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Maßnahme in den USA: Schüler in Oregon können jetzt auch wegen ihrer seelischen Gesundheit zuhause beiben

Im US-Bundesstaat Oregon sollen Schulkinder nun auch daheim bleiben dürfen, wenn es ihnen nicht körperlich, aber seelisch schlecht geht. Damit sollen psychische Erkrankungen enttabuisiert werden.

Eine Schülerin macht zuhause ihre Schulaufgaben

Eine Schülerin macht zuhause ihre Schulaufgaben

Pexels

Im US-Bundesstaat Oregon waren junge Aktivisten für die Rechte von Kindern und Jugendlichen im vergangenen Jahr besonders aktiv. Sie forderten viele Verbesserungen für ihr alltägliches Leben vonseiten der Politik: die Herabsetzung des Wahlalters, eine Verschärfung des Waffengesetzes (um Amokläufe wie den von Parkland 2018 zu verhindern, bei dem 17 Menschen starben) und die Möglichkeit, nicht nur wegen körperlicher, sondern auch wegen psychischer Leiden der Schule fernbleiben zu dürfen.

Mit den ersten beiden Forderungen scheiterten die Aktivisten. Letztere aber wurde ihnen genehmigt. Oregon ist einer der US-Staaten mit der höchsten Suizidrate, mentale Gesundheit wurde hier in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Thema.

Die Selbstmordrate bei Schülern steigt

Eine der Kämpferinnen für das neue Gesetz ist Haily Hardcastle. Die 18-Jährige berichtet: "Wir waren insofern von Parkland beeinflusst, als dass es uns gezeigt hat, dass junge Leute die politische Landschaft sehr wohl verändern können." Nach dem Schulmassaker waren in den USA Tausende Schüler und Schülerinnen auf die Straße gegangen und hatten gefordert, in ihren Schulen von der Gesellschaft besser geschützt zu werden, etwa durch Waffenrestriktionen. Präsident Trump hatte daraufhin angekündigt, automatische Waffen verbieten zu wollen.

Debbie Plotnik, Leiterin der Organisation "Mental Health America", sagt, die neue Regelung sei eine Möglichkeit, den Blick der Menschen auf psychische Erkrankungen zu verändern. "Der erste Schritt ist, so eine Krise offen anzugehen und damit das Stigma, das ihr anhaftet, zu reduzieren. Wir müssen sagen: Es ist genauso okay, sich um mentale Probleme zu kümmern wie um einen Knochenbruch oder eine körperliche Krankheit." In Oregon sind psychische Probleme ein ernstes Thema: Suizid ist dort in der Altersgruppe 10 bis 34 Jahre die zweithäufigste Todesursache. 17 Prozent der dort lebenden Achtklässler gaben an, im vergangenen Jahr ernsthaft an Selbstmord gedacht zu haben.

Niemand soll mehr lügen müssen

Aktivistin Haily Hardcastle berichtet von Anfeindungen aufgrund der neuen Regelung. Vor allem Eltern befürchten, dass Schulschwänzer nun noch mehr Möglichkeiten hätten, sich vor dem Unterricht zu drücken. Außerdem hätten Schulkinder ja schon vorher wegen mentaler Probleme daheim bleiben können – die Eltern hätten ja schlicht lügen und bei der Schule einen Schnupfen vorschützen können. Sie entgegnet dann: Schüler werden nicht mehr oder weniger im Unterricht fehlen als zuvor – aber sie müssen nicht mehr lügen, wenn Ängste oder Depressionen der Grund sind. 

Quelle: "Time"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

wt

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