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A Doll Like Me Puppen für Kinder mit Beeinträchtigungen – "Jetzt bin ich nicht mehr der Einzige, der so aussieht"

Ein Junge mit vielen Muttermalen mit seiner Puppe
Mit dem Puppenzwilling hat man immer jemanden zum Kuscheln – und das ist schon mal ganz wichtig
© Screenshot a_doll_like_me/Instagram
Da können Eltern noch so oft sagen, sie seien eben etwas Besonderes: Kinder fühlen sich oft ausgeschlossen, wenn sie anders aussehen als die anderen. Eine Amerikanerin näht ihnen deshalb Puppen, die ihnen ähneln – und die erfüllen zudem einen therapeutischen Zweck.

Amy Jandrisevits liebt Puppen, schon ihr Leben lang, sie ist eine eifrige Sammlerin. Bevor sie selbst Kinder bekam, arbeitete sie als Sozialarbeiterin in der pediatrischen Onkologie, hatte also täglich mit kranken Kindern zu tun. Schon damals dachte sie, dass jedes Kind aus drei Gründen eine Puppe haben sollte:
1. um etwas zum Kuscheln zu haben,
2. jedes Kind sollte eine Puppe besitzen, die aussieht wie es selbst – erst recht, wenn es keine Haare hat und
3. anhand einer solchen Puppe lassen sich medizinische Behandlungen spielerisch erklären, wodurch eine leichtere psychische Anpassung an die Situation gelingt.

Da die Amerikanerin aus New Berlin in Wisconsin sogar ihre Abschlussarbeit über die heilende Wirkung des Spielens geschrieben hatte, waren all das ideale Voraussetzungen, um ihre Liebe zu Puppen mit dem Wunsch nach sozialer Arbeit zu verknüpfen: Amy beschloss, selbst Puppen zu gestalten – für Kinder mit Beeinträchtigungen oder anderen Besonderheiten. Denn solche Ebenbilder stehen nicht in Schaufenstern und geben betroffenen Kindern eine Identifizierungsmöglichkeit. Da sie sehr gut nähen kann, wurde die einstige Sammlerin zur Herstellerin von Puppen, die individualisiert und handgemacht sind. Vor gut drei Jahren veröffentlichte sie eines ihrer Werke auf ihrem damals neu eingerichteten Instagram-Kanal – eine blonde Puppe mit Beinstumpf und Prothese.

Für diesen Jungen machte Amy eine Puppe, die durch Spenden finanziert worden ist.

Amy möchte die gesellschaftliche Wahrnehmung von Besonderheiten ändern. Für den kleinen Keagan hat sie das schon ein wenig geschafft. Der Junge, der seine Puppe Chip überall mit hin nimmt, ist durch Amys Arbeit und seine seltene Krankheit schon fast ein wenig berühmt. Das führt dazu, dass seine Mutter nicht mehr "Was ist mit ihm los?" oder "Warum sieht er so aus?" gefragt, sondern angestrahlt wird mit den Worten "Oh, wir haben ihn und seine Puppe in den Nachrichten gesehen!" oder "Oh, wie süß!". Für ein Kind, das daneben steht, sendet ein solcher Umgang ein positives – und nicht wie zuvor abschätziges – Signal. Wegen Chip hat sich Keagans Mutter zum ersten Mal getraut, dem Jungen (und der Puppe!) ein Trägerhemd anzuziehen, zuvor hatte sie das vermieden. Unbewusst denken die Kinder, wenn sie ihre Puppe haben: "Jetzt bin ich nicht mehr der Einzige, der so aussieht", erklärt Amy.

Eltern oder Paten schicken Amy Fotos

Amy, die wegen ihrer Kinder nicht mehr arbeitet – jedenfalls nicht mehr außer Haus – ist der Meinung, dass es Look-alike-Puppen in allen Farben, Geschlechtern und Körpermaßen geben sollte. "In einer idealen Welt", schreibt sie in ihrem Facebook-Profil, "wären unterschiedliche Gliedmaßen, Körpermaße, gesundheitliche Voraussetzungen, Muttermale und verschiedene Hände genau so akzeptiert wie alle anderen Dinge, die uns einzigartig machen." Amys Intention ist, dass Kinder stolz auf ihre Besonderheiten sind – und sie ist der festen Überzeugung, dass Puppen einen Platz in ihnen erreichen, auf den Medizin keinen Zugriff hat. Ein Video, das 2014 von einer Mutter gepostet wurde, nachdem ihre Tochter Hope Kiszka ihre Puppe ausgepackt hatte, zeigt, wie sehr sie Recht hat. Hope Kiszka fehlen die Finger der linken Hand und auf ihrem Arm hat sie einen großen Blutschwamm.

Amy arbeitet zu Hause an ihrem Esszimmertisch. Eine Puppe kostet 100 US-Dollar, etwa 90 Euro, inklusive Versand, die normalerweise von Eltern, Paten oder Betreuungspersonen bezahlt werden. "Wenn sie dafür nicht aufkommen können, übernehme ich die Kosten", schreibt Amy in ihrer GoFundMe-Kampagne, die seit 2015 läuft und bislang rund 126.000 Dollar zusammengebracht hat. Um Kinder mit Bedarf an einer eigenen Puppe zu finden, arbeitet sie mit Kinderkrankenhäusern zusammen. Ihre Firma A Doll Like Me, Inc. ist eine eingetragene Non-Profit-Organisation. Amys ganzer Ehrgeiz liegt darin, die Puppe den Fotos von dem künftigen Besitzer so ähnlich zu machen, dass das Kind sie sofort als seine erkennt. Als einen kleinen Zwilling zum Liebhaben.

Quellen:Instagram, Facebook, GoFundMe


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