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Dilute-Gen: Außergewöhnliche Fellfärbung bei Hunden: Weshalb sie fatale Folgen haben können

Immer häufiger sieht man blaue und graue Hunde, vor allem Labradore und Französische Bulldoggen. Wir erklären die außergewöhnliche Fellfärbung – und die fatalen Folgen.

Von Katrin Gomer

Ein grauer Hund mit blauen Augen schaut in die Kamera

Ein Labrador mit grauem Fell und glasblauen Augen (Symbolfoto)

Pexels

Worauf es uns beim Hund ankommt? Dass er gesund ist und einen guten Charakter hat, werden die meisten Halter denken. Doch für immer mehr Menschen scheint noch etwas anderes im Vordergrund zu stehen: Der Hund soll besonders edel oder extravagant aussehen – also am besten eine außergewöhnliche Fellfarbe haben. Derzeit extrem beliebt ist die "Blue Line" vor allem bei Französischen Bulldoggen oder American Staffordshire Terriern beziehungsweise die Farben Silber, Charcoal und Champagner bei Labradoren. Doch wie kommt es zu diesen neuen Trendfarben, die bei den genannten Rassen wohlgemerkt nicht zum Rassestandard der FCI gehören?

Die Ursache für die außergewöhnliche Fellfärbung ist das sogenannte Dilute-Gen, von Englisch "to dilute", also "verdünnen". Es bewirkt die Verklumpung und Verkleinerung der Pigmentkörnchen und sorgt so für die aufgehellte Färbung. Im Fall der Farbe Silber handelt es sich beim Labrador also um ein verdünntes Braun, bei Charcoal um ein aufgehelltes Schwarz und bei Champagner um ein versilbertes Gelb. So weit, so gut. Für den Laien mag erst einmal nichts dagegen sprechen, dass es jetzt auch silberne Labradore oder blaue Bulldoggen gibt. Doch das Dilute-Gen beeinflusst bei diesen Rassen leider nicht nur die Fellfarbe, sondern es erhöht auch das Risiko für die Krankheit CDA (von Color Dilution Alopecia, Deutsch: Farbmutantenalopezie).

CDA äußert sich vor allem durch starken Juckreiz, Fellverlust, Hautekzeme und schlecht heilende Wunden. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass ein normales Hundeleben nicht mehr möglich ist. "Es handelt sich um eine schwerwiegende Problematik, die unheilbar ist und qualvoll für das Tier", erklärt Dr. Daniela Koppenhöfer, Veterinärbiologin, Kynologin und Autorin des Buchs "Labbylike". "Die Symptome, die meist erstmalig im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren auftreten, lassen sich mit Antibiotika und juckreizlindernden Medikamenten lediglich kurzfristig abmildern. Durch das ständige Kratzen entsteht für das Tier ein permanenter Stressfaktor, der zu gravierenden Folgekrankheiten wie etwa Dauerschäden an Herz und Immunsystem führen kann."

Das Verhalten des Hundes kann durch CDA ebenfalls massiv beeinträchtigt werden: "Hundeschulen berichten immer wieder, dass Hunde in Sonderfarben unkonzentriert, hyperaktiv und nervös wirken. Lernprozesse werden deutlich verzögert vom Tier umgesetzt, das Training dauert länger und benötigt mehr Intensität, oft im Einzeltraining", so Dr. Koppenhöfer. Ein hoffnungsloses Leben, das viele Hunde erwartet, die allein wegen ihrer schönen Färbung ausgesucht wurden.

"Blue Doberman Syndrome"

Nicht jeder Hund mit einer Sonderfarbe bekommt CDA, doch jeder Hund mit CDA hat eine Sonderfarbe. Das Risiko und die damit verbundenen dramatischen Folgen werden von entsprechenden Züchtern allerdings ausgeblendet oder gar verleugnet. Sie implantieren das Dilute-Gen bewusst, um Welpen in außergewöhnlichen Farben zu erhalten, die meist zum doppelten oder dreifachen Preis verkauft werden. "Schauen wir uns die gesamte Geschichte der Labradore an, so kam in ihren Ursprüngen nirgends ein Tier in der Farbe Silber in der Population vor", so Dr. Koppenhöfer. "Das geschah erst durch eine Züchtung in den USA, bei der ein Dilute-Träger eingezüchtet wurde, um das optische Erscheinungsbild des Labradors aufzuwerten." Der Labrador ist also kein natürlicher Genträger.

