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Eine Hebamme erzählt: Die dümmsten Sätze aus dem Kreißsaal

"Ignorieren Sie meine Frau, die ist einfach sehr schmerzempfindlich": Während der Geburt sind werdende Väter nicht immer eine Hilfe, und auch Mediziner sorgen für seltsame Situationen im Kreißsaal. Eine Hebamme plaudert aus dem Nähkästchen.

Mutter nach der Geburt

Endlich ist das Baby da! Doch der Weg dahin kann beschwerlich sein, vor allem dann, wenn werdende Väter bei der Geburt dabei sind. Eine Hebamme erzählt von ihren skurrilsten Erlebnissen.

Auch wenn man mehrere Monate Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten - eine Geburt ist immer eine Ausnahmesituation. Eine Ausnahmesituation, die für manche Menschen zum Berufsalltag gehört. So auch für Jana Friedrich, die in Berlin als Hebamme arbeitet und auf ihrem Blog ihr Wissen rund um Geburtsvorbereitungen und Wochenbettpflege weitergibt. Dem stern hat sie erzählt, welche skurrilen und lustigen Geschichten ihr im Kreißsaal bereits passiert sind und was die wichtigste Aufgabe für jeden werdenden Vater ist. Schließlich sind die Männer meist besonders nervös - und kommen so auf die seltsamsten Ideen ...

Der Excel-Vater

"Da saß ein Mann einfach nur in der Ecke und hat jede Wehe in eine Excel-Tabelle eingetragen", erzählt Jana Friedrich. Warum er das tat, weiß auch die Hebamme nicht. Vielleicht um etwas zu tun, egal wie sinnlos es auch ist? "Sein Beitrag zu der Geburt war, dass er alle Wehen auf seinem Laptop festgehalten hat, er hat notiert, wie lang oder wie heftig sie jeweils waren. Das kam bei seiner Frau nicht so gut an." Verständlich.

Ein anderer Vater wollte ganz mutig sein und wagte sich nah ans Geschehen: "Meistens bleiben die Partner ja am Kopfende der Frau oder stehen hinter ihr. Aber es gibt auch welche, die wollen gucken. Was sie auch gerne dürfen, wenn es für die Frau ok ist", berichtet Friedrich. "Da war dann aber mal einer, der geguckt und sogar auch gefilmt hat, der sagte genau in dem Moment, als der Kopf kam: 'Oh, Gott, ist der GROSS!' Das fanden weder die Frau noch ich besonders hilfreich."

Eigentlich soll der Partner seine Frau während der Geburt unterstützen, doch das kann auch gründlich daneben gehen, wie die Hebamme erzählt: "Bei einer zweiten Geburt ging alles recht schnell, und die Frau fühlte sich überfahren von den Wehen. Sie wollte eine PDA (Periduralanästhesie, die oft zur Schmerzlinderung während der Geburt eingesetzt wird, Anm. d. Red.), die aber leider nicht mehr gut funktioniert hat, da es einfach schon zu spät war. Der Mann sagte dann nur: 'Ach, da müssen Sie sich nicht weiter drum kümmern, meine Frau ist ziemlich schmerzempfindlich.'"

"Ich führe Ihnen den Mops ein"

Doch nicht nur die werdenden Väter verhalten sich manchmal etwas fraglich, auch die eigentlichen Profis agieren nicht immer vorbildlich. Jana Friedrich erinnert sich an eine Situation, in der sich "eine Ärztin extrem daneben benommen hat. Das Kind war schon da und es musste eine kleine Verletzung genäht werden. Dafür wird, um die Blutung der Frau zu unterbinden, ein Tampon benutzt, der Mops genannt wird. Die Ärztin sagte dann - nicht besonders empathisch - 'So, Frau XY, ich führe Ihnen jetzt mal den Mops ein.' Und die Frau erwiderte ganz irritiert: 'Ich dachte, der Mops wäre gerade rausgekommen?!'"

Meistens werden die Frauen von ihrem Partner in den Kreißsaal begleitet. Manchmal auch von ihrer Mutter oder einer guten Freundin - wenn schon vorher klar ist, dass der Mann keine Hilfe sein wird. "Man sieht unter der Geburt sehr schnell, wie die Paare funktionieren. Manche sind in dieser Ausnahmesituation ein gutes Team, andere eher nicht. Es gibt auch Konstellationen, in denen der Mann die Frau nur nervös macht. Dann schickt man ihn kurz raus zum Kaffee holen und plötzlich geht die Geburt besser voran."

Dass Männer in Ohnmacht fallen - so wie in jedem dritten Hollywood-Film - passiert laut Friedrich im wahren Leben nur sehr selten. "Auch die Männer, die vorher sagen, ich vertrag das bestimmt nicht, wachsen meist in die Situation herein. Die Frau kann ja auch nicht sagen, 'Nö, das kann ich jetzt nicht'."

Dabei sein ist alles

Es gibt aber auch einen Väter-Typus, der Hebammen und Ärzten mehr Ärger macht als dass er seine Frau unterstützt. "Gerade uninformierte Männer, die sich vorher nicht mit der Geburt auseinandergesetzt haben, kriegen schnell Angst. Wenn ihre Frau dann sagt 'Ich kann nicht mehr', versuchen sie nicht, sie zu motivieren, sondern denken 'Ok, sie kann nicht mehr, jemand muss ihr helfen.' Dabei sagt diesen Satz wirklich jede Frau mindestens einmal während einer Geburt - auch wenn sie weiß, dass sie es schaffen wird", sagt Friedrich. "Aber die uninformierten Väter fühlen sich dann ganz hilflos und werden zu uns Hebammen richtig garstig.  'Sie müssen ihr helfen, jetzt tun sie doch endlich was!' Dabei ist es natürlich so, dass wir schon tun, was wir können. In dieser Ausnahmesituation hilft einfach nur Zuspruch. "

Doch neben Negativ-Beispielen, hat Jana Friedrich auch ein paar Tipps für nervöse Männer vor dem ersten Besuch im Kreißsaal. "Der olympische Gedanke zählt: Dabei sein ist alles", betont die zweifache Mutter. "Die Väter denken immer, sie müssten wer weiß was machen, aber eigentlich ist für die Frauen nur wichtig, dass eine vertraute Person dabei ist, die sie unterstützt." Es sei toll, wenn der Mann für die Frau mitdenke. Sie daran erinnert, etwas zu trinken, sie fragt, ob ihr kalt ist oder ob sie auf die Toilette muss. "Man muss gar nicht der super Masseur sein oder ganz viele Tricks kennen", betont Friedrich. "Sondern einfach nur dabei sein, ihr den Rücken stärken, sie anfeuern und ihr sagen, wie toll sie das macht. Das ist das Wichtigste."


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