Opernball 2026
Wer ist der Schaumrollenkönig, der mit Sharon Stone zum Opernball geht?

Sharon Stone
Sharon Stone, Schaumrollenkönig Guschlbauer und Promi-Koch Johann Lafer im oberösterreichischen Sauwald
© Barbara Gindl / dpa
Sharon Stone ist erst der Anfang: Süßigkeitenfabrikant Karl Guschlbauer will der neue Opernball-König werden – und fordert dabei die Nachfahren seines Freundes Richard Lugner heraus

Auf einem Bild aus dem Jahr 2008 sieht man Karl Guschlbauer mit Richard Lugner posieren, und tatsächlich schaut der damals 45-jährige Mehlspeisenfabrikant aus Oberösterreich darauf noch ein wenig wie ein Fan des schillernden Societylöwen aus – oder gar wie dessen Lehrbub. „Richard Lugner und ich waren Freunde und natürlich ist sein Erfolg in vielerlei Hinsicht ein Vorbild" für mich", sagt Guschlbauer am Tag nach seinem großen Firmen-Event mit Sharon Stone im Sauwald und am Tag vor dem Wiener Opernball, der zu seiner Kür werden soll. 

Opernball oder „Kirtag": Hauptsache es wird getanzt

Obgleich der Wiener Opernball zur DNA des österreichischen Kulturguts zählt, sind die meisten Österreicher selbst nie dort gewesen. Auch Guschlbauer habe sich als junger Bäckerlehrling nie vorstellen können, einmal im Frack zwischen all den Reichen und Wichtigen eine große Rolle spielen zu dürfen. Das liegt weniger an den skurrilen Preisen, die dort aufgerufen werden, wie etwa 26.000 Euro für eine Rangloge, 39 Euro für ein Gläschen Champagner, 15,50 Euro für ein kleines Bier und 18 Euro für ein Paar Würstel, sondern daran, dass der Opernball nur ein Aspekt der sehr vielfältigen Ball- und Feierkultur ist. Über 400 Bälle zählt die Republik, zudem unzählige Volksfeste und Kathreintänze bis hin zum kleinsten gemeinsamen Nenner des alpinen Festkalenders: dem „Kirtag".

Karl Guschlbauer im Jahr 2008 mit seinem Freund und Vorbild Richard „Mörtel" Lugner
Karl Guschlbauer im Jahr 2008 mit seinem Freund und Vorbild Richard „Mörtel" Lugner
©  IMAGO / Hoffmann

Ebenda hat Karl Guschlbauer seine Millionen verdient, mit denen er sich einen Hollywoodstar leisten kann. Neben Blasmusik und Tanzboden gehören zu jedem Kirtag die rosafarbenen Zuckerbäckerwagen, wo Kokoskuppeln, Lebkuchenherzerl, Punschwürfel und Schaumrollen feilgeboten werden. „Das Geschäft auf den Kirtagen war unser Start", sagt Guschlbauer, der vor 43 Jahren als Sohn eines Bäckerehepaars mit seiner Firma begonnen hat. „Als One-Man-Betrieb, nur mit meiner Frau an der Seite", sagt er.

Sharon Stone mag gar keine Schaumrollen

Heute gilt er als „Schaumrollenkönig" und beliefert aus Sank Willibald 16 Länder. Der werbeträchtige Auftritt mit Sharon Stone ist eine genau geplante und durchkalkulierte PR-Aktion, mit der Guschlbauer den Markt in den USA erobern will. Diesbezüglich scheint er nicht nur Richard Lugners Masche genau studiert zu haben, sondern auch jene des Aachener „Printenkönigs" Hermann Bühlbecker, der seine Lambertz-Kekse und Lebkuchen mittels Hollywoodprominenz zur Marke in Übersee gemacht hat. Auch den hat er bereits auf dem Wiener Opernball persönlich kenngelernt. Der heute 63-jährige Oberösterreicher hat genau analysiert, wie das Geschäft mit den Promis funktioniert. Er scheint kein Zampano zu sein, keiner, der sein persönliches Ego mit Prominenz aufzuladen versucht. Hier geht es ums Geschäft. 

