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Ärger beim "Meller Kreisblatt": Sind Hauptschüler kein Foto wert?

Jeden Sommer erscheinen die Schulabgänger aus Melle mit Foto im "Meller Kreisblatt". Alle Schüler? Nein, die Hauptschulen sind anscheinend davon ausgenommen. Das finden Lehrer, Eltern und Leser unmöglich - auch nach dem Erklärungsversuch der Redaktion.

Schüler sitzen konzentriert an ihren Pulten

Warum sollen Hauptschüler anlässlich ihres Abschlusses nicht in der Lokalzeitung erscheinen, fragen sich die Leser des "Meller Kreisblatts"

In Niedersachsen stehen die Sommerferien vor der Tür. Für viele Schüler geht das letzte Schuljahr ihres Lebens zu Ende, sie erhalten in den nächsten Tagen ihr Abschlusszeugnis. So auch in Melle, einer Stadt in der Nähe von Osnabrück. Doch da gibt es rund um das eigentlich freudige Ereignis grad richtig Ärger. Schuld daran: das "Meller Kreisblatt".

Die Lokalzeitung ehrt die Schulabgänger in jedem Jahr mit einem Gruppenfoto und einer Namensliste. Eine Praxis, die viele Lokalzeitungen in Deutschland pflegen. Als die Schulleiter der ansässigen Oberschulen einen Fototermin mit der Redaktion ausmachen wollten, teilte ihnen der zuständige Redakteur jedoch mit, dass die Hauptschulklassen in diesem Jahr nicht in der Zeitung abgedruckt werden würden. Seine Begründung brachte der Zeitung einen regelrechten Shitstorm ein: Der Hauptschulabschluss sei keine intellektuelle Leistung.

Die Schulleiter waren empört und schickten am 2. Juli einen gemeinsamen Brief an die Elternräte der Schulen, der seitdem auf Facebook die Runde macht. Die Ausgrenzung der Hauptschüler widerspreche "jeder pädagogischen Grundhaltung an unseren Schulen. Auch die Schülerinnen und Schüler, die jetzt den Hauptschulabschluss erreicht haben, haben neun oder zehn Jahre in der Schule gelernt und sich angestrengt. Sie sind ein Teil unserer Schulgemeinschaft und solch eine Diskriminierung werden wir nicht tolerieren. Auch für Kinder mit einem Hauptschulabschluss ist der Tag der Schulentlassung ein wichtiges Ereignis im Leben. Hier fehlt von Seiten des Meller Kreisblattes die persönliche Wertschätzung für die Kinder. Wie will man sich dann erst gegenüber Schülern mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf verhalten? Gelebte Inklusion sieht anders aus", beschweren sich die Schulleiter. 

Geht überhaupt nicht - oder tolle Motivation für zukünftigen Berufsanfänger!

Posted by Gerd Einhaus on Montag, 6. Juli 2015


Die Lokalzeitung gehört zur "Neuen Osnabrücker Zeitung", die sich inzwischen gezwungen sah, auf die Geschichte zu reagieren. "Mit Nachdruck widersprechen wir als NOZ Medien der öffentlich gemachten Aussage der Unterzeichnenden, wonach der Abdruck von Bildern abgelehnt worden sei, weil es sich bei einem Hauptschulabschluss um keine intellektuelle Leistung handele. Dies ist eine ebenso dumme wie diskriminierende Äußerung, die nicht mit den redaktionellen Grundsätzen der Neuen Osnabrücker Zeitung, zu der auch das Meller Kreisblatt gehört, vereinbar ist. Eine Bevorzugung einzelner Schulformen schließt sich von selbst aus", steht in einem Text, der über Facebook seit Montag verbreitet wird. Mit den Schulen gibt es nach dem massiven Protest der letzten Tage eine Einigung: "Wir können das Entsetzen unserer Leser verstehen. Es tut uns außerordentlich leid, dass Sie den Eindruck gewonnen haben, wir würden den Hauptschulabschluss nicht entsprechend würdigen. In Absprache mit der Lindenschule, der Wilhelm-Fredemann-Oberschule und der Ratsschule wird das Meller Kreisblatt alle Fotos der Abschlussklassen auch dieser Schulen veröffentlichen."

In eigener Sache: Seit einigen Tagen ist ein Brief von drei Leitern Meller Oberschulen – der Lindenschule Buer, der...

Posted by Meller Kreisblatt on Montag, 6. Juli 2015


Ob das die Leser der Zeitung besänftigen wird? Die liefen in den letzten Tagen Sturm gegen die vermeintliche Diskriminierung der Hauptschüler. Bei der Frage, ob der zuständige Redakteur wirklich eine mangelnde intellektuelle Leistung bei den Schülern angeführt hatte, steht es weiterhin Aussage gegen Aussage. 

Die Schüler der Wilhelm-Fredemann-Oberschule machten bereits deutlich, was sie von der Geschichte halten. 

vim
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