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Schicksal: Der DNA-Test sollte eigentlich nur ein Spaß sein. Doch dann veränderte er sein ganzes Leben

Es war später Abend in New York. Tim Fadek, der bis dahin nicht im Traum glaubte, einen Bruder zu haben, saß auf dem Sofa, öffnete ein Bier und dachte: "Oh, shit!"

Der DNA-Test sollte nur ein Spaß sein. Er veränderte das ganze Leben

Chris Wolfe (l.), geboren 1959 in Philadelphia und aufgewachsen bei Adoptiveltern, lebt heute  als Bibliothekar in Olympia  bei Seattle. Tim Fadek, geboren 1965 in Queens, New York, als Sohn des  polnischen Einwanderers Murray Fadek, lebt heute als Fotograf in New York. Ein DNA-Test veränderte ihr komplettes bisheriges Leben.

Ungeduldig wartet Chris Wolfe auf der Veranda seines Hauses. Er blickt übers Wasser auf den 4392 Meter hohen Mount Rainier, der in den blauen Himmel ragt und dessen schneebedeckte Flanken in der Sonne glitzern. In Olympia, im Nordwesten der USA, wo Chris lebt und wo es meist stürmt und regnet, sagen sie: Wenn der Mount Rainier seinen Gipfel zeigt, wird's ein guter Tag.

Um zehn Uhr rollt der blaue Leihwagen in die Einfahrt, und der Mann steigt aus, auf den Chris gewartet hat. Er ist kräftig, trägt Jeans und Hemd. Chris strahlt vor Glück, strahlt vor Erleichterung. Darüber, dass er mit 58 Jahren am Ende seiner Suche ist. Dass er, der 1959 als Neugeborener zur Adoption freigegeben wurde, endlich seinen Halbbruder treffen wird, den Sohn des Mannes, der ihn gezeugt hat. Diesen Vater hat er nie kennengelernt.

DNA-Kit

Als er die Haustür öffnet und seinem Halbbruder gegenübersteht, würde er ihn am liebsten umarmen, festhalten, ihn an sich drücken. Chris hat Mühe, seine Tränen zurückzuhalten. Dann entscheidet er sich, ihm doch erst mal nur die Hand zu geben.

So stehen die beiden Männer für Sekunden da und betrachten sich.

Drei Jahre zuvor in New York in einem Apartment in Harlem. Für Tim Fadek, der häufig als Fotograf für den stern arbeitet, begann alles als Scherz. Es war sein 50. Geburtstag, und weil er mit zunehmendem Alter gern über das eine oder andere Zipperlein klagt, schenkte ihm seine Frau Jenny aus Jux einen Gentest.

Der DNA-Test sollte ein Spaß sein. Doch als er die Ergebnisse  zum Abgleich online stellte, erfuhr Tim Fadek (r.): Da trägt jemand  seine Gene. Sein Halbbruder. 

Der DNA-Test sollte ein Spaß sein. Doch als er die Ergebnisse  zum Abgleich online stellte, erfuhr Tim Fadek (r.): Da trägt jemand  seine Gene. Sein Halbbruder. 

In den USA kann man solche "DNA-Kits" in Supermärkten kaufen, sie werden angeboten von Firmen wie "23andme" oder "Ancestry" und kosten etwa 100 Dollar. Der Kunde erfährt, zu wie viel Prozent seine Gene von jüdischen oder katholischen Vorfahren abstammen und woher sie kamen. Anders als in Deutschland, wo medizinische Informationen nur an Ärzte übermittelt werden, können sich Amerikaner außerdem vorhersagen lassen, wie groß ihr Risiko ist, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken. Alles schnell, einfach, online.

Tim fand das Geschenk "ziemlich doof", aber Jenny rannte den ganzen Tag mit

dem Plastikröhrchen hinter ihm her: "Jetzt spuck schon da rein." Irgendwann gab Tim nach, und sie sandten ein paar Milliliter seines Speichels nach Kalifornien in ein Labor. Vier Wochen später erfuhr Tim, dass unter seinen Vorfahren Briten, Deutsche und zahlreiche Juden waren und dass er gute Chancen hat, steinalt zu werden.

