Brandkatastrophe in der Schweiz Was die Identifizierung der Todesopfer in Crans-Montana so schwierig macht

Die Bar "Le Constellation" in Crans-Montana in der Schweiz
Die Bar "Le Constellation" in Crans-Montana. Bei einem Feuer in der Bar kamen in dem Schweizer Nobelort in der Neujahrsnacht rund 40 Menschen ums Leben
© Jean-Christophe Bott
40 Menschen starben bei einer Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana. Wer sie waren, wird nun ermittelt. Die Aufgabe ist eine große Herausforderung.

Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana mit mindestens 40 Toten hat am Freitag die schwierige Identifizierung der Opfer begonnen. Die Leichen seien so stark verbrannt, dass es Tage dauern könne, bis die Namen aller Opfer festgestellt würden, teilten die Schweizer Behörden mit.

"Das erste Ziel ist es, allen Leichen Namen zuzuordnen", sagte der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Feraud, am Donnerstagabend. Der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard erklärte, Experten nutzten dafür Zahn- und DNA-Proben. Man müsse sich "100-prozentig sicher" sein, bevor man die Familien informiere.

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Italienische und französische Staatsbürger vermisst

Bei dem Brand wurden zudem 115 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Eltern vermisster Jugendlicher bitten in den sozialen Medien verzweifelt um Informationen über ihre Familienangehörigen. Laut Medienberichten sind viele Verletzte junge Menschen. "Es handelt sich um junge Patienten. Im Durchschnitt sind sie zwischen 16 und 26 Jahre alt", sagte die Direktorin des Universitätsspitals Lausanne dem Nachrichtenportal "24 Heures".

Ausländische Botschaften versuchen zu klären, ob ihre Staatsangehörigen von einer der schwersten Tragödien in der jüngeren Geschichte der Schweiz betroffen sind. Nach Angaben italienischer Behörden wurden am Donnerstag 16 Italiener vermisst. Rund ein Dutzend italienische Staatsangehörige befänden sich in Krankenhäusern. Laut einer Mitteilung des französischen Außenministeriums werden acht französische Staatsbürger vermisst. Australische Behörden teilten mit, es befinde sich ein Australier unter den Verletzten.

Informationen über mögliche deutsche Todesopfer oder Verletzte lagen am Donnerstag nicht vor. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die deutsche Botschaft in Bern stehe mit den Schweizer Behörden "in engem Kontakt".

Schweiz trauert nach Silvesterunglück

Am Donnerstagabend versammelten sich Hunderte Menschen nachh einem Gottesdienst in der Nähe des Unglücksortes, um den Opfern die letzte Ehre zu erweisen. Vor der Bar wurden zahlreiche Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. "Man denkt, man ist hier sicher, aber das kann überall passieren", sagte der 18-jährige Piermarco Pani, der die Bar gut kannte.

Der Schweizer Präsident Guy Parmelin kündigte an, dass die Flaggen fünf Tage lang auf Halbmast wehen sollen. 

Zeugen schildern erschütternde Szenen

Das Feuer war in der Silvesternacht in der vollen Bar "Le Constellation" in Crans-Montana ausgebrochen. Die Brandursache ist zurzeit noch unklar. Die Schweizer Behörden gehen jedoch von einem Unfall und nicht von einem Anschlag aus.

Zeugen schilderten erschütternde Szenen rund um den Brand. Eine Anwohnerin sagte der Schweizer Zeitung "24 Heures", als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana "in vollem Gange" gewesen, der Champagner sei "in Strömen geflossen". Nach Ausbruch des Feuers hätten sich die Menschen "fassungslos, besorgt, still" auf den Straßen versammelt.

Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Er schilderte, dass Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten.

Medienberichte und in sozialen Medien verbreitete Aufnahmen deuteten darauf hin, dass Lärmschutzmaterial an der Decke im Keller der Bar Feuer gefangen haben könnte, als feiernde Menschen mit auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen hantierten.

Viele Fragen bleiben offen

Wie viele Menschen in der Bar waren, für wie viele Besucher sie zugelassen war, ob die Notausgänge funktionierten oder die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng war, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war – Staatsanwältin Beatrice Pilloud machte dazu auch knapp 18 Stunden nach der Tragödie noch keine Angaben. Ob Kerzen oder ein Feuerwerkskörper den Brand auslösten, wie etwa Gäste mutmaßten - man wisse es noch nicht. 

Sie wolle Handys auswerten, die am Unglücksort sichergestellt wurden. Ob die Barbesitzer verhört werden, blieb ebenfalls offen. Es sei auf jeden Fall niemand festgenommen worden, sagte Pilloud.

Reuters · AFP
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