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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Ich will Sex - viel mehr als meine Freundin"

Fritz ist unglücklich, denn seine neue Freundin hat deutlich weniger Lust auf Sex als er. Ähnlich ging es ihm schon bei seiner Ex-Frau. Ist er einfach besessen von Sex - oder steckt mehr dahinter?

Muss er seine neue Partnerin verlassen?

Er will, sie Nicht - wir kann man mit solchen sexuellen Unterschieden umgehen?

Liebe Frau Peirano,

ich bin 50 Jahre alt und habe das Gefühl, ein Sexbesessener zu sein. Etwa sechs Monate, nachdem ich mich von meiner langjährigen Ehefrau getrennt hatte, fand ich den Mut, eine Frau anzusprechen, die mir auf Anhieb sehr sympathisch war. Man könnte sagen, ich war vom Fleck weg in diese Frau verliebt. Sie empfand es ebenso und wir sind nun seit einem Jahr in einer Beziehung. Ihre Ausstrahlung, ihr Aussehen und die Art, wie sie mit Menschen umgehen kann, faszinieren mich immer wieder aufs Neue.


Wenn Sie mich jetzt allerdings nach meinem aktuellen Gemütszustand fragen, dann müsste ich Ihnen antworten, dass ich nicht glücklich bin. Meine Hoffnung in der neuen Beziehung bestand natürlich auch darin, körperliche Liebe zu erleben. Ich war am Anfang gehemmt, da ich über viele Ehejahre hinweg zu der Überzeugung kam, ein schlechter Liebhaber zu sein, der es nicht schafft, auf die Wünsche und Gedankenspiele seiner Partnerin einzugehen. Meine Frau und ich hatten jahrelang höchstens sechs Mal Sex im Jahr. Ich versuchte immer mal wieder, mit netten Gesten und Worten ihre zurückhaltende Art zu überwinden. Letztlich änderte das ihr Verhalten nur noch mehr. Sie entzog sich am Ende selbst einer liebevollen Umarmung. Streicheln, Küssen oder auch nur Kuscheln fanden so gut wie nicht mehr statt. Ich konnte ihr ansehen, wie sie mit Widerwillen auf meine Annäherungen reagierte, immer in der Vorahnung, wenn sie diese Umarmung, diesen Kuss zuließe, dann würde sich daraus bei mir das Verlangen nach Sex ergeben. Nicht dass Sie jetzt meinen, ich hätte meine Frau bedrängt oder gar gezwungen. Niemals. Im Gegenteil, ich zog mich meist wortlos zurück. So konnte und wollte ich irgendwann nicht mehr weitermachen.

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Meine neue Beziehung begann wunderbar. Wir sprachen offen über dieses Thema. Wir liebten uns mehrmals in der Woche, manchmal sogar mehrmals am Tag. Es ergab sich einfach. Ich war so glücklich und sicher, nun am Ziel zu sein. Seit ein paar Wochen entwickelt sich unsere Beziehung jedoch schleichend in die andere Richtung. Meine Partnerin erzählt mir, dass sie in ihrer zurückliegenden Ehe auch nur alle vierzehn Tage Sex hatte und dies als ausreichend empfand. Sie fühlt immer häufiger, dass sie nicht in der Lage ist, mir mehr geben zu können. Ansonsten sei sie nicht mehr sie selbst. Unseren Sex empfindet sie als sehr schön, intensiv und befriedigend. Sie bezeichnet mich als den perfekten Liebhaber. Trotzdem zieht sie sich immer mehr von mir zurück. Sie zeigt dasselbe Verhalten wie damals meine Frau. Vor kurzem waren wir eine Woche im Urlaub. Sieben Tage Entspannung und Ruhe. Ich hielt mich zurück, hoffte, dass sie sich in dieser gelösten Stimmung öffnen könnte. Außer ein paar kurzen Umarmungen und Küssen geschah nichts. Meine Partnerin war in gleichem Maße zufrieden wie ich unzufrieden war.

