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TEIL 12: Unterwegs in Südböhmen

Es gibt offensichtlich keine Stadt in Tschechien, die nicht mindestens einen »schönen Marktplatz« mit Säule hat...

Prag, die Sonne brennt, die Frisur sitzt - bei kurz, rot und gut kann nur wenig daneben gehen. Hab einen spannenden Vormittag hinter mir: Harvard-Professor Samuel Huntington dozierte an der Fakultät über seine Prophezeiung, den »Clash of Civilizations«. Sehr angenehmer, schmächtiger älterer Herr. Die Vorlesung hatte der Harvard Club Prag organisiert. Fragt mich bitte nicht, warum Harvard jetzt auch noch Auslandsdependancen haben muss, und dann auch noch in »Czechoslowakia« (wo Herr Huntington sich wähnte zu befinden. Aber, wenn selbst Shakespeare schon »Böhmen am Meer« sieht, sei »Czechoslowakia« auch Herrn Huntington verziehen.).

Cesky Krumlov, die Sonne geht unter und nach fünf Stunden Autofahrt sitzt selbst die Kurzhaarfrisur nicht mehr. Anja, eine deutsche Kommilitonin, und ich sind mit einem roten Skoda durch Südböhmen unterwegs. Erstes Ziel ist Cesky Krumlov, laut Lonely Planet »one of Europe's most beautiful towns«. Kann ich nur bestätigen, das Städtchen liegt romantisch an der Moldau.

Auf der Suche nach der Moldau-Quelle (leider erfolglos) geht es über Ceske Budejovice (Budweis, dessen Highlights ein unansehnliches Brauereigebäude und ein fast überrenovierter Marktplatz mit Mariensäule sind), weiter nach Telc (wunderschöner Marktplatz mit Säule, Weltkulturerbe), Jindrichuv Hradec (schöner Marktplatz mit Mariensäule) und Hradec Kralove (Königsgrätz, in Ostböhmen, schöner Marktplatz mit Säule plus Funktionalismus-Architektur) wieder zurück nach Prag (wunderschöner Marktplatz, ohne Säule).

Bilanz der Autotour: Es gibt offensichtlich keine Stadt in Tschechien, die nicht mindestens einen »schönen Marktplatz« mit Säule hat.

Nun bin ich wieder in Prag und sitze am Schreibtisch: Klausuren stehen vor der Tür. Und dann noch ein wenig Sommer genießen und Besucherströme durchs Goldene Gässchen führen. Eine kleine Strasse auf der Prager Burg, in der einmal Alchimisten herumhantierten und in deren Haus Nummer 22 Kafka einige Tage wohnte.

Einer meiner zwei Sprachkurse ist übrigens schon vorbei, trotzdem trieze ich Euch weiter. Heute: Der Aspekt. Der Tscheche unterscheidet, ob man eine Sache regelmäßig tut oder nur einmal:

gehen (immer, kurze Distanzen, wie »walk«): chodit

gehen (einmal, kurze Distanzen): jit

beziehungsweise:

gehen (immer, lange Distanzen, wie »go«): jezdit

gehen (einmal, lange Distanzen): jet

Ahoj v Praze, geh jetzt Bier trinken (kurze Distanz, regelmäßig)

Marlies

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