Pendler in Kassel müssen sich an diesem Freitag auf Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Im Tarifkonflikt der kommunalen Verkehrsbetriebe ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) zu einem Warnstreik auf. Die Arbeitsniederlegungen sollen mit der jeweiligen Frühschicht beginnen und bis zum Ende der Spätschicht dauern, auch wenn dies am Folgetag sein sollte, wie Verdi mitteilte.
Es dürfen auch keine RegioTrams fahren
Neben dem kompletten Ausfall aller Bus- und Straßenbahnlinien in Kassel seien auch die Bahnen der RegioTram Gesellschaft (RTG) betroffen, teilte die RTG mit. Hintergrund sei die Ausweitung des Ausstandes auf die KVG-Abteilungen Leitstelle und Werkstatt. "Wenn diese sicherheitsrelevanten Bereiche nicht arbeiten, dürfen auch keine RegioTrams fahren", erklärte die RTG. Es sei ein Ersatzkonzept mit Bussen geplant.
RTG-Geschäftsführer Thomas Wolf ergänzte: "Wir finden es sehr bedauerlich, dass wir durch eine Arbeitskampfmaßnahme, in welche wir nicht involviert sind, unseren Betrieb einstellen müssen." Es sei für Fahrgäste im Kasseler Umland schwer nachzuvollziehen, warum keine Züge etwa in Grebenstein oder Zierenberg fahren, wenn in Kassel gestreikt werde.
Gewerkschaft beklagt "Angriff" auf Tarifwerk
Grund für den Warnstreik bei der KVG ist laut Verdi der "Eklat" am Ende der dritten Runde der Tarifverhandlungen. "Buchstäblich in letzter Minute der Verhandlungen haben die Arbeitgeber aus heiterem Himmel einen regelrechten Angriff auf unser Tarifwerk gestartet", erklärte der zuständige Gewerkschaftssekretär Olaf Schüssler. So solle die Aufstockung des Krankengelds gestrichen werden. "Sie wollen denen, die wegen Krankheit ohnehin schon stark belastet sind, auch noch ihre Zuschüsse streitig machen. Nicht mit uns", so der Gewerkschafter.
Es geht um Arbeitsbedingungen
Hinzu komme, dass die tarifliche Zulage zur Mitarbeitergewinnung künftig mit Tariferhöhungen verrechnet werden sollten. "Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen sollen sich deutlich verschlechtern. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Streik."
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi parallel in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag. Bereits am Dienstag vergangener Woche waren Arbeitgeber und Gewerkschaft zur dritten Verhandlungsrunde in Hessen zusammengetroffen, die eineinhalb Tage dauerte. Nachdem es zum Ende der Gespräche zu dem besagten Konflikt gekommen war, hatte Verdi bereits beschlossen, dass es weitere Warnstreiks geben soll.