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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Meine Ex schiebt unsere Tochter zu mir ab - das gefällt meiner neuen Freundin nicht"

Jens kümmert sich auch nach der Scheidung um seine Tochter, aber er will auch Zeit mit seiner neuen Freundin verbringen. Seine Ex aber schiebt das Kind jedes Wochenende zu ihm ab. Wie kann er das Problem lösen?

Vater und Mutter streiten sich

Wer kümmert sich um das Kind nach der Trennung?

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Liebe Frau Peirano,

ich (43) habe mich im Sommer 2013 von der Mutter meiner Tochter (jetzt 9) getrennt. Seitdem habe ich versucht, für meine Tochter da zu sein, so oft es mir möglich ist. Am Anfang habe ich sie jedes und Mittwochs Nachmittag bei mir gehabt.
Meine Ex-Frau ist inzwischen wieder verheiratet, mit dem Mann war sie ziemlich zügig nach unserer Trennung zusammen.

Ab Februar 2015 hatte ich dann auch eine neue Beziehung. Diese ist u.a. daran gescheitert, das meine damalige Freundin meinte, das ich sie hinter meiner Tochter zurückstellen würde und sie nur die Nr. 2 wäre. Das war in gewisser Weise auch so. Ich habe daraufhin bei meiner Ex-Frau durchgesetzt, dass meine Tochter an einem Wochenende im Monat bei ihr ist. Nun habe ich seit Oktober 2016 wieder eine Freundin, die ich am Anfang sehr geliebt habe. Auch, weil sie viel Verständnis dafür gezeigt hat, dass ich am Wochenende viel mit meiner Tochter mache und für sie da sein will. Sie hat zum Beispiel die Fahrten zu den Reitauftritten meiner Tochter klaglos mitgemacht und ihre Tochter (jetzt 6) auch mitgenommen. Dieses Verständnis hat immer mehr abgenommen.

Ich habe eingesehen, dass mehr Zeit alleine mit meiner Freundin uns sehr gut tun würde. Dies versuche ich nun umzusetzen, aber meine Ex-Frau möchte sich auf eine 2-1-2-1-Regelung (meine Tochter ist an 2 Wochenenden hintereinander bei mir, an dem darauffolgenden bei ihr) nicht einlassen. Das führt nun ständig zu Konflikten mit meiner Freundin, die zum Beispiel besagte Reittermine fair aufteilen möchte. Das möchte ich auch. Meine Freundin ist nun sehr rigoros und sagt, dass, wenn meine Ex-Frau einzelne Reittermine, die ihr zugeteilt sind nicht übernimmt, meine Tochter eben nicht zum Reiten geht! Ich habe damit meine Probleme, da ich meine, dass sie damit ihre Reitgruppe im Stich lässt. Außerdem wären die meisten Termine in relativ kurzer Zeit (max. 15 Minuten Fahrt) zu erreichen. Nun setzt mich meine Freundin unter Druck, diese Termine unter keinen Umständen wahrzunehmen, indem sie sagt, sie würde ansonsten die Wochenenden komplett ohne mich verbringen und wir "hätten dann einen Riesenkrach".
Hinzu kommt, dass sich meine Freundin und meine Ex-Frau nicht mehr unterhalten, bzw. kommunizieren, nachdem meine Freundin meiner Ex massiv die Meinung gesagt hat in deren Haus in Gegenwart der . Nun hat sie dort "Haus- und Hofverbot".

Ich habe immer versucht, einen Ausgleich herzustellen, da ich Streit hasse.
Ich weiß, dass er manchmal nötig ist und gehe dem nicht um jeden Preis aus dem Weg, aber versuche doch lieber erst zu vermitteln, bzw. Aufgaben zu übernehmen. Das hat meine Ex-Frau auch gerne mal ausgenutzt. Dem habe ich jedoch aus meiner Sicht ein Ende gesetzt.

Was ich möchte, ist, dass diese ganzen Konflikte nicht auf dem Rücken meiner Tochter/der Kinder ausgetragen werden. Deshalb war ich bisher immer für sie da. Ist das richtig? Wieviel Freiraum muss ich mir schaffen, damit man sagen kann, damit sollte eine Partnerin umgehen können? Ab wann geht das Ganze zu Lasten meiner Tochter? Ist meine Freundin zu fordernd oder hat sie Recht, wenn sie sagt, dass ich rigoros auch meiner Tochter gegenüber sein soll? Ich hoffe, dass Sie mir diese Fragen beantworten können.

Freundliche Grüße

Jens F.

Lieber Jens F.,

ich habe den Eindruck, dass Sie ganz schön zerrissen sind. Sie fühlen die Ansprüche der Frauen in Ihrem Leben stärker als Ihre eigenen Wünsche. Sie hören innerlich den Wunsch Ihrer Tochter: Sei immer für mich da, fahre mich zum Reiten, stell mich in den Mittelpunkt deines Lebens.
Sie hören den Anspruch Ihrer Ex-Frau, die sagt: Ich will die Wochenenden ungestört für mich und meine neue Beziehung. Nimm mir unsere Tochter ab!
Und Sie hören Ihre neue Freundin, die fordert: Verbring mehr Zeit mit mir alleine! Grenz dich von deiner Tochter und deiner Ex-Frau ab, denn ich will die Wochenenden nicht nach den Reitzeiten deiner Tochter ausrichten.
Sie hören sogar die Ansprüche der Reitgruppe Ihrer Tochter, die sagt: Lass uns nicht im Stich!

