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Frauenkirche Das "Wunder von Dresden" ist vollendet


Nach dem Bombenangriff der Alliierten im Februar 1945 ragen aus den Trümmern die Stümpfe der Frauenkirche. Jetzt steht sie wieder in alter Pracht und wurde heute feierlich geweiht.

Sechzig Jahre nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche vollendet. Das aus Trümmern neu errichtete Gotteshaus wurde am Sonntag im Beisein von zahlreichen Ehrengästen aus aller Welt feierlich geweiht. Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl stellte das spätbarocke Bauwerk damit in den Dienst der evangelischen Kirche. An dem Gottesdienst nahmen rund 1700 Gäste teil. Auf dem Platz vor der Frauenkirche verfolgten Zehntausende die Live-Übertragung bei strahlendem Sonnenschein auf großen Leinwänden.

An der Zeremonie nahmen neben Bundespräsident Horst Köhler auch der amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), seine designierte Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) und die Botschafter der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges teil. Das englische Königshaus war durch den Herzog von Kent vertreten. Auf dem Platz vor dem Bauwerk waren nach ersten Schätzungen rund 60 000 Menschen dabei. Das Ereignis wurde zudem live im Fernsehen übertragen.

Die zwischen 1726 und 1743 erbaute Frauenkirche war nach Bombenangriffen britischer und amerikanischer Flugzeuge im Februar 1945 eingestürzt. Mit der Wende in der DDR kehrte die Hoffnung der Dresdner auf einen Wiederaufbau zurück. Nachdem ein Jahr lang die Trümmer aus der Ruine geräumt wurden, begann 1994 der Wiederaufbau.

"Werk der Versöhnung"

Bischof Bohl bezeichnete die Kirche in seiner Predigt als "Werk der Versöhnung und Mahnung zum Frieden". "Jeder soll diese Botschaft hören. Sie wird kraftvoll und in leuchtender Schönheit in die Welt gesprochen." Im Kuppelkreuz - einem Geschenk aus England - könne jeder ein großes, anrührendes Werk der Versöhnung sehen. "Auch eine tiefe, lange Zeit blutende Wunde kann geheilt werden. Aus Feindschaft kann eine versöhnte Gemeinschaft erwachsen, die Frieden möglich macht." Im Anschluss an die Weihe begann ein Festakt.

Kosten zu zwei Drittel aus Spenden

Weltweit spendeten rund 600.000 Menschen mehr als 100 Millionen Euro für die Frauenkirche. Damit konnten zwei Drittel der auf 179,7 Millionen Euro bezifferten Gesamtkosten privat finanziert werden.

Die Stiftung Frauenkirche wird nach dem Wiederaufbau des Gotteshauses schuldenfrei sein. Wie der Vorsitzende des Stiftungsrats, Bernhard Walter, mitteilte, stehen noch acht Millionen Euro an öffentlichen Geldern aus. Wenn diese einträfen, sei die Stiftung nicht nur schuldenfrei, sondern habe auch noch Rücklagen, um das Gotteshaus als Eigentümerin unterhalten zu können. Dazu sei die Stiftung für die nächsten 100 Jahre verpflichtet.

An privaten Spenden seien rund 100 Millionen Euro eingegangen, die öffentliche Hand habe 73 Millionen Euro bereitgestellt, sagte Walter. Daran seien der Bund, der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden beteiligt. Anfang der 90er Jahre sei man noch davon ausgegangen, dass zwei Drittel der Gelder aus öffentlichen Kassen kommen würden und ein Drittel von Privatpersonen, hieß es. Dieses Verhältnis habe sich dann umgekehrt. 1995 habe die Dresdner Bank mit dem Vertrieb von "Stifterbriefen" für den Wiederaufbau der Kirche begonnen. Diese Aktion habe 70 Millionen Euro eingebracht, berichtete Walter. Einen solchen Erfolg habe man am Anfang nicht erwartet. "Ohne Gottvertrauen hätten wir den Wiederaufbau noch nicht mal träumen dürfen."

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DPA, AP AP DPA

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