Ab 4. März im Handel: Die Ausgabe 2/2019 von Dogs.

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Ähnlich ist es beim Dobermann. Bei dieser Rasse wird die durch das Dilute-Gen verursachte Erkrankung als "Blue Doberman Syndrome" bezeichnet. Die Zucht mit der Farbe Blau ist beim Dobermann mittlerweile verboten und fällt sogar unter das Qualzuchtverbot (Paragraf 11b Tierschutzgesetz). Beim Silber-Labrador ist die Zucht zwar noch nicht durch den Gesetzgeber untersagt, "in den anerkannten Zuchtverbänden der FCI sowie den Unterverbänden sind Hunde mit unnatürlicher, eingezüchteter Dilution jedoch schon immer verboten", so Dr. Koppenhöfer. "Zudem herrscht ein Ausstellungsverbot für alle Sonderfarben bei Labradoren und entsprechende Tiere erhalten keine anerkannten Zuchtpapiere."

Was aber ist mit dem Weimaraner? Seine graue Färbung ist sein Erkennungsmerkmal, sein Rassestandard, und dennoch weist er kein erhöhtes Risiko für CDA auf. "Der Weimaraner ist ein Jagdhund, seine graue Farbe dient der Tarnung. Er trägt das Dilute-Gen auf natürliche Weise und ist daher gesund", erklärt Dr. Koppenhöfer. "Beim Labrador jedoch, der kein natürlicher Dilute-Gen-Träger ist, mutiert das Gen im Zusammenspiel mit weiteren, bislang nicht näher bekannten und definierten Genen und ruft dadurch Erkrankungen hervor. Um es vereinfacht auszudrücken: Fügen wir durch Zucht ein bestimmtes Gen in einen dafür nicht vorgesehenen Körper ein, wird dieser Vorgang unter Umständen zu schweren Schäden führen. Im Fall der Labradore in den Sonderfarben ist es leider die CDA." Ein seriöser Züchter nimmt daher keine Verpaarungen vor, bei denen Hunde mit verdünnter Fellfarbe entstehen können. Ein vorheriger DNA-Test gibt Aufschluss darüber, ob eines der Elterntiere das Dilute-Gen trägt. Denn dies kann auch der Fall sein, wenn das Tier selbst keine verdünnte Fellfarbe aufweist. Der Hund ist dann nur Träger des rezessiv vererbten Gens. Bei anerkannten Zuchtverbänden ist diese Überprüfung normaler Bestandteil der Zuchthygiene.

Fest steht: Lassen wir einen Hund bei uns einziehen, können wir seine Gesundheit zwar niemals komplett beeinflussen oder ihn vor jeder Krankheit bewahren. Doch wir können Risiken minimieren, indem wir uns ein Tier aus einer verantwortungsbewussten Zucht anschaffen, bei der das Wohlbefinden des Hundes an erster Stelle steht.

Der Merle-Faktor – ein weiteres kritisches "Farb-Gen"

Das sogenannte Merle-Gen führt beim Hund ebenfalls zu einer Aufhellung des Fells. Diese tritt allerdings nicht gleichmäßig, sondern eher in Form von unregelmäßigen, zerrissen wirkenden Flecken auf, bekannt vor allem durch den Australian Shepherd. Das Merle-Gen, bei dem es sich um einen Gendefekt handelt, verändert nicht nur die Fellschattierung, sondern beeinflusst die Augenfarbe. Die Zucht mit dem Merle-Gen ist bei bestimmten Rassen zwar erlaubt, es darf jedoch nur ein Elterntier das Gen tragen. Werden hingegen zwei Merle-Hunde miteinander verpaart, drohen schwere gesundheitliche Probleme wie Entwicklungsstörungen, Seh- und Hörprobleme bis hin zu Taubheit.

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