Kinderfreie Eltern Und pötzlich sind sie aus dem Haus


Wenn die Kinder ausziehen, erscheint das vielen Paaren wie ein Jobwechsel. Sie sind als Eltern plötzlich arbeitslos. Zeit, sich als Paar wieder neu zu finden. Das AOK-Ratgeberforum hilft dabei.

Die Zweierbeziehung ist gut eingespielt. Dann kommen Kinder. Die Beziehung zueinander und der Alltag verändern sich mit der Geburt der Kinder und dem Familienleben schlagartig, die Rollen eines Paares werden neu festgelegt. Aber auch dieses scheinbar festgelegte "Eltern-Rollenmodell" ändert sich, wenn die Kinder nicht mehr zu Hause leben. Manche Eltern sehnen diesen Moment lange herbei, andere dagegen fürchten sich davor: Die Kinder ziehen aus. Für Paare kann das zur Belastungsprobe werden.

Endlich ein Zimmer mehr oder doch zu viel leerer Platz? So oder so, der Auszug der Kinder ist eine Umstellung. Plötzlich werden Wochenplan und Tagesrhythmus nicht mehr vom Nachwuchs mitbestimmt. Eltern können ihre Zeit freier einteilen. Paare, bei denen sich jahrelang alles um die Kinder drehte, sind nun wieder allein miteinander.

Manche Eltern fühlen sich dann schlagartig um Jahre gealtert. Sie werden nicht mehr in der gleichen Weise gebraucht wie bisher, fühlen sich überflüssig. Spätestens jetzt zeigt sich: Nicht nur die Kinder müssen sich von den Eltern abnabeln, sondern auch die Eltern von den Kindern.

Mit Altlasten aufräumen, bevor das Neue beginnt

Für die Partnerschaft ist das Herausforderung und Chance zugleich. Vielleicht hatten Sie lange keine Zeit mehr füreinander oder haben sich gar auseinandergelebt? Faule Sonntage, gemütliche Stadtbummel zu zweit, romantische Candle-Light-Dinnner – nur noch vage Erinnerungen an frühere Paarzeiten ohne Kinder? Womöglich kommen Konflikte und alte Verletzungen zum Vorschein, die im bewegten Alltag unter den Teppich gekehrt worden sind? Ein Partner fühlte sich lange vernachlässigt, während sich der andere jahrelang zwischen Kinderbetreuung, Haushalt und Job aufgerieben hat?

Nehmen Sie sich Zeit, um solche "Altlasten" zu klären. Zuhören, Zärtlichkeiten und gemeinsame Aktivitäten sollten jetzt ganz oben auf dem Plan stehen. Je weniger es davon in den letzten Jahren gab, desto eher müssen Sie dies wieder neu erlernen. Sprechen Sie über Ihre Wünsche und Pläne, über das, was Sie noch zusammen erleben möchten. Reden ist Gold – und zwar nicht nur über vergangene schwierige Zeiten, sondern über die eigenen Erwartungen und Gefühle. Versuchen Sie, die scheinbar festgelegten Rollen zu durchbrechen. Treiben Sie gemeinsam Sport, kochen Sie zu zweit, kaufen Sie sich ein Theater-Abo oder eine Kino-Zehnerkarte. So werden Sie neu herausfinden, wie viel Zeit Sie miteinander verbringen wollen und wie viel Freiraum jeder für sich braucht.

Erfinden Sie sich neu!

Sollte sich herausstellen, dass Sie weniger miteinander anfangen können, als Sie erhofft hatten, bauen Sie sich neue, eigene Aktivitäten auf. Klammern Sie sich jedoch nicht an Ihre Kinder: Rufen Sie nicht ständig an, bringen Sie keine Einkäufe vorbei, holen Sie nicht die Schmutzwäsche ab.

Reaktivieren Sie lieber Ihren Freundeskreis, erinnern Sie sich an alte Hobbys, suchen Sie sich neue. Haben Sie noch das Eltern-Netzwerk aus der Schulzeit Ihrer Kinder? Nutzen Sie es. Sie finden dort andere Eltern, die mitten in der Neuorientierung stehen. Fahnden Sie nach gemeinsamen Interessen, zetteln Sie Aktivitäten an.

Das Heft in die Hand zu nehmen, anstatt auf Einladungen zu warten, ist immer hilfreich. Laden Sie Bekannte mal zum Essen ein oder zum gemeinsamen Kinobesuch. Zeigen Sie, dass Sie alleine oder als Paar wieder mehr Zeit haben und Interesse an abwechslungsreichen Begegnungen.

Und wenn Sie sich in der halbleeren Wohnung so ganz und gar nicht wohlfühlen, wie wäre es mit ein paar Monaten als Au-pair in Übersee? Das ist keineswegs nur etwas für junge Leute. Gerade Ältere mit Erfahrung im Familienalltag werden gern genommen und davon haben Sie ja jede Menge.

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