Was ist dieser Bruder für ein Mensch?

Vergangenen Mai, Tim hatte "den Unsinn längst vergessen", telefonierte er mit seiner Schwester Jennifer in Atlanta. Sie erzählte, dass auch sie eine Speichelprobe eingeschickt habe. "Lass uns mal die Daten abgleichen", schlug sie vor. Auf der Website jedes Anbieters hat man die Möglichkeit, seine DNA öffentlich zu machen, quasi seine persönliche Gen-Facebook-Seite ins Netz zu stellen. Aktiviert man die Funktion, wird automatisch ermittelt, ob bereits Blutsverwandte in der Datenbank registriert sind.

Tim erwartete, dass der Computer erkennen würde, dass Jennifer seine Schwester ist. Das tat er auch. Aber darüber hinaus erhielt er die Nachricht: "Sie teilen 24 Prozent Ihrer DNA mit Chris Wolfe. Wir sagen voraus, dass Chris Wolfe Ihr Halbbruder ist."

Es war später Abend in New York, Tim Fadek, der bis dahin nicht im Traum glaubte, einen Bruder zu haben, saß auf dem Sofa, öffnete ein Bier und dachte: "Oh, shit!"

Auf der anderen Seite der Vereinigten Staaten entdeckte Chris Wolfe die Meldung am kommenden Morgen auf dem Handy. Er begann zu weinen. Seine Frau blickte ihn verwundert an, da hielt er ihr nur wortlos den Bildschirm hin. Sie begriff sofort.

Tim zeigt Chris Einreisedokumente und Zeugnisse ihres Vaters.

Tim zeigt Chris Einreisedokumente und Zeugnisse ihres Vaters.

Chris Wolfe leidet wie viele Adoptivkinder unter der Vorstellung, dass ihn seine Eltern nicht gewollt haben, darunter, dass er seine wahre Identität nie klären konnte. Fragt man seine Freunde, was für ein Mensch er ist, fallen Worte wie "feinfühlig", "sensibel", "empfindsam". Chris arbeitet seit 34 Jahren als Bibliothekar in einer Grundschule, er liebt es, Kindern vorzulesen. Er möchte sie glücklich machen, weil er selbst kein glückliches Kind war.

Immer wieder sprach er mit Psychologen über seine Adoption, besuchte Selbsthilfegruppen, in der letzten, zu der er regelmäßig anderthalb Stunden bis

nach ¬Seattle fuhr, erzählten sie ihm von den Genanalysen.

Als Chris in das Röhrchen spuckte, war es kein Scherz. Er sagt, für ihn sei es "der letzte Strohhalm" gewesen.

Chris loggte sich an jenem Morgen bei "23andme" ein und las die Nachricht, die Tim ihm geschrieben hatte: "Hi Chris, ich glaube, wir sollten reden …"

Chris schrieb zurück: "Heißt unser Vater Michael Fadek? Ich wurde 1959 geboren."

Tim: "Mein Vater heißt eigentlich Murray. Hast du Fotos von 'Michael'?"

Chris: "Nein. Ich wurde adoptiert."

Freundliche helle Augen

Noch am selben Tag sprachen sie, eine Stunde lang, Chris fragte Tim, ob er an Gott glaube, der antwortete, nein, ob das ein Problem sei? Gewiss nicht, versicherte Chris. Er erzählte von seiner Tochter, die gerade das College abgeschlossen hat, Tim von seinen Kriegsreportagen im Irak und in Syrien. Chris glaubte, Tim schaue nebenbei einen Krimi im Fernsehen, wegen der Polizeisirenen im Hintergrund. Nein, sagte Tim, in Harlem sei es immer so laut.

So tasteten sie sich aufeinander zu und begriffen schnell, dass sie zwei Männer sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Dass es wohl am besten wäre, wenn sie sich persönlich träfen.

