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"Könnt Ihr mir helfen?": Kind schickt vermeintliche Scherbe aus Römerzeit an Museum – so rührend antworten die Experten

Ein Sechsjähriger aus Köln findet beim Spielen im Garten eine Scherbe. Für ihn ist sofort klar: Sie stammt aus der Römerzeit. Und so schickt er seinen Fund an die Wissenschaftler eines Museums - die auch prompt antworten.

Scherbe - Museum - Brief - Römisch-germanisches Museum - Köln

Ob aus dem Jungen aus Köln später mal ein Archäologe wird? (Symbolbild)

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Man kann die Aufregung, die ein sechsjähriger Junge aus Köln verspürt haben dürfte, auch als Erwachsener gut nachvollziehen. Vor etwa zwei Wochen spielte der kleine Oskar gemeinsam mit einem Freund im Garten seiner Eltern, als er beim Buddeln eine Scherbe fand. Für Oskar war sofort klar: Die muss aus der Römerzeit stammen, schließlich wurde die Domstadt einst von den Römern gegründet.

Oskars Vater war von der Theorie seines Sohnes zwar nicht so überzeugt, dennoch bot er ihm unterstützend an, doch einfach richtige Experten zurate zu ziehen, wie er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" bestätigte. Gesagt, getan: Die beiden schrieben dem am Dom ansässigen Römisch-Germanischem Museum einen Brief. 

Junge schreibt Kölner Museum einen Brief

"Liebe Wissenschaftler vom R.G.Museum", beginnt Oskar sein Schreiben, das er - wie er unverhohlen zugibt - gemeinsam mit seinem Vater schreibe, obwohl er "schon zur Schule (gehe)". Demnach habe er im Garten eine Scherbe gefunden, bei der er nicht sicher sei, "ob sie aus der Römerzeit stammt". Sein Vater glaube das zwar eher nicht, habe aber vorgeschlagen, "dass ich Euch fragen kann, weil Ihr das besser wisst. Könnt Ihr mir helfen?", fragt er die Archäologen am Ende seines Briefes, dem er auch besagte Scherbe beifügte.

Und tatsächlich: Wenige Tage später flatterte eine Antwort des Museums im Briefkasten seiner Eltern ein. Und weil Oskars Vater die Rückmeldung so nett fand, stellte er sie gleich auf Twitter ein - sehr zur Freude Tausender Nutzer, die von der Art der Reaktion begeistert sind.

Denn: Das Museum antwortete Oskar nicht nur, es lieferte auch gleich seine Erkenntnisse zu der Scherbe mit. So hätten sich alle Wissenschaftler das Fundstück angesehen "und lange gerätselt, um was es sich handeln könnte". Ein Mitarbeiter habe dann eine Idee gehabt. Demnach handele es sich um eine Scherbe aus Ton, die ein Töpfer "lange und sehr heiß im Töpferofen (hat) backen lassen. Durch die Hitze ist der Ton steinhart geworden, sodass sogenanntes 'Steinzeug' entstanden ist", erklärte das Museum. Außerdem sei die Scherbe mit einer Glasur überzogen worden, sodass sie nun glänze.

"Du solltest sie aufbewahren und Deinen Freunden zeigen"

Im weiteren Verlauf nehmen die Wissenschaftler Oskar zwar die Illusion, dass die Scherbe aus der Römerzeit stammt, liefern dafür aber eine andere Theorie mit. Demnach stammt die Scherbe aus einem riesigen Tonrohr, "das damals in der Erde vergraben war und durch das Wasser geflossen ist". Vermutlich sei es im 19. Jahrhundert gefertigt worden und damit "wohl schon über 100 Jahre alt", führt das Museum aus.

Und weiter: "Auch wenn deine Scherbe nicht aus der Römerzeit stammt, ist sie alt und zeigt, wie die Menschen damals in Köln gelebt haben. Du solltest sie schön aufbewahren und Deinen Freunden zeigen", empfehlen die Experten.

Dass sich das Museum so ernsthaft mit Oskars Anliegen beschäftigt hat, stößt bei Twitter auf große Begeisterung, wie nicht nur die 18.000 abgegeben Likes und mehr als 3300 Retweets zeigen. "Danke an die Mitarbeiter, denen Kinder noch wichtig sind und die sich dafür die Zeit nehmen", kommentiert eine Nutzerin. Eine andere schreibt: "Was für eine Wertschätzung. Großartig. Dass es sowas noch gibt, macht Mut."

Für das Römisch-Germanische-Museum war das Schreiben indes gar nicht so ungewöhnlich. Derartige Zusendungen von Kindern gebe es öfter und man gehe auch immer darauf ein, teilte man der Deutschen Presse-Agentur mit.

Quelle: "Kölner Stadt-Anzeiger" / Twitter

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