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Leserkommentare: Jung gegen Alt

Drei Münchener Rentnerinnen haben für stern.de ihre Haushaltsbücher geöffnet und gezeigt, wie es ist, "wenn nur 300 Euro zum Leben bleiben". Das hat die Leser bewegt: "Ja, es gibt arme Rentner", aber ein viel größeres Problem besteht doch für die jüngeren Generationen", schreibt einer.

Über das Leben von Martha H., Christa Maier und Eleonore Kalaja ist auf stern.de ein virtueller Generationenkonflikt entbrannt. Die Münchener Rentnerinnen gehören zu Deutschlands alten Armen. Sie leben am Existenzminimum, holen ihr Essen nicht im Supermarkt, sondern decken sich an der "Münchner Tafel" mit Lebensmittelspenden ein. Der Blick in die Haushaltsbücher der Drei hat unter den Lesern heftige Diskussionen ausgelöst - um die Verteilung von Wohlstand, zu hohe Renten und darum, aus Stolz auf Sozialhilfe zu verzichten. Natürlich gebe es arme Rentner, aber das sei eine Minderheit, kommentieren die User den Artikel. "Die Rentendebatte sollte ehrlicher geführt werden. Nicht allen Rentnern und Pensionären geht es schlecht", schreibt etwa "H.P." Dem stimmen viele stern.de-Leser zu. "97,5 Prozent der Rentner leben" über dem Existenzminimum, rechnet "Figaroo" vor. Und auch "RomanTicker" schreibt: "Ja, es gibt arme Rentner, aber ein viel größeres Problem besteht doch für die jüngeren Generationen."

Den Generationenvertrag erfüllen

Armut sei kein Phänomen unter Senioren, sondern in allen Altersklassen vorhanden, das schreibt auch "Dzab": "Ich hab genug Leute in meinem Bekanntenkreis", für die "auch nicht viel mehr als 300 Euro übrigbleiben". Der User "Malt" beschreibt sich selbst als männlich und 28 Jahre alt und stimmt ihm zu: "Ich muss (noch) sicher nicht am Hungertuch nagen… dafür arbeite ich aber 48 Stunden die Woche!" Wie solle er von dem, was unterm Strich übrig bleibt, eine Familie gründen und noch vorsorgen, fragt er. "Manesse" schreibt deshalb: "Altersarmut ist nicht das Problem der jüngeren Generationen." Die Senioren mit hoher Rente sollten für die mit geringer zahlen.

Das sehen einige stern.de-Leser anders. Die Jungen sollten mit ihrem Gehalt die Rentenkasse der Alten füllen, wie es der Generationenvertrag vorsehe. Es ist "immer wieder erschütternd, dass wir (…) für die Generation, die den Wohlstand erarbeitet hat, nicht versorgen können/wollen", so "Vegefranz". "Asteriskina" stimmt mit ein: "Die alte Generation kann wohl kaum etwas dafür, dass sich die junge Generation hinsichtlich Kinder, respektive des Generationenvertrages verweigert."

Unverständnis für Martha H.

Das Verteilungsproblem besteht nicht zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Armen und Reichen, ist eine dritte Gruppe von Lesern überzeugt. So wie "Pingpong": "Dass in diesem reichen Land die Anzahl der Bedürftigen (…) mit geringem Einkommen in diesem Ausmaß steigt, ist in jeder Weise mehr als Besorgnis erregend, ja eigentlich skandalös. Dieses Land geht sicher, aber allmählich den Bach runter."

Und über die Haushaltsbücher der drei Münchner Renterinnen haben sich die Leser auch Gedanken gemacht. Vor allem das Schicksal von Martha H. hat sie beschäftigt: "Wenn die 82-Jährige zu stolz ist, zum Sozialamt zu gehen, da fehlt jedes Verständnis. Wer sich nicht helfen lassen kann, dem kann nicht geholfen werden (Zitat Pestalozzi)", schreibt "AchazIII" und trifft damit die Meinung vieler User.

msl
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