Und so sitzen sie nun nebeneinander auf Chris' Veranda, jeder mit einem Becher Kaffee in der Hand, und schauen gemeinsam übers Wasser auf den Mount Rainier. Chris hat noch volles dunkelblondes Haar und trägt eine Brille, Tim ist etwas kleiner, die Haare sind ihm schon mit Ende 30 ausgefallen, trotzdem sieht man die Ähnlichkeit.

Das Foto ihres Vaters mit Krawatte stammt aus den 70er Jahren

Das Foto ihres Vaters mit Krawatte stammt aus den 70er Jahren

Es sind die Augen, die verraten, dass sie Brüder sind, freundliche helle Augen.

Auf Tims Schoß liegt ein Stapel Papiere, Dokumente über ihren Vater. Chris hat Fotos aus seiner Kindheit vorbereitet. Es sind nur wenige Bilder, die er nicht gern zeigt, denn die Vergangenheit tut weh. Mit seiner sanften, hellen Stimme beginnt er zu erzählen, oft macht er Pausen, man spürt, dass er vieles schon seit Langem nicht in Worte gefasst hat. Manches vielleicht noch nie.

Chris wurde in einem Heim für unverheiratete Mütter in Philadelphia geboren. Das Mädchen, das ihn zur Welt brachte, war 19 und stammte aus einer gläubigen Familie. Von den Eltern wurde sie gezwungen, heimlich zu entbinden, keine Sekunde durfte sie ihr Kind im Arm halten. Chris wurde ihr sofort nach der Geburt weggenommen und zur Adoption freigegeben.

Aber all dies erfuhr er erst Jahre später.

Eskalation

Die Familie, die ihn mit sechs Monaten aufnahm, stammte ebenfalls aus Philadelphia. Chris war das zweite von drei Adoptivkindern, der einzige Junge. Seine Adoptivmutter konnte nach einer Unterleibsoperation keine Kinder mehr bekommen. "Meine Eltern haben aus der Adoption kein Geheimnis gemacht", sagt er. "Und ich glaube, sie haben alles versucht, um uns ein liebevolles Zuhause zu geben. Aber …", Chris sucht nach den richtigen Worten: "…  die Situation war kompliziert."

Sein Vater war Vizepräsident einer Bank, diszipliniert, ein Weltkriegsveteran, einst talentierter Footballspieler. Er wünschte sich einen Sohn nach seinem Vorbild. Doch Chris konnte mit Sport nichts anfangen, zum Militär zu gehen wäre ihm nie in den Sinn gekommen, er liebte die Natur, Musik, las gern. Er suchte sich Freunde, die fühlten und dachten wie er. Wenn er sie traf, fragte der Vater: "Gehst du wieder zu deinen Kakerlaken?"

Auf seinem Ausweis von der US-Handelsmarine wird Mosze Icchok Fadek bereits als Murray geführt

Auf seinem Ausweis von der US-Handelsmarine wird Mosze Icchok Fadek bereits als Murray geführt

Die Situation in der Familie eskalierte, als seine ältere Schwester heroinabhängig wurde. Eines Tages brachte die Lokalzeitung ihr Foto auf der Titelseite, sie wurde von der Polizei aus der Highschool abgeführt. Eine Katastrophe für den Vater, für seinen Ruf, die Karriere. Seine Wut ließ er an der Familie aus. "Nicht, dass er uns schlug", sagt Chris, "er gab uns einfach das Gefühl, eine Last zu sein."

Es ist das Schlimmste, was Adoptivkindern passieren kann. Ihnen, die schon einmal verlassen wurden. Als Chris der Mutter mit 18 mitteilte, dass er gern zu einem Freund nach Kalifornien ziehen würde, gab sie ihm 100 Dollar und fuhr ihn zur nächsten Highway-Auffahrt, damit er auf die andere Seite des Kontinents trampen konnte. Dort ließ sie ihn stehen.

"Ich kam bis Colorado", sagt er.

Anderthalb Stunden sitzen die Brüder nun beisammen. Tim hat kaum an seinem Kaffee genippt, so überwältigt ist er. Chris spricht sich den Schmerz von der Seele, als wolle er nichts mehr ungesagt lassen.

