immer ihre Berechtigung und erfüllten oft eine ganz wichtige Funktion. Wenn ein Kind große Verlustängste hat, geht die Mutter vielleicht seltener aus. Oder die erwachsene Frau, die starke Panik und Ängste vor dem täglichen Leben hat, bindet ihren Partner näher an sich - er kann sich nicht von ihr trennen, weil sie ihn so braucht.
Glücklich ist mit diesen Konstellationen keiner so richtig. Deshalb rate ich Ihnen, sich ganz deutlich zu sagen, dass Ihr Partner nichts für Ihre Ängste und Defizite kann! Er verhält sich vertrauenswürdig, nimmt Rücksicht und ist liebevoll- mehr können Sie sich nicht wünschen.
Deshalb wäre es gut, wenn Sie das würdigen und daran arbeiten, dass Sie ruhig und gelassen bleiben, wenn er mal ausgeht. Sie können sich zum Beispiel eine Freundin einladen und einen schönen Abend mit ihr verbringen, oder alleine Sport machen (das beruhigt), eine Entspannungs-CD hören oder einen guten Film gucken. Überlegen Sie sich vorher, welche negativen Gefühle aufkommen können und nehmen Sie sich fest vor, diese Gefühle auszuhalten. Das macht stark, wenn man weiß, dass man Anflüge von Sorgen, Eifersucht, Unwohlsein oder Langeweile bewältigen kann! Vielleicht können Sie in der Zeit Tagebuch schreiben und sich selbst beruhigen. Versuchen Sie, das Alleinsein zu üben, und halten Sie sich davon ab, Ihren Freund anzurufen! Nur wenn er in Ruhe weggehen kann, kommt er auch gerne wieder.
Ich bin überzeugt, dass es Ihnen mit der Zeit und Übung besser gelingen wird.
Es ist ganz wichtig, dass Sie lernen wollen, sich um sich selbst zu kümmern, denn das ist die beste Basis für eine ausbalancierte Beziehung.
Herzliche Grüße
Julia Peirano

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Julia Peirano

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