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Charlie Chaplin: Der erste Superstar des Showbiz

Der kleine Mann mit der Melone, dem Schnurrbart und den viel zu großen Schuhen konnte die Menschen allein durch Gesten in den Bann ziehen. In den Hamburger Deichtorhallen wird die erste große Museumsausstellung über Charlie Chaplin gezeigt.

"Mir wird applaudiert, weil mich jeder versteht, und Ihnen, weil Sie niemand versteht", hat Charlie Chaplin einmal zu Albert Einstein gesagt. Wie sehr der kleine Mann mit der Melone, dem Schnurrbart, dem Spazierstock und den viel zu großen Schuhen die Menschen selbst mit kleinsten Gesten in seinen Bann schlagen konnte, zeigt bis zum 28. Mai eine große Ausstellung im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen. Die Schau, die in Zusammenarbeit mit dem Musée du Jeu de Paume, Paris und der Kunsthal Rotterdam entstanden ist, beleuchtet erstmals die zentrale Rolle der Fotografie in Chaplins (1889-1977) vielschichtigem Werk. Nach Lausanne und Brüssel wird "chaplin in pictures - mensch, mythos, filmemacher" auch in den USA zu sehen sein.

"Charlie Chaplin ist nicht nur einer der weltweit bekanntesten Künstler, er ist auch eine Ikone des 20. Jahrhunderts", sagte Direktor Robert Fleck. Mehr als 250 Fotografien, Filme, Plakate und Hommagen anderer Künstler wie Fernand Léger zeigten einen "neuen" Charles Chaplin, dessen unerschöpflicher Einfallsreichtum und Produktivität im vergangenen Jahrhundert nur mit Picasso verglichen werden könnte. "Diese neue Annäherung an meinen Großvater ist auch für mich eine tolle Erfahrung", sagte Charlie Chaplins Enkel Charly Sistovaris. Fast alle Exponate stammen aus dem Chaplin-Archiv in Paris.

Durch Kostüm und Make-up wurde Chaplin zum "Tramp"

Beginnend mit der Entstehung des Charakters "Charlie" beleuchtet die Ausstellung verschiedene Aspekte seines Lebens. "Ich hatte keine genaue Vorstellung von dem Charakter. Aber sobald ich umgezogen war, fühlte ich mich durch Kostüm und Make-up als die Person, die er (der Tramp) war", schrieb Chaplin 1964 in seiner Autobiografie. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Verbindung des Mediums Fotografie mit der Figur Charlie Chaplin und das Visuelle seiner Arbeit. Um den Plagiatsvorwurf gegen die vielen Chaplin-Imitatoren zu beweisen, mussten zum Beispiel 1925 die Anwälte des Stummfilmstars die Originalität des Charakters anhand von Fotografien belegen.

Dokumentation seines Aufstiegs zum Idol

Die Neuedition der Filme in Digitaltechnik erlaubt die lebendige Konfrontation einzelner Szenen und Filmausschnitte. Gezeigt werden auch unbekannte Filme: die Dreharbeiten des "Diktators" (in Farbe) und Super-8-Familienfilme der 60er Jahre, bei denen Chaplin als weißhaariger Vater seinen jungen Kindern nochmals die alten Szenen vorspielt. Neben Chaplins Arbeit als Filmproduzent wird auch sein Aufstieg zum Idol der 20er anhand von Originalfilmen dokumentiert: Die Figur des Charlie Chaplin wurde schon früh so berühmt, dass ihr Erfinder sich an öffentlichen Plätzen kaum retten konnte.

Seine Kritiker an der US-Politik machte ihn zur "persona non grata"

Neben dem ersten großen Star der Kinogeschichte war Charlie Chaplin auch eine symbolische Figur der 20er Avantgarde. Bereits 1930 warnte er vor dem in Europa so weit verbreiteten Patriotismus. Auch in seinen Filmen erschien eine direkte Form der sozialen Kritik, die sich besonders in "Moderne Zeiten" und "Der große Diktator" zeigte. Doch sein politischer Einsatz war in den USA der McCarthy-Ära nicht willkommen und so durfte er nach einer Medienkampagne aus Gründen der Moral nicht mehr in die USA einreisen. Auch Hollywood kritisierte der nun im Schweizer Exil Lebende heftig: "Ich denke ganz objektiv, dass es Zeit ist, neue Wege zu gehen. Geld sollte nicht länger der mächtigste Fetisch einer niedergehenden Gesellschaft sein", schrieb er 1947 unter dem Titel "Ich habe genug von Hollywood".

Die Ausstellung zum Leben und Werk Charles Chaplins im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen ist noch bis zum 28. Mai 2006 zu sehen.

Carola Große-Wilde/DPA / DPA