Können Sie sich vorstellen, wie es mir geht, warum ich diesen Einleitungssatz gewählt habe? Liege ich mit meinen Wünschen und Sehnsüchten nach körperlicher Nähe und Sex so weitab von der menschlichen oder besser weiblichen Natur? Ich bin in der neuen Beziehung genau dort gelandet, wo ich bei meiner vorherigen war. Beide Frauen liebten und lieben mich und wünsch(t)en sich nichts mehr, als dass ich mit dem zufrieden bin, was sie mir bieten können. Und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als liebevolle körperliche Nähe zu der Frau die ich liebe, aber halt öfter als nur alle paar Wochen.

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Gibt es denn überhaupt Frauen, für die Liebe, neben all den schönen anderen Gemeinsamkeiten, auch aus anhaltendem, körperlichem Begehren und Verlangen besteht? Ich mag nicht schon wieder eine Frau, die ich liebe und die mich liebt, aufgeben, um mich auf die Suche nach meinem vermeintlichen Lebensglück zu begeben.
Viele Grüße Fritz B.

Lieber Fritz B.,

Ihre Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn bei einer so intimen Angelegenheit wie beim Sex kommt es natürlich sehr auf Ihren Umgang miteinander an. Und dieser Umgang spielt sich ja hinter verschlossenen Türen ab, und nur Sie beide wissen wirklich, was dort geschieht. Die einzige, die Ihnen Auskunft geben kann, wie sie Ihre Annäherungen empfindet, ist Ihre jetzige Freundin. Aus meiner Sicht können Sie ihr ruhig vertrauen und glauben, wenn sie sagt, dass Sie sie liebt und Sie für einen guten Liebhaber hält.

Dies vorausgeschickt, kann ich versuchen, aus der Ferne eine Diagnose von dem, was bei Ihnen passiert, zu wagen. Ich schreibe absichtlich aus weiblicher Sicht, unter Berücksichtigung der vielen Schilderungen von Frauen, die ich gehört habe. Es kann Ihnen vielleicht helfen, wenn Sie gespiegelt bekommen, wie Ihr Erleben und Verhalten auf eine Frau wirken mag. Ganz wichtig ist, dass Sie sorgfältig darauf achten, dass Sie Ihre Freundin und Ihre Ex-Frau nicht innerlich in einen Topf werfen und sich fragen (ich übertreibe jetzt): "Warum haben alle Frauen keine Lust auf mich?" Wenn dieser Vergleich durchklingt, kann das Ihre Freundin empfindlich treffen, denn wer möchte schon verallgemeinert werden?


Ich stelle immer wieder in den vielen Zuschriften, die ich bekomme, fest, dass viele Männer sehr auf die Häufigkeit und Intensität der sexuellen Begegnungen achten und sich sehr zurückgewiesen fühlen, wenn es Ihrer Meinung nach zu seltenen Sex gibt. Allerdings habe ich vereinzelt auch Klagen von Frauen gehört, die sich deutlich mehr sexuelle Initiative von ihrem Partner gewünscht haben. Soviel zu Ihrer Frage, ob es nicht in der Natur der Frau liegt, häufiger als alle paar Wochen Sex zu wollen.

Wenn einer in einer Beziehung mehr Sex möchte als der andere, entsteht eine bestimmte Beziehungsdynamik. Es scheint auch in Ihrer Beziehung so sein, dass ausschließlich Sie derjenige sind, der sich um Zärtlichkeit und Sexualität kümmert, hier vorsichtige, aber dennoch zielgerichtete Avancen macht und sichtbar enttäuscht ist, wenn er abgewiesen wird. Ihre Freundin, die deutlich wenig Sex möchte als Sie, braucht sich anscheinend nicht mehr darum zu kümmern, Sie zu verführen, denn sie spürt, dass Sie jederzeit bereit wären. Und zwar öfter, als sie selbst daran interessiert ist. So geraten Sie in die Rolle des Eroberers, und Ihre Freundin in die Lage der Eroberten oder, falls das nicht erwünscht ist, Flüchtenden. Sie fühlt sich bestimmt wohl damit, Ihrer sicher zu sein. Aber gleichzeitig fühlt Sie sich vermutlich auch etwas belagert. Möglicherweise möchte sie selbst auch mal die Verführerin sein und sich um Sie bemühen – doch die Eroberung wäre zu leicht.