Ganz schön anstrengend, das Ganze!

Das Fatale an der Geschichte ist: Wenn Sie die Ansprüche Ihrer drei Frauen addieren, stellen Sie fest, dass Ihre Zeit hinten und vorne nicht reicht, um alle zufrieden zu stellen. Dazu kommt: Was ist denn mit Ihren eigenen Vorstellungen von einem Wochenende? Brauchen Sie nicht auch mal Zeit für sich, für Sport oder eigene Interessen? Wie geht es Ihnen dabei, von der Arbeit gleich zur Kinderbetreuung und dann wieder zur Arbeit zu wechseln? Und nie zu genügen, egal, wie Sie sich drehen und wenden?
Überlegen Sie doch mal, wie viel Zeit Sie für sich selbst haben möchten und wofür (z.B. Samstag in Ruhe zwei Stunden Zeitung lesen, mit einem Freund zu wichtigen Fußballspielen gehen…).


Was genau möchten Sie mit Ihrer Freundin unternehmen (Kino, Essen gehen, in Ruhe zu Hause entspannen, gemeinsam Mittagsschlaf machen…). Was davon könnte schon an einem Kinderwochenende stattfinden, indem Sie einen Babysitter organisieren oder die Kinder auswärts verabreden, Fahrdienste zum Reiten veranstalten etc.

Ich habe den Eindruck, dass Sie selbst nicht spüren, was Sie möchten und was Ihre Prioritäten sind. Deshalb tanzen Ihnen Ihre beiden erwachsenen Frauen auch auf der Nase herum und versuchen, mit Druck und Erpressung durchzusetzen, was sie selbst wollen. Und da sie gegensätzliche Dinge von Ihnen wollen, gibt es Konflikte, die mittlerweile schon die Grenzen der eigenen Rolle überschreiten. Ihre Freundin hat die Grenzen überschritten, wenn Sie sich mit Ihrer Ex-Frau über die Betreuungszeiten in die Haare kriegt. Das ist Ihre Baustelle! Und Ihre Ex-Frau sollte um des Frieden willens einer Frau, die zum neuen Leben Ihrer Tochter gehört, kein Hausverbot aussprechen.
Es ist sehr wichtig, dass Sie selbst die Dinge in die Hand nehmen und klare Ansagen machen, sonst übernehmen die Frauen diesen Part. Und Sie wissen ja, wohin das führt.

Wie wäre es, wenn Sie zuerst einmal selbst überlegen, wie viele Wochenenden Sie mit Ihrer Tochter verbringen wollen und wie viele Wochenenden Sie gerne kinderfrei hätten? Versuchen Sie am besten, sich bei dieser Entscheidung von niemandem beeinflussen zu lassen. Schlagen Sie dann Ihrer Ex-Frau diese Regelung vor. Wenn Sie nicht einverstanden sind, können Sie ein Gespräch beim Jugendamt vereinbaren. Es wäre auch interessant, die rechtliche Lage in Erfahrung zu bringen: Haben Sie eine Trennungsfolgenvereinbarung, in der die Wochenenden geregelt sind? Wie sieht es mit Ihren Pflichten als Vater aus? Oft ist vorgesehen, dass die Kinder jedes zweite Wochenende beim Vater sind. Was ist für das Kindeswohl am besten? Für Ihre Tochter ist es bestimmt gut, auch regelmäßig Wochenenden mit ihrer in ihrem ersten Zuhause zu verbringen. Ganz wichtig wäre es allerdings, dass sie sich nicht als Störelement in den neuen Beziehungen ihrer Eltern sieht.


Wie können Sie und Ihre Ex-Frau das gewährleisten? Gibt es die Möglichkeit, dass Sie ein anderes Modell wählen und Sie zum Beispiel Ihre Tochter unter der Woche häufiger sehen und dafür an Wochenenden weniger? Bedenken Sie: Ihre Ex-Frau hat es durch Druck und massive Forderungen geschafft, dass alles so läuft, wie sie will. Sie haben bisher nachgegeben. Sie sind aber getrennt. Ihre Rolle ist es nicht, Ihrer Ex-Frau das Leben angenehm zu gestalten und ihr Freiräume an Wochenenden zu gewähren. Sie muss sich an die Regelungen halten, die Sie beide absprechen. Das Jugendamt kann dafür sorgen, dass die Interessen aller gesehen werden.

Aus meiner Sicht bewährt es sich, wenn die Wochenenden verbindlich festgelegt werden. Dann können Sie und Ihre Partnerin planen und können auch mal zusammen verreisen. Es wäre sicher gut, die Kinderwochenenden zusammen zu legen und dann ein schönes Kinderprogramm zu veranstalten. Gleichzeitig können Sie die kinderfreien Wochenenden intensiv gemeinsam nutzen, was bestimmt der Partnerschaft zu Gute kommt.

Versuchen Sie, mehr auf sich selbst zu achten. Sie werden es nicht Allen Recht machen können. Bei Kindern kommt es aber nicht unbedingt darauf an, wie viel Zeit man zusammen verbringt, sondern wie intensiv und wertvoll diese Zeit ist.

Ich hoffe, dass Sie mehr Ordnung in Ihr Leben bringen können und sich auch klarer gegen die Ansprüche der anderen abgrenzen lernen.

Herzliche Grüße, Julia Peirano  


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