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AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG IN BERLIN: Warhols Verbrecher und Katastrophen

Berlin zeigt Warhol. In der Neuen Nationalgalerie sind ab 6. Oktober rund 160 Werke des Pop Art-Künstlers zu sehen.

Mit seinen häufig reproduzierten Campbell- Suppendosen oder Marylin-Monroe-Porträts gilt der amerikanische Pop- Künstler Andy Warhol (1928- 1987) als wichtiger Vertreter der Moderne. In einer Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie wird vom 6. Oktober an bis zum 6. Januar das Werk des Malers, Graphiker und Filmemacher mit einer großen Retrospektive gewürdigt. Rund 160 Werke Warhols aus aller Welt hat der Kurator Heiner Bastian zusammengestellt. Die Bilder und Zeichnungen haben Sammler in Deutschland und den USA sowie das Museum of Modern Art in New York und der Hamburger Bahnhof in Berlin ausgeliehen.

Katastrophen als Siebdruck verfremdet

In der Schau werden Warhols Bilder nicht wie so oft als Zitate der Pop-Kultur präsentiert, sondern als eigenständige Werke, die ihren Platz in der Kunstgeschichte beanspruchen. »Ich wollte Warhol aus dem Umarmung der Pop-Art lösen«, begründete Bastian sein Konzept. So wird für den riesigen Siebdruck nach Leonardos da Vincis »Letztem Abendmahl« das gesamte Erdgeschoss der Nationalgalerie reserviert. Und wo sich sonst im Untergeschoss die Meisterwerke der frühen Moderne abwechseln, präsentiert die Ausstellung selbstbewusst die Bilder eines Künstlers, von dem Bastian behauptet, er habe »nie ein Bild erfunden und zwischen Fiktion und Realität nie unterschieden«. Im Mittelpunkt stehen jene Desaster- und Gewaltbilder, die Warhol Zeitungsseiten entnahm und als Siebdrucke multiplizierte und verfremdete. Katastrophenbilder wie »Atomic Bomb«, »Suicide« und »Car Crash« oder die Abbildung des elektrischen Stuhls seien aber nicht als soziale und politische Anklage zu verstehen, betonte Bastian. In ihrer Dramatik »enthüllen sie uns nur die Einsamkeit eines einzelnen Lebens«.

Der Besucher begegnet den bekannten Gestalten der Film- und Medienwelt der vergangenen Jahrzehnte: Dem doppelten Elvis Presley in Cowboy-Pose, dem bunten Mao, James Cagney in Schwarz-Weiss, Liz Taylor und Marlon Brando. Es sind jene Werke, die Warhol zum bedeutenden Chronisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden ließen, sagt Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin.

»13 Most Wanted Men«

Erstmals ist in einer Ausstellung Warhols die Serie jener per Steckbrief meistgesuchten Männer der USA vereint. »13 Most Wanted Men« hatte der Künstler ursprünglich als New Yorker Beitrag für die Weltausstellung 1964 konzipiert. Nach heftigen Protesten musste er die Bilder übermalen. Noch während der Ausstellung wiederholte Warhol die Serie auf der Leinwand. Parallel zur Ausstellung zeigt die Deutsche Kinemathek rund ein Dutzend Filme, die der Maler in seiner »Factory« drehte.