Während der 2024 verstorbene Lugner seinen Stargästen nur eine Fahrt ins Einkaufscenter über den schmutzigen Gürtel zugemutet hatte, musste Sharon Stone nun die Reise in die oberösterreichische Provinz auf sich nehmen – von Wien immerhin fast drei Autostunden entfernt. Doch Guchlbauer weiß, was er seiner Heimat schuldig ist. Dienstagnachmittag warteten in der „Süßen Welt" des Unternehmens zahlende und geladene Gäste aus der Region, um die Pressekonferenz mit Stargast Stone und Promi-Koch Johann Lafer miterleben zu dürfen. Für das 99 Euro teure "golden VIP-Ticket" gab es neben der Begegnung mit der Hollywood-Diva Freigetränke, Johann Lafers Sacherwürstel und eine Goodie-Bag mit Süßkram. 

Auch Priscilla Presley war schon im Sauwald 

Dafür durften Gäste und Presse live erfahren, dass die 67 Jahre alte Schauspielerin („Basic Instinct") zwar Familienunternehmen schätze, für Mehlspeisen jedoch wenig übrig habe: Sie lebe glutenfrei. Wenn schon Süßes, dann dunkle Schokolade, die jedoch– wie ein Blick auf die Unternehmensseite zeigt – Guschlbauer nicht im Angebot hat. Egal, Hauptsache die Medien schreiben fleißig. Aus der Bemerkung Stones, sie bevorzuge Wiener Schnitzel mit Sauerkraut, dazu Johann Lafers fassungsloses Promikoch-Gesicht, machte Österreichs Boulevard gleich einen „Schnitzelkrieg". Dass Frau Stone währenddessen erklärte, aufgrund der „komplizierten Lage" in ihrer Heimat nach Frankreich auswandern zu wollen, ging in der Empörung über die Verschandelung österreichischer Nationalgerichte unter.

Sharon Stone mit Gastgeber Guschlbauer
Sharon Stone mit Gastgeber Guschlbauer vor seinem Unternehmen im oberösterreichischen Sankt Willibald
© Guschelbauer (c) Michael Tinnefe

In Wien bereiten sich indessen die direkten Nachfahren „Mörtel" Lugners darauf vor, der Konkurrenz aus der Provinz die Stirn zu bieten. Tochter Jacqueline Lugner und ihr Mann Leo, ein FPÖ-Politiker, der 2024 den Namen seiner Frau angenommen hat, warten mit Fran Drescher als Stargast auf, bekannt für ihre Rolle in der TV-Serie "Die Nanny". Er sehe keinerlei Konkurrenz zur Tochter seines verstorbenen Freundes, gibt sich Guschlbauer diplomatisch. „Meine Frau und ich waren oft bei Richard Lugner eingeladen, einmal als Dita von Teese Stargast war und auch zuletzt mit Priscilla Presley", sagt er. Die Witwe von Elvis Presley hatte er damals spontan zu sich in den Sauwald eingeladen, „und sie ist tatsächlich gekommen. Sharon Stone ist also nicht der erste internationale Star, der bei uns in Sank Willibald gewesen ist."

Guschlbauer will eine „feste Größe" werden

Wie genau man die internationale Prominenz akquiriert und was das alles kostet, darüber schweigt auch der Schaumrollenkönig. „Ich sage nur so viel: es ist nicht einfach, es bedarf sehr guter privater Kontakte, weil solche Leute sich genau anschauen zu wem sie da fahren. Am Ende haben wir sogar einen Spezialpreis gekriegt." Gastgeber sein, das ist nicht nur Zuckerschlecken. Guschlbauer gesteht, für den perfekten Walzer mit seinem Stargast noch eifrig üben zu müssen. Und dass er plant, eine feste Größe im Opernballbetrieb zu werden. „Ich verrate natürlich nicht, wen wir für kommendes Jahr im Auge haben, aber ich verspreche Ihnen, dieser Auftritt wird keine einmalige Sache bleiben."