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Der geheime Code der Liebe : Ich habe mich verliebt – aber er will nur lockeren Sex

Sina hat sich auf eine Affäre mit ihrem Handballtrainer eingelassen. Jetzt ist sie bis über beide Ohren verliebt, während er weiterhin darauf besteht, keine feste Beziehung zu wollen. Julia Peirano rät zu einem harten Schnitt - auch wenn's weh tut. 

Hallo Frau Peirano,
mein Handballtrainer hat sich Anfang des Jahres von seiner Freundin getrennt. Er fing dann an, heftig mit mir zu flirten. Ich fand ihn schon immer toll und habe volle Fahrt voraus mit geflirtet. Es ging dann natürlich weiter. Er verabredete sich mit mir, wir hatten sehr viel Spaß und es knisterte wie verrückt. Irgendwann landeten wir im Bett. Bevor wir wirklich miteinander schliefen, sagte er zu mir, dass er keine Beziehung will. Er war lange in der Beziehung mit seiner Ex-Freundin, zum Schluss war es wohl sehr anstrengend, und jetzt will er erst mal seine Freiheit genießen.
Ich dumme Nuss ließ mich trotzdem darauf ein, weil ich mich in ihn verliebt hatte. Ich verdrängte das, was er gesagt hat. Er verhielt sich ja auch nicht so, als wenn er keine Gefühle für mich hatte. Und im Bett war es mit ihm wunderschön.
Bis jetzt, und das sind nun schon sechs Monate, treffen wir uns weiter, schlafen miteinander, haben eine sehr intensive Zeit, wenn wir zusammen sind. Aber wenn wir nicht verabredet sind, ist er auch wie untergetaucht, und ich weiß nicht, was er sonst macht. Und wenn ich mal frage, wie es mit uns weitergehen soll (zum Beispiel auch, ob wir zusammen Weihnachten feiern oder vor der Handballmannschaft zeigen, dass wir zusammen sind), dann sagt er, dass er doch klar gesagt hat, dass er nichts Festes will.
Ich habe jetzt von einer anderen Frau aus der Handballmannschaft gehört, dass er noch mit einer anderen Frau "etwas laufen" hat. Ich fühle mich nur noch schlecht. Ich denke an ihn mit der anderen Frau, oder mit noch anderen Frauen. Ich weiß, dass ich mich eigentlich trennen sollte, aber ich komme von alleine von ihm nicht weg. Irgendwie hofft mein Herz, dass es sich ändert und er sich ganz für mich entscheidet, obwohl mein Kopf das nicht glaubt. Ich habe mich schon öfters mal einige Tage nicht gemeldet, aber dann sehe ich ihn und es ist wieder wie vorher. Er kann so zärtlich zu mir sein, und ich bin so süchtig nach unseren intensiven Momenten, dass ich alles vergesse.
Ich reiße mich wirklich zusammen, um nicht zu klammern oder dauernd nervige Fragen zu stellen, weil ich seine Antwort schon kenne. Aber ich bin völlig gefangen. Ich kann mich nicht trennen, und ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Ich hoffe, Sie können mir helfen
Viele Grüße
Sina F.

Liebe Sina F.,
oje, da sind Sie wirklich in einer schwierigen Situation! Ich befürchte, dass Sie sich keinen Gefallen getan haben, als Sie sich darauf eingelassen haben, mit einem Mann zu schlafen, der nicht Festes will. Es gibt Frauen, die Sex ohne Liebe haben können, die eine offene Beziehung oder eine Affäre haben können. Aber Sie gehören, wie Sie gerade selbst merken, nicht zu der Gruppe der Frauen, die unverbindlichen Sex genießen können. Und was es noch schlimmer macht: Sie sind verliebt. Da ist die Unverbindlichkeit Gift!
Bei Ihnen löst diese Begegnung starke Sehnsüchte nach Nähe, Exklusivität und einer festen Beziehung aus - und deshalb leiden Sie. Sie leiden, weil er mit anderen Frauen schläft, weil er Ihnen nicht erzählt, was er in seiner übrigen Zeit macht, weil er sich nur ein Stück auf Sie einlässt, aber eben nicht ganz.
Und weil Sie einfach für so eine Konstellation nicht geschaffen sind, würde ich Ihnen wirklich raten, das Ganze zu beenden. Die Chancen dafür, dass dieser Mann sich wirklich voll und ganz für Sie entscheidet, stehen schlecht, und für ihn ist diese Situation extrem vorteilhaft. Er scheint nicht in Sie verliebt zu sein, kann aber die Vorteile einer Beziehung genießen, ohne sich darum zu kümmern, wie Sie sich wirklich fühlen. Er hat sich allerdings sehr fair verhalten, indem er Ihnen gleich vorher reinen Wein eingeschenkt hat, nur war es in der Situation für Sie wahrscheinlich schwer, ihm zu glauben und klar zu denken.
Sie sagen, dass Sie es bislang nicht geschafft haben, sich zu trennen. Hier sind einige Hilfestellungen:
Führen Sie zunächst ein Gespräch mit ihm und sagen Sie ihm klar und offen, dass Sie sich in ihn verliebt haben und sich im Grunde eines Herzens eine verbindliche Beziehung mit ihm wünschen. Wenn er bei seinem Standpunkt bleibt, bekommen Sie eine Bestätigung dafür, dass er sich nicht binden will. Das ist verständlich und sein gutes Recht, nur für Sie passt das einfach nicht.
Sagen Sie ihm dann auch, wie es Ihnen mit dieser Situation geht - wie traurig Sie sind, wie eifersüchtig, wie allein gelassen Sie sich teilweise fühlen und wie Sie kämpfen müssen, keine unbequemen Fragen zu stellen. Und sagen Sie ihm dann, dass Sie das nicht mehr so wollen.
Ich denke, dass dieses Gespräch mit ihm wichtig ist, um die Brücken zu ihm abzubrechen. Er legt Wert auf Fairness, deshalb denke ich, dass er nach diesem offenen Gespräch nicht weiter mit Ihnen eine intime Beziehung führen wird. Es wird ja klar, dass Sie nicht so unbeschwert sind, wie Sie es ihn haben glauben machen. Leider werden Sie auch Ihren Handballverein wechseln müssen oder eine Pause machen, bis Sie darüber hinweg sind. Ich vermute, dass er sich nicht mehr bei Ihnen melden wird, um Sie nicht weiter zu verletzen.
Und dann nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihre Gefühle. Widmen Sie sich Ihrem Kummer, eventuell Ihrer Wut, Enttäuschung und Ihren Sehnsüchten. Schreiben Sie Tagebuch, treffen Sie sich mit lieben Menschen, unternehmen Sie schöne Dinge.
Sie können sich auch einmal vorstellen, wie es Ihnen gehen würde, wenn Sie zum Beispiel nächstes Weihnachten (2016) immer noch in der gleichen Situation sind - und dann nachspüren, wie Sie sich dann fühlen. Und was ist, wenn sich auch in drei, fünf, zehn Jahren nichts verändert hätte?
Und dann stellen Sie sich einmal vor, wie Sie sich fühlen, wenn Sie das jetzt beenden. Sie werden eine Weile leiden und trauern, aber irgendwann werden Sie wieder aufrecht gehen, weil Sie sich selbst treu geblieben sind.
Und noch etwas: Entschuldigen Sie sich unbedingt bei sich selbst, dass Sie sich in diese Situation gebracht haben! Versprechen Sie sich, dass Sie alles dafür tun werden, dass Sie nie wieder jemanden wählen, der Sie nicht wirklich will.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommende Zeit. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!
Herzliche Grüße
Julia Peirano

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