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Schulkonzept: Das tierische Klassenzimmer

Mit Tieren gegen Gewalt: "Wer ein Kaninchen auf dem Arm hält, kann nicht auf andere Schüler einschlagen" sagt die Rektorin einer Berliner Grundschule - das Schulleben von 850 Schülern und 150 Tieren funktioniert gut.

Die Zahl der Unfälle an der Grundschule am Sandsteinweg in Berlin-Neukölln ist um ein Drittel gesunken. Auf dem Schulhof und den Fluren sind die üblichen Keilereien und Schubsereien selten. "Wer ein Kaninchen auf dem Arm hält und streichelt, kann nicht auf andere Schüler einschlagen" sagt Rektorin Petra Balzer zu dem ebenso einfachen wie erfolgreichen Konzept gegen Gewalt in der Schule. Die nach eigenen Angaben größte Berliner Grundschule mit 850 Schülern ist auch Heimstatt für 150 Tiere.

Überall miaut, grunzt, keckert und meckert, wiehert und kräht es. "Wegen der Hängebauchschweine", so hat der sechsjährige Daniel seinen Einschulungswunsch gerade an dieser Schule begründet. Die Mädchen reißen sich besonders um Aufnahme in die Pony-Arbeitsgemeinschaft. Die Wartezeit bis zum ersten Aufsitzen auf den geliebten Pferdchen liegt bei mehr als einem Jahr. "Das zu zeigen und den Kindern zu geben, was das Leben ausmacht", war von Anfang an das Motto der Rektorin und einer Lehrerin, die gemeinsam zum Start vor mehr als 13 Jahren das erste Huhn auftrieben.

Schwein "Erna" und Eselin "Pamina" sind schon lange dabei

Vom Museumsdorf Düppel kam schon bald das rosig dicke Schwein "Erna" dazu. Die Eselin "Pamina" wurde sogar das Maskottchen der Schule. Zu den Exoten gehört mittlerweile eine Fuchs-Familie, die seltsamer Weise bevorzugt den Kindern beim Sport zusieht. Besondere Lieblinge sind die streichelzarten Hasen und Kaninchen, die Meerschweinchen sowieso.

Auch Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD) zeigt sich tierlieb: "Es ist die beste Unfall- und Gewaltverhütung. Überall da, wo das Schulklima gut ist, gehen die negativen Zahlen zurück." Die Kinder fühlten sich ernst genommen, die Schule habe ein eigenes Profil, das anziehend wirke. Durch die Beschäftigung mit den Tieren wird jedoch die schulische Leistung nicht geschmälert. Eltern drängen aus weiter Umgebung mit ihren Kindern an diese Schule, die in einem eigentlich als sozial schwierig geltendem Stadtteil liegt. Später nehmen Gymnasien die jungen Schüler vom Sandsteinweg mit Kusshand auf.

Auch Geburt und Tod gehören zum Leben

Heile Welt bietet die "gemischte" Grundschule dennoch nicht. Die Tiere verlangen viel Arbeit und Betreuung, das Futter ist nicht immer einfach aufzutreiben. Zusätzliches Geld aus der Senatskasse gibt es nicht. Alles muss durch Spenden und Eigenarbeit aufgebracht werden.

Der Einsatz aller, von Schülern, Eltern und Lehrern, lehrt, dass hier fürs Leben gelernt wird. "Die Schülerinnen und Schüler sind bei Geburten dabei, und sie erleben den Tod." Als das erste Pony starb, habe es "ein riesiges Geheule" gegeben. Die Mädchen hätten zum Andenken die Locken abgeschnitten. Im Unterricht wurde das Erlebnis ausführlich pädagogisch verarbeitet.

Tiere kommen auch in die Klassenzimmer

Seit etwa einem Jahr kommen die Tiere aus den weitläufigen Stallungen pro Woche für 2 Unterrichtsstunden in jede Klasse. Attraktion ist immer wieder der Besuch von "Frau Mauritz", einer Ziege, die laut Sascha (7) "mehr und lauter meckert als jede Lehrerin". Tradition ist es schon, dass die Kleinsten gleich bei der Einschulungsfeier den Kontakt zu den Tieren finden. Eine Schülerin führt feierlich ein Pony in den Klassenraum. "Wenn das Pferd dann äppelt, bricht immer das größte Hallo aus", sagt die Rektorin.

Hans-Rüdiger Bein / DPA
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