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Bertelsmann-Studie: Inklusion – von Eltern gewünscht, von der Politik ignoriert

Inklusion wird in Deutschland nicht ausreichend gefördert, obwohl nahezu alle Eltern für ein gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne körperliche Beeinträchtigung sind. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

Kinder, eine Lehrerin und ein Hund sitzen um ein Buch

Lese-Session mit Therapiehund: In deutschen Klassenzimmern gehören solche Bilder noch immer zu den sehr seltenen Ausnahmen

Getty Images

26.000 Schülerinnen und Schüler wurden im Schuljahr 2018/19 von Grund- und weiterführenden Schulen an Förderschulen überwiesen. Der entscheidende Grund dafür dürfte sein, dass die Schulen, an denen diese Entscheidungen getroffen worden sind, nicht für inklusives Lernen ausgestattet sind.

Wenn Lehrer keine Möglichkeit sehen, an ihren Schulen Kinder mit Beeinträchtigung in den Unterricht zu integrieren, bleibt für sie noch immer nur dieser Ausweg. Und daran wird sich auch in den nächsten zehn Jahren nichts ändern, ergab eine Studie der Bertelsmann Stiftung, wenn die Voraussetzungen so bleiben wie bisher. Doch dieses Vorgehen ist nicht im Sinne der Eltern.

Eltern von inklusiv unterrichteten Kindern sind zufriedener

Wie eine repräsentative Befragung von Eltern schulpflichtiger Kinder durch Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt, plädieren nahezu alle Eltern (94 Prozent) für das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne körperlicher Beeinträchtigung. Bei Kindern und Jugendlichen mit Sprachschwierigkeiten liegt der Zustimmungsanteil bei 71 Prozent, bei solchen mit Lernschwierigkeiten bei 66 Prozent.

Lediglich die Inklusion von Kindern mit geistiger Behinderung oder mit Verhaltensauffälligkeiten im emotional-sozialen Bereich findet in der Elternmeinung keine Mehrheit. Gleichzeitig sind Eltern von inklusiv unterrichteten Kindern insgesamt zufriedener mit den Schulen, Klassen und Lehrkräften ihrer Kinder als Eltern ohne eigene Erfahrungen mit Inklusion.

Umfrage

"Politik sollte mehr Mut zur Inklusion zeigen"

Die positiven Einstellungen der Eltern liegen auf einer Linie mit bisherigen Forschungsbefunden zu Auswirkungen der Inklusion auf den Lernerfolg: Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf erzielen in inklusiven Klassen durchschnittlich bessere Resultate und erreichen öfter den Hauptschulabschluss als jene, die in Förderschulen unterrichtet werden.

Gleichzeitig lassen sich beim gemeinsamen Unterricht keine Nachteile für das fachliche Lernen und zudem Vorteile für das soziale Lernen von Schülerinnen und Schülern ohne Förderbedarf erkennen. "Mehr Inklusion ist möglich. Der nachweisliche Lernerfolg und die Bereitschaft der Eltern unterstützen dies. Die Politik sollte sich diesen Rückenwind zunutze machen und in den nächsten Jahren deutlich mehr Mut zur Inklusion zeigen", so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Um die Sichtweise deutscher Eltern auf schulische Inklusion zu ermitteln, befragte Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung deutschlandweit 4021 Eltern schulpflichtiger Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahren. Die repräsentative Befragung (Methode: CAWI – computergestützte Online-Interviews) wurde vom 26. Juni bis 13. August 2019, also zum Ende des Schuljahres 2018/2019, durchgeführt.

bal

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