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Julia Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich gerate ständig an Frauen, die klammern

Frank ist ein begehrter Mann, er hat keinerlei Probleme, eine attraktive Frau kennenzulernen. Die letzten Partnerinnen gingen es intensiv an und auch von seiner neuen Bekanntschaft fühlt er sich bedrängt – wie kommt er aus dem Muster heraus?

Frau guckt genervt auf ihr Telefon

Wieso antwortet er nicht??

Sehr geehrte Frau Peirano,

ich, 43, bin seit einiger Zeit Single und lerne immer mal wieder eine interessante Frau kennen. Anscheinend bin ich ein begehrenswerter Partner, denn sobald ich mit einer Frau Kontakt habe, wiederholt sich dieses Muster: Wir treffen uns mehrmals, nach ein paar Treffen landen wir meistens auch im Bett. Ich bin schon interessiert, aber ich will die Sache locker angehen. Die Frauen melden sich aber dauernd über SMS bei mir, manchmal sind es 10 bis 20 pro Tag. Einmal war ich in einer Besprechung, und als ich danach auf mein Handy schaute, waren 7 SMS da – von der gleichen Frau! Wenn ich mich nicht melde, kommen "Anstupser" wie "Na, hast du gerade keinen Empfang?" oder Fragen im Sinne von "Was machst du gerade?", teilweise sogar Vorwürfe.

Mich bedrängt das! Ich möchte es langsam angehen und kann einfach nicht verstehen, warum Frauen solchen Druck machen. Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich es durchaus ernst meine und nie mehrere Frauen nebeneinander habe. Ich bin auch an den Frauen interessiert, mit denen ich mich treffe. Aber das dauernde SMS-Schreiben nervt mich sehr und treibt mich in den Rückzug. Warum hat eine attraktive Frau es nötig, sich so anzubieten? Wissen die Frauen nicht, dass sie sich zurückhalten sollten? Männer haben doch einen Eroberungsinstinkt. Es reizt mich nicht, wenn eine Frau mir hinterherläuft. Bei den letzten beiden Frauen habe ich die Sache nach einigen Wochen einfach beendet. Jetzt gerade treffe ich mich wieder mit einer Frau (Anne), die mir ständig schreibt und mir schon nach wenigen Tagen ihre Gefühle gestanden hat. Wie rette ich die Sache noch? 

Viele Grüße,
Frank B.


Lieber Frank B.,

es hört sich so an, als wenn Ihre letzten Bekanntschaften eine ganz andere Vorstellung von Nähe und Distanz hatten als Sie. Sie scheinen wenig Verlustangst zu haben. Partnersuche steht bei Ihnen unter dem Motto: langsam angehen, sich kennenlernen und schauen, wie viele Gefühle man dann entwickelt. Und wenn es nicht passt, dann eben nicht. Bei Ihren Bekanntschaften scheint ein ganz anderes Programm abzulaufen. Mit den ersten Treffen und wahrscheinlich auch dem Sex entstanden bei den Frauen schon Gefühle für Sie: Verliebtheit, der Wunsch nach Kontakt und auch eine gehörige Portion Verlustangst. Ich vermute, dass einige dieser Frauen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben und plötzlich verlassen wurden. Nun bleiben sie ständig am Ball, gehen ständig durch SMS auf Tuchfühlung und wollen so verhindern, dass auch der neue Partner sie verlässt. Wie es so ist mit Vorstellungen von der Liebe: Meistens denkt jeder, dass die eigene Art zu lieben genau richtig ist und ist irritiert, wenn der Partner ganz anders ist.

Bei einem unterschiedlichen Nähebedürfnis zeigt sich das besonders stark: Die Frau geht davon aus, dass Sie es genauso angenehm finden wie sie selbst, wenn Sie ständig in Kontakt bleiben und den anderen über jedes kleine Detail unterrichten. Sie hingegen empfinden genau das als bedrängend. Es nervt Sie und schnürt Ihnen die Luft ab. Mit der Zeit verschärft sich das Problem noch, wie man bei vielen Paaren beobachten kann. Wenn einer alleine sein will, fühlt der andere sich zurückgewiesen und klammert oder schmollt. Das jagt den anderen Partner noch mehr in die Flucht. Je mehr er flieht, desto mehr hält der andere fest, klammert oder macht Vorwürfe.

Deshalb rate ich Ihnen zwei Dinge: Wenn Ihre neue Beziehung zu Anne nicht gelingt, achten Sie bewusst darauf, dass Sie beim nächsten Kennenlernen eine Frau mit einem ähnlichen Nähebedürfnis wie dem Ihren finden. Schneiden Sie das Thema an, wie gerne die Frau alleine ist, wie oft sie etwas für sich macht, wie sie es empfindet, wenn man ständig über SMS Kontakt hält. Es gibt viele Frauen, die ähnliche Vorstellungen haben wie Sie und es auch nicht mögen, wenn jemand Ihnen dauernd zu nah kommt.

Und in Bezug auf Anne hilft nur eines: Schicken Sie ihr eine freundliche, aber klare E-Mail. Eine E-Mail ist aus meiner Sicht besser als ein Gespräch, weil Anne dann Zeit hat, das Gesagte zu verarbeiten. Sie kann den genauen Wortlaut immer wieder nachlesen und eventuell auch mit Freundinnen besprechen. Bei einem Gespräch hingegen wäre es gut möglich, dass sie nur das hört, was sie hören will.

Zum Inhalt: Schreiben Sie ihr, wie Sie es empfinden: Sie mögen sie, sind interessiert an ihr und wollen weiterhin Kontakt mit ihr haben. Allerdings mögen Sie es nicht, ständig zu schreiben und sich jedes Detail aus dem täglichen Leben mitzuteilen. Das bedrängt Sie eher und führt dazu, dass Sie das Interesse verlieren. Schlagen Sie in der E-Mail am besten ein verbindliches nächstes Treffen vor, damit Anne weiß, wann Sie sie wiedersehen wollen. Und bitten Sie sie dann, sich zurückzuhalten. Und zumindest nicht eine zweite SMS zu schreiben, wenn Sie noch nicht einmal auf die erste geantwortet haben.

Gerade weil Sie sich schon häufiger in der Anfangszeit von Frauen vereinnahmt gefühlt haben, wäre es jetzt eine gute Übung, bei Anne – oder auch bei anderen Frauen – Nähe und Distanz ganz bewusst zu regeln.

Geben Sie sofort Rückmeldung, wenn eine Frau Ihnen zu nah kommt. Sagen Sie ihr auch, wie Sie sich dabei fühlen. Zum Beispiel: "Ich möchte jetzt gerade nicht Arm in Arm gehen, sondern lieber etwas für mich sein." Oder: "Wir hatten heute einen schönen Abend, und ich möchte jetzt erst mal wieder für mich sein. Ich fühle mich nicht gut, wenn du jetzt schon fragst, wann wir uns wiedersehen." Geben Sie sich und Ihrer Bekanntschaft etwas Zeit, sich aufeinander einzustellen und Nähe und Distanz einzupendeln. Seien Sie ganz ehrlich, wenn Sie über Ihre Gefühle sprechen, aber bieten Sie auch so viel Sicherheit und Verbindlichkeit wie möglich. Denn wie gesagt: Je unsicherer die Frau sich fühlt, desto mehr klammert sie.

Herzliche Grüße,
Julia Peirano

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