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TV-Tipps des Tages für den 19.4.: Chaplins Meisterstück

Charlie Chaplins "Der große Diktator" ist ein Meisterwerk. Tödlich-ernst, unglaublich komisch und erschreckend prophetisch zugleich. Wir verneigen uns vor der besten Satire der Filmgeschichte.

"Der große Diktator"
20:15 Uhr, 3Sat
SATIRE "Hoffnung... Es tut mir leid, aber ich will kein Kaiser sein. Das ist nicht meine Sache. Ich möchte niemanden beherrschen und niemanden bezwingen. Es ist mein Wunsch, einem jeden zu helfen - wenn es möglich ist - sei er Jude oder Nichtjude, Weißer oder Schwarzer. Wir alle haben den Wunsch, einander zu helfen. Das liegt in der Natur des Menschen. Wir wollen vom Glück des Nächsten leben - nicht von seinem Elend. Wir wollen nicht hassen und uns nicht gegenseitig verachten. In dieser Welt gibt es Raum für alle, und die gute Erde ist reich und vermag einem jeden von uns das Notwendige zu geben.

Wir könnten frei und anmutig durchs Leben gehen, doch wir haben den Weg verloren. Die Gier hat die Seelen der Menschen vergiftet - sie hat die Welt mit einer Mauer aus Hass umgeben - hat uns im Stechschritt in Elend und Blutvergießen marschieren lassen. Wir haben die Möglichkeit entwickelt, uns mit hoher Geschwindigkeit fortzubewegen, doch wir haben uns selbst eingesperrt. Die Maschinen, die uns im Überfluss geben sollten, haben uns in Not gebracht. Unser Wissen hat uns zynisch, die Schärfe unseres Verstandes hat uns kalt und lieblos gemacht. Wir denken zuviel und fühlen zu wenig. Dringender als der Technik bedürfen wir der Menschlichkeit. Güte und Sanftmut sind wichtiger für uns als Intelligenz. Mit dem Verlust dieser Eigenschaften wird das Leben immer gewalttätiger, und alles wird verloren sein.

Das Flugzeug und das Radio haben uns näher gebracht. Das innerste Wesen dieser Dinge ruft nach den guten Eigenschaften im Menschen – ruft nach weltweiter Brüderlichkeit - fordert uns auf, uns zu vereinigen. In diesem Augenblick erreicht meine Stimme Millionen Menschen in der ganzen Welt, Millionen verzweifelter Männer, Frauen und kleiner Kinder, die die Opfer sind eines Systems, das Menschen dazu bringt, Unschuldige zu quälen und in Gefängnisse zu werfen. Denen, die mich hören können, rufe ich zu: Verzweifelt nicht! Das Elend, das über uns gekommen ist, ist nichts als Gier, die vorübergeht, die Bitterkeit von Menschen, die den Fortschritt der Menschheit fürchten. Der Hass der Menschen wird aufhören, Diktatoren werden sterben, und die Macht, die sie dem Volk genommen haben, wird dem Volk zurückgegeben werden. Solange Menschen sterben, kann die Freiheit niemals untergehen.

Soldaten! Unterwerft euch nicht diesen Gewalttätern, die euch verachten und versklaven, die euer Leben in starre Regeln zwingen und euch befehlen, was ihr tun, was ihr denken und was ihr fühlen sollt! Sie drillen euch, sie päppeln euch auf und behandeln euch wie Vieh, um euch schließlich als Kanonenfutter zu verbrauchen. Unterwerft euch nicht diesen Unmenschen – Maschinenmenschen mit Maschinengehirnen, Maschinenherzen. Ihr seid keine Maschinen! Ihr seid Menschen! In euren Herzen lebt die Liebe zur Menschheit! Hasst nicht. Nur der Unglückliche kann hassen – der Ungeliebte, der Pervertierte!

