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Sparmaßnahmen: Eltern müssen Schule putzen

Eltern putzen die Schule und Schüler streichen ihr Klassenzimmer. Die Sparmaßnahmen der Schulleiter sind vielfältig, denn es fehlt nicht nur Geld für Bücher.

Die Eltern werden zum Putzen bestellt, das Fotokopierpapier wird rationiert, die Zahl der Schüler in einer Klasse wird größer - in den Schulen ist das Geld knapp. Selbst für notwendige Arbeiten sind oft keine Mittel da. Vor allem über Personalknappheit klagen Schulleiter, aber auch über fehlendes Geld für Sachmittel wie Bücher oder Unterrichtsmaterialien.

"Wir konnten bisher in der Schule nach Bedarf kopieren. Seit Anfang Oktober wissen wir, dass jeder Kollege nur noch 2.000 Kopien für das Schuljahr hat, das hört sich viel an, ist aber lächerlich", berichtet eine Hauptschullehrerin aus der Nähe von Aachen. Sie unterrichte je zwei Klassen in Deutsch und Englisch und brauche schon allein für Klassenarbeiten mindestens 1.200 Kopien pro Jahr. Für andere Dinge bleibt da nicht mehr viel vom Kopieretat übrig, aber: "Schüler lernen nicht nur vom Zuhören, die wollen und sollen ja auch mal was machen."

Kein Geld für Bücher

Ein weiteres Problem seien kontingentierte Bücher: "Wir haben für bestimmte Fächer wie Wirtschaftlehre oder Religion entweder gar keine oder nur einen Klassensatz Bücher", erzählt die Lehrerin. Ein solcher Klassensatz gelte für jeweils 2 Klassenstufen. Da die Religionsstunden aber in den Klassenstufen zeitgleich liefen, müssten jeweils mindestens 80 Schüler mit 30 Büchern auskommen.

Die Probleme setzen sich fort bei den Gebäuden, in denen die Schüler lernen sollen. "Bauliche Ausbesserungen bleiben als erstes liegen", sagt Maren Schönfeldt, Schulleiterin der Hamburger Grundschule Curslack-Neuengamme, in die eine Haupt- und Realschule integriert ist. So wurde beispielsweise mit der Renovierung der 30 Jahre alten Jungentoiletten begonnen, doch für die Fortsetzung der Arbeiten in diesem Jahr gab es kein Geld. "Der Urin hat sich im Mauerwerk festgesetzt und stinkt", klagt Schönfeldt.

Schüler müssen Klassenzimmer streichen

"Schönheitsreparaturen werden schon gar nicht mehr gemacht", erzählt ein Sprecher des Lessing-Gymnasiums in Frankfurt am Main. "Wenn die Schüler ein schöneres Klassenzimmer haben wollen, müssen sie es selbst streichen." Er klagt vor allem über fehlendes Personal: Wenn Kollegen krank seien - auch langfristig - werde kein Ersatz zur Verfügung gestellt: "Die Vertretungsmittel sind ausgeschöpft." Die Schüler würden nur beaufsichtigt.

Fehlende Lehrer sind auch das Hauptproblem am Hamburger Albert-Schweitzer-Gymnasium, wie Schulleiter Frank Schmidt erklärt. "Wir mussten 3,5 Prozent einsparen." Als Folge würden die Klassen immer größer: Die Obergrenze von 15 Schülern in einem Leistungskurs musste der Schulleiter auf 22 heraufsetzen. Völlig überraschend habe seine Schule zuletzt 14 neue Wandtafeln bekommen, doch den Personalhaushalt habe er nicht in der Hand. "Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert", sagt Schmidt.

"Verordneter Unterrichtsausfall"

Eine weitere Folge bei reduziertem Personal: "Verordneter Unterrichtsausfall", wie der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagt. In Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen sei die Zahl der Schulstunden für die Kinder gekürzt worden - aus Kostengründen. "Wenn ich drei Stunden pro Woche kürze, brauche ich zehn Prozent Lehrpersonal weniger", erklärt Kraus. Statistiken zeigten, dass nach dem 10. Schuljahr ein Schüler in Bayern rund 1.000 Schulstunden mehr hinter sich gebracht habe als ein Schüler in Nordrhein-Westfalen. Das entspreche fast einem ganzen Schuljahr.

Würden die Stunden gekürzt, müsse der Lehrer den Stoff in kürzerer Zeit durchnehmen. Das gehe in der Regel auf Kosten der schwächeren Schüler, sagt Kraus. "Sparmaßnahmen im Bildungsbereich treffen die stärkeren Schüler weniger als die schwächeren." Ohnehin liege Deutschland, was die Bildungsausgaben angehe, unter dem Durchschnitt der OECD-Länder, erinnert er: Die Bundesrepublik wende 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung auf, skandinavische Staaten dagegen über sieben Prozent. "Das schlägt sich natürlich auch in Pisa-Studien nieder."

Wenig Klage kommt aus Offenbach. Die Stadt sei zweifellos eine arme Kommune, erklärt der Leiter der Offenbacher Edith-Stein-Schule, Volker Stürzer: "Dennoch geht es uns vergleichsweise gut." Es werde weder am Klopapier, noch an Putzkräften oder Glühbirnen gespart: "Der Träger scheut keine Kosten, um uns zu unterstützen." Dies betreffe alle Offenbacher Schulen in Trägerschaft der Stadt. Probleme gebe es allerdings beim baulichen Zustand der Schulen. Die Gebäude litten eindeutig unter einem "Reparaturstau".

Susanne Gabriel

Wissenscommunity