Die Einsamkeit des Adoptierten

In seiner Verbitterung hatte er sich oft vorgestellt, seine wahre Mutter müsse eine Prostituierte gewesen sein, der Vater ein Dealer, beides Menschen, mit denen man nichts zu tun haben will. Doch je einsamer er sich fühlte, desto mehr wuchs die Sehnsucht nach ihnen.

Er ging zur Adoptionsbehörde in Philadelphia und bettelte um Informationen: "Da saß nur eine kleine, alte, gemeine Frau, die mir sagte, ich solle gefälligst keine

Fragen stellen." Doch in den 80er Jahren wurde das Gesetz in vielen US-Bundesstaaten geändert, die Behörden waren nun verpflichtet, ihm bei seiner Suche zu helfen.

Haare, keine Haare, der eine etwas größer und gläubig, der andere ein Liberaler aus New York, das sind die offensichtlichsten Unterschiede zwischen Chris (l.) und Tim

Haare, keine Haare, der eine etwas größer und gläubig, der andere ein Liberaler aus New York, das sind die offensichtlichsten Unterschiede zwischen Chris (l.) und Tim

In den Akten war die alte Telefonnummer seiner leiblichen Großeltern vermerkt, sie lebten noch, der Anschluss funktionierte. Doch die Großeltern weigerten sich, ihrer Tochter zu sagen, dass Chris nach ihr suchte. Es dauerte drei Monate, bis eine junge Sozialarbeiterin sie überreden konnte. So erfuhr Chris, dass seine leibliche Mutter gerade 17 Meilen entfernt von dem Haus wohnte, in dem er aufgewachsen war. Dass sie vier Kinder hatte und einen Soldaten liebte.

Ihr Name war Caroline.

"Als ich sie das erste Mal besuchte, standen wir in ihrem Wohnzimmer und hielten uns minutenlang im Arm. Es war sofort eine Verbindung da. Wir spürten, wie nahe wir uns sind."

Doch über Chris' Vater zu sprechen fiel Caroline schwer, Fragen nach ihm wich sie aus. Erst Wochen später schrieb sie Chris einen Brief, acht Seiten lang. In dem schilderte sie das wenige, was sie von ihm wusste. Er war Matrose auf einem Frachter gewesen, ein schlanker, attraktiver Mann, charmant, höflich, deutlich älter als sie. Sein Schiff lag in Philadelphia im Hafen. Er hatte sich als Michael vorgestellt, Michael Fadek, gebürtig aus Polen. Sie hatten eine Affäre, die so lange währte, bis das Schiff wieder auslief. Doch eine Frage ließ Caroline auch in dem Brief unbeantwortet: ob ihr Matrose wusste, dass sie schwanger war.

Das Geheimnis – der Vater war Jude

Tim schiebt Chris ein Foto zu, das ihren gemeinsamen Vater Anfang der 80er Jahre zeigt. Er steht vor einer Schrankwand und hat ein sympathisches Lächeln.

Chris sieht es lange an. "Wie hätte er wohl reagiert, wenn ich plötzlich vor ihm gestanden hätte?"

"Er hat Menschen umarmt wie ein Bär", sagt Tim, "wie ein großer schlabbernder Hund. Er hätte dich angestrahlt und gesagt: 'Willkommen in der Familie.'"

Man spürt, wie sich Chris den Moment vorstellt.

Seit er den mutmaßlichen Namen seines Vaters wusste, suchte Chris überall in den USA nach Fadeks. Später, via Internetsuche, stieß er auf einen Michael Fadek in Arkansas. Aber es stellte sich heraus, dass er noch zur Schule ging. Auch Tims Website fiel ihm auf, manchmal verglich er das Gesicht des Fotografen mit seinem, aber anzurufen und Tim nach seiner Herkunft zu fragen wäre ihm nie eingefallen. Dass andere Menschen über ihre Eltern Auskunft geben wie über das Wetter, ist in seiner Welt undenkbar. Für ihn ist es das Intimste, was es gibt.