Soldaten! Kämpft nicht für die Sklaverei! Kämpft für die Freiheit! Im siebzehnten Kapitel des Lukas-Evangeliums steht geschrieben, das Reich Gottes sei im Menschen - nicht in einem Menschen oder in einer besonderen Gruppe von Menschen, sondern in allen! In euch! Ihr, das Volk, habt die Macht - die Macht, Maschinen zu erschaffen. Die Macht, Glück hervorzubringen. Ihr, das Volk, habt die Macht, das Leben frei und schön zu gestalten - aus diesem Leben ein wundersames Abenteuer werden zu lassen. Lasst uns also - im Namen der Demokratie - diese Macht anwenden - vereinigt euch! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine gesittete Welt, in der jedermann die Möglichkeit hat zu arbeiten, die der Jugend eine Zukunft und die dem Alter Sicherheit zu geben vermag.

Die Gewalttäter sind zur Macht gekommen, weil sie euch diese Dinge versprochen haben. Doch sie lügen! Sie halten ihre Versprechungen nicht. Sie werden das nie tun! Diktatoren befreien sich selbst, aber sie versklaven das Volk. Lasst uns nun dafür kämpfen, die Welt zu befreien – die nationalen Schranken niederzureißen – die Gier, den Hass und die Intoleranz beiseite zu werfen. Lasst uns kämpfen für eine Welt der Vernunft - eine Welt, in der Wissenschaft und Fortschritt zu unser aller Glück führen sollen. Soldaten, im Namen der Demokratie, lasst uns zusammen stehen!

Hannah, kannst du mich hören? Wo auch immer du bist, blicke nach oben. Blicke auf, Hannah! Die Wolken zerstreuen sich. Die Sonne bricht durch! Wir kommen aus der Finsternis in das Licht! Wir kommen in eine neue Welt – in eine freundlichere Welt, wo die Menschen sich über ihre Gier, ihren Hass und ihre Gewalttätigkeit erheben. Blicke empor, Hannah! Die Seele des Menschen hat Flügel bekommen, und nun endlich beginnt er zu fliegen! Er fliegt in den Regenbogen, in das Licht der Hoffnung. Blicke empor, Hannah! Blicke empor!"

- Schlussrede von Charlie Chaplin in "Der große Diktator"

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

Die drei Tage des Condor
22.10 Uhr, Servus-TV
THRILLER Besserer Bürobote mit Faible für Thrillerliteratur: Joe (Robert Redford) liebt seinen Job. Auch wenn er für den Coffee to go zuständig ist. Im New York der 70er muss man dafür nur um zwei Ecken. Die Zeit reicht. Als Joe mit den Snacks ins Büro zurückkehrt, liegen die Kollegen tot unterm Tisch. Die CIA-Außenstelle ist aufgeflogen. Nur Joe hat das Massaker überlebt. Unter seinem Decknamen Condor erteilt er Meldung an die Zentrale. Ein Fehler. Von nun an ist er vogelfrei... Sydney Pollack drehte den Thriller, als erste Informationen über Watergate an die Presse gelangten. Über die damalige Aktualität hinaus gibt Redford als Ur-Bourne in Schlaghosen eine zeitlos grandiose Performance. (bis 0.15)

Der Pate
22.20 Uhr, 3Sat

MAFIA-EPOS Noch ein Klassikerangebot, das Sie nicht ablehnen sollten. Unvergesslich und unübertroffen kaut Marlon Brando als Don Vito Corleone auf den Wattestäbchen, die seinen Unterkiefer herausstellen. Die Fortsetzungen von Coppolas Meisterwerk folgen Sonntag und Montag. (bis 1.10)

"Still Walking"
23.15 Uhr, WDR

DRAMA Eine japanische Familie trifft sich einmal im Jahr zum Andenken an einen vor vielen Jahren ertrunkenen Sohn. Für dessen Bruder Ryota immer wieder eine harte Prüfung. – Das einfühlsam erzählte Drama lässt Raum, um dem Verhältnis zu den eigenen Eltern nachzuspüren. (bis 1.05)