Es mag aber auch einen anderen Grund geben. Sie wirken in Ihrer Art zu schreiben offen gesagt etwas zielgerichtet in Bezug auf Sex, und ich kann mir vorstellen, dass auch Ihre Freundin das merkt. Möglicherweise merkt eine Frau Ihnen an, Sie sexuelle Sehnsüchte und Hintergedanken haben, wenn Sie besonders freundlich, zärtlich und aufmerksam sind. Auch hier entsteht in der Beziehungsdynamik ein Teufelskreis: Sie nähern sich an, mit der Angst, abgelehnt zu werden. Die Frau sieht in der Annäherung den ersten Schritt zum Sex, und erstickt schon die Annäherung im Keim. Dann distanzieren Sie sich wortlos, wenn Sie abgewiesen werden. Das ist für viele Frauen verletzend. Klischeehaft denkt ein Mann, wenn er abgewiesen ist: "Sie will mich nicht wirklich, denn sie will nicht mit mir schlafen." Die Frau denkt: "Er redet nicht mit mir, wenn ich nicht mit ihm schlafen will. Ihm geht es nicht wirklich um mich, sondern nur um Sex." Fatal!


Es ist schwer, diese Muster zu durchbrechen. Vielleicht wäre es entlastend für Sie und Ihre Partnerschaft, wenn Sie sich in Ihrem eigenen Kopf etwas entspannen. Ihre Partnerin liebt Sie und genießt den Sex mit Ihnen – das ist doch eine gut Nachricht. Allerdings will Sie aus irgendwelchen, sei es hormonellen, genetischen, beziehungsdynamischen oder lebensgeschichtlichen Gründen nicht so oft mit Ihnen schlafen, wie Sie es sich wünschen. Wie wäre es, wenn Sie aufhören, innerlich Buch zu führen über die Häufigkeit der Berührungen und der sexuellen Begegnungen? Sondern es einfach zu genießen, wenn es passiert und wenn es schön ist? Ich höre aus Ihrer Sehnsucht so etwas wie: "Wenn sich das auf Dauer nicht ändert, suche ich nach einer Partnerin, die mehr Lust hat."

Ich vermute, dass auch das sich auf Ihre Partnerin überträgt und Ihr etwas die Lust nimmt, dass sie a) unzureichend ist und b) möglicherweise ersetzt wird. Sex ist ja keine Aufgabe, die sie zu erfüllen hat, sondern eine liebevolle Begegnung zwischen Ihnen beiden. Ich befürchte, dass es nichts bringen wird, Ihrer Freundin Ihren Wunsch nach mehr Sex offen zu sagen oder zu zeigen. Es wäre kontraproduktiv, da sie sich mehr als jetzt für ihre Lustlosigkeit rechtfertigen müsste oder noch stärkere Schuldgefühle empfindet, weil Sie nicht mit ihr glücklich und zufrieden sind. Das würde Ihr Problem noch verschärfen.
Wie wäre es, wenn Sie sich genussvoll um Selbstbefriedigung kümmern und den Sex mit Ihrer Partnerin als eine sehr intime Begegnung zwischen Ihnen sehen, die dann, wenn Sie passiert, von beiden gewollt wird?

Ich hoffe, dass Sie beide einen Weg finden, um mit Ihrer unterschiedlichen Lust umzugehen.
Mit freundlichen Grüßen, Julia Peirano

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(