Am Nachmittag gehen sie stundenlang in Olympia spazieren. Fremd  und doch wie alte Freunde

Am Nachmittag gehen sie stundenlang in Olympia spazieren. Fremd  und doch wie alte Freunde

"Was für ein Mensch war er?", fragt Chris.

"Unser Vater hatte viele Dämonen", sagt Tim. "Viele Geheimnisse. Er war kein einfacher Mann. Die ganze Wahrheit über sich hat er selbst uns Kindern erst erzählt, als er wusste, dass er bald sterben würde. Sein größtes Geheimnis war seine Herkunft, dass er Jude war. Er hatte immer behauptet, er sei Katholik."

Versteck

Murray Fadek wurde im Juli 1928 in Warschau geboren und auf den Namen Mosze Icchok getauft. Sein Vater war in der polnischen Armee und wurde von den Nationalsozialisten hingerichtet, seine Mutter kam ins KZ, wo sie ermordet wurde. Er selbst und seine ältere Schwester entkamen den Nazis zunächst. Monatelang versteckten sie sich in Warschau unter einer Brücke. Sie lebten davon, dass seine Schwester Zigaretten stahl, die er auf der Straße verkaufte. Bis die Schwester von einem Wehrmachtssoldaten entdeckt und erschossen wurde. Da war Mosze Icchok 14 Jahre alt.

Irgendwie schaffte er es, bis zum Kriegsende am Leben zu bleiben. Dann schlug er sich nach Österreich durch, wo das Rote Kreuz ermittelte, dass der Junge zwei Tanten hatte, denen die Flucht nach Amerika gelungen war. Sie lebten in New Jersey. So kam er in die USA.

Auf Ellis Island vor der Küste New Yorks, wo sich alle europäischen Immigranten registrieren und untersuchen lassen mussten, wurde aus Mosze Icchok Murray. "Möglich, dass er den Namen selbst änderte, möglich, dass ein Beamter zu faul war, genau nachzufragen", meint Tim. "Dass er seine jüdische Herkunft verleugnete, lag nicht nur an den Nazis. Er fürchtete den Antisemitismus seiner eigenen Landsleute. Nie im Leben wollte er nach Polen zurück."

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Murray Fadek arbeitete als Liftboy, als Kellner und heuerte schließlich als Matrose an: "Das war sein Leben. Auf dem Schiff zu sein bedeutete Freiheit für ihn." Als er Tims Mutter kennenlernte, war die Affäre mit Caroline aus Philadelphia schon Jahre her. "Meine Mutter hat ihn anfangs geliebt, wegen seiner Fröhlichkeit, seinem Charme. Aber dann begann er zu trinken, und wir hatten ständig Geldsorgen. Unsere Mutter wusste nie, wann er zurückkommen und wie lange seine Heuer reichen würde."

Als Tim acht Jahre alt war, ging die Ehe in die Brüche, seine Schwester Jennifer lernte da gerade laufen. Aus seiner Familie war Tim der Einzige, der Kontakt zum Vater hielt, oft verriet er nicht mal der Mutter, dass er ihn besuchte. Am Ende lebte Murray Fadek in einem kleinen Apartment in New Orleans. Als er um die Jahrtausendwende erfuhr, dass er an einem Gehirntumor litt, lud er seine Kinder ein, um ihnen sein Leben zu erzählen. 2002 starb er.

Ein guter Tag

"Ob er wohl wusste, dass Caroline schwanger war?", fragt Chris. "Dass es mich gibt?"

Tim schüttelt den Kopf. "Er war zwar nicht gut darin, Verantwortung zu übernehmen, aber er war kein Feigling. Wenn er davon gewusst hätte, dass Caroline schwanger war, er wäre nicht davongelaufen. Und ich bin sicher, er hätte dich gemocht."

Chris tritt ans Geländer. Schweigend blickt er über die Bucht. Die Sonne geht unter, der Mount Rainier leuchtet orangeviolett. Es war ein guter Tag in Olympia. Einer der besten seit Langem.

Dieser Artikel ist dem aktuellen stern entnommen:

"Innocence Project": 20 Jahre unschuldig im Knast: Die Geschichte eines unglaublichen Justizirrtums
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