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Daddylicious: Gadgets für Eltern - noch smart oder schon Big Brother?

Drohnen-Überwachung auf dem Schulweg, Blutwerte automatisch aufs Handy: Durch entsprechende Gadgets können Eltern ihre Kinder heute problemlos überwachen. Doch wann ist es genug?

Papa hat dich immer Blick - ob du willst oder nicht!

Papa hat dich immer Blick - ob du willst oder nicht!

Sicherheit ist ein elementares Grundbedürfnis des Menschen. Das ist nachvollziehbar, denn eine Umgebung voller Bedrohungen und Risiken würde die Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten jedes Individuums nachhaltig beeinträchtigen. In einer immer komplexer werdenden Welt erlangt der Begriff "Sicherheit" mit der Geburt eines Kindes eine weitere Dimension und sorgt bei Eltern nicht selten für eine 24-Stunden-Überwachung ihres Kleinkindes. Smart Home Produkte tragen ihren Teil dazu bei.

Früher war alles ... anders

In Sachen Kindersicherheit war es früher sicherlich nicht besser, es gab keine Anschnallgurte auf der Rückbank im Auto, keine Fahrradhelme und keine reflektierenden Winterjacken. In den Siebzigern wurden wir am Nachmittag auf die Straße gescheucht, damit Mama sich mal eine halbe Stunde ausruhen konnte. Wir sind mit dem Fahrrad zu unseren Freunden gefahren und haben eine Uhrzeit für die Rückkehr verabredet, die verbindlich war und - soweit es möglich war - auch eingehalten wurde. Und wenn wir abends nicht einschlafen konnten, dann gab es eine warme Milch mit Honig und eine Kuscheleinheit.

Unsicherheit führt zum Kauf

Heute hingegen wird mit der Unsicherheit der Eltern gespielt und damit auch eine Reihe zweifelhafter Produkte in die Regale gespült. Die Buchläden sind voll mit Titeln wie "Jedes Kind kann schlafen lernen", "Gelassen durch die Trotzphase" oder "Crashkurs Baby". Statt ihrem Bauchgefühl zu vertrauen, folgen frischgebackene Eltern lieber den Regeln von etlichen Ratgebern. Dabei wissen wir doch, nicht zuletzt durch unsere eigene Kindheit, dass jeder Mensch anders ist und es somit keinen Königsweg gibt, um erzieherischen Erfolg herbeizuführen.

Ich hab 'nen Heli-Heli-Heli-Helikopter ...

In der jüngsten Zeit übernehmen Produkte aus der Kategorie "Smart Home" den Job der vielen Ratgeber. Sie werden digitale Begleiter im Familienalltag mit zum Teil besorgniserregenden Ausmaßen. Der Begriff der Helikopter-Eltern gehört inzwischen zum deutschen Sprachgebrauch und bezeichnet die Paare, die stets über ihrem Kind kreisen und dessen Entwicklung überwachen oder sogar lenken. Das ist aber alles andere als förderlich für den Nachwuchs. Daher empfehle ich, die Anschaffung und den Einsatz solcher Produkte genau zu überlegen. Wenn Mama die Drohne startet, sobald das Kind einen Fuß vor die Haustür setzt und wenn Papa dem Kleinen das GPS-Armband für den Schulweg umlegt, dann steigert das möglicherweise das Gefühl der Sicherheit, kann aber auch für beide Parteien zur Belastung werden. Und ob der Schlaf mit Video-Babyphone samt Nachtsicht-Funktion überwacht werden muss, ist auch fraglich. Oft reicht es, die Tür ein Stück aufzulassen und sich auf sein Gehör zu verlassen.

Das ist jetzt kein Aufruf, alle digitalen Helfer über Bord zu werfen. Es gibt durchaus Apps, die bei der Organisation des Familienlebens helfen. Und es gibt auch nützliche Gadgets, um Geld zu sparen, um komfortabler zu reisen oder um sich fit zu halten. Aber speziell in Sachen Sicherheit und Überwachung von Kindern wünsche ich mir etwas mehr Gelassenheit, eine Prise Bauchgefühl und etwas mehr Zurückhaltung. Denkt an die eigene Kindheit, immerhin sind wir auch groß geworden.

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