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RASTERFAHNDUNG: Hamburger Studenten im Visier der »Soko USA«

Drei der vier mutmaßlichen Terrorpiloten vom 11. September hatten vor den Anschlägen in Hamburg studiert. Auf der Suche nach Komplizen vernimmt die Polizei jetzt 140 Studenten.

Auf der Suche nach weiteren Komplizen der Attentäter des 11. September sollen im Hamburger Polizeipräsidium insgesamt 140 Studenten vernommen werden. Polizeisprecher Ralf Kunz bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des »Hamburger Abendblatts«. Seit Beginn des groß angelegten Datenabgleichs seien jetzt die ersten Betroffenen einer großen Gruppe per Brief zu »persönlichen Gesprächen« zur Polizei geladen worden.

»Niemand wird vorgeführt«

Die meist ausländischen Studierenden waren bei der Rasterfahndung aufgefallen, weil auf sie mehrere der Verdachtsmerkmale zutrafen. Kunz betonte, die angeschriebenen Studenten gelten »nicht als Verdächtige oder gar Beschuldigte«. »Sie sind durch ein grobes Raster gefallen und werden gebeten, uns bei den weiteren Ermittlungen zu helfen«, sagte Kunz. Die Studenten seien nicht zu einem Erscheinen verpflichtet. Kommen sie nicht, werde geklärt, wie die Polizei sonst an die gewünschten Informationen kommt. Dies könne über weitere Daten von Ämtern und Behörden geschehen. »Niemand wird vorgeführt«, sagte der Polizeisprecher. Beamte würden die Studenten erst in ihrer Wohnung aufsuchen, wenn sie sich konkret verdächtig machten. »Das sieht zur Zeit aber nicht so aus«. In dem Schreiben der Innenbehörde an die betroffenen Studenten heißt es, »in Zusammenhang mit den Terroranschlägen hatte Hamburg nach den bisherigen Ermittlungen eine zentrale Rolle als Vorbereitungs- und Lebensraum der drei Haupttäter eingenommen«. Bei der Rasterfahndung handelt es sich um eine polizeiliche Maßnahme, um weitere potenzielle terroristische Gewalttäter aufzuspüren. »Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Personen beschuldigt bzw. verdächtig sind«, heißt es in dem amtlichen Brief. Zum »persönlichen Gespräch« bei der »Soko USA« im Hamburger Polizeipräsidium sollen die Angeschriebenen zahlreiche persönliche Dokumente mitbringen. Neben Pass, Mietvertrag und Studienbescheinigungen seien das auch Kontoauszüge und Unterlagen über gemachte Reisen.

AStA kritisiert das Vorgehen der Polizei

Heftige Kritik an den Polizeischreiben kam vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP). Diese »Jagd auf ausländische Studierende« sei »undemokratisch und rassistisch«. Menschen würden »als potenziell gefährlich gebrandmarkt und ohne Grund kriminalisiert«. Der AStA erklärte: »Wir werden jeden erdenklichen, wenn nötig auch juristischen Weg gehen, um diese menschenverachtenden Maßnahmen zu beenden«.

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