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Kunstausstellung: MoMA endet mit Besucher-Rekord

Es war die Sensation des Kultursommers: Knapp 1,1 Millionen Besucher strömten zur MoMA-Ausstellung nach Berlin. Bis zu zehn Stunden lang warteten die Kunsthungrigen auf Einlass. Doch am Sonntag ist Schluss.

Die Kunstschau mit 200 Werken aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) lockt Menschen aus ganz Europa an. Bis zu zehn Stunden stehen sie Schlange vor der Neuen Nationalgalerie, bei Wind und Wetter, Tag und Nacht, geduldig, hungrig nach Kunst, fast unersättlich. Doch an diesem Sonntag um 22.00 Uhr ist Schluss: Dann geht die Schau nach sieben Monaten zu Ende. Ein Feuerwerk begleitet den Abschied von Hopper und van Gogh, Pollock und Picasso, Matisse und Monet.

Die MoMA-Schau gehört zu den mit Abstand erfolgreichsten Sonderausstellungen in der Hauptstadt und wohl auch weltweit. Noch mehr Neugierige zog in Berlin nur die umstrittene Plastinat-Ausstellung "Körperwelten" mit 1,4 Millionen Besuchern in sieben Monaten an. Auch international dürfte der Erfolg für die MoMA-Schau unerreicht sein: Publikumsmagneten wie etwa die Manet/Velazquez- Präsentation im Metropolitan Museum of Art in New York erreichten im vergangenen Jahr 533.000, die Schau zu Peter dem Großen in der Petersburger Eremitage 450.000 Interessierte.

Rauschender Empfang

Niemand hatte vorausgesehen, dass den Meistern der Moderne in Berlin ein solch rauschender Empfang bereit würde. Naserümpfend hatten Kritiker ein Spektakel auf Kosten der Kunst auf die Stadt zukommen sehen. Und arg ungewiss erschien das Ziel, mit 750.000 Besuchern die erwarteten Kosten von 8,3 Millionen Euro wieder einzuspielen. Doch nach einem zögerlichen Beginn mit kurzen Wartezeiten vor Mies van der Rohes Glasbau gewann die Ausstellung an Fahrt. "Das MoMA ist der Star" - die Plakate im knalligen Pink als Teil einer perfekt inszenierten Werbekampagne sowie begeisterte Presseberichte in aller Welt zeigten Wirkung.

Allmählich wurde die Schlange zum eigentlichen Star - und zum Kunsthappening. Jongleure und Alleinunterhalter verkürzten die Wartezeit mit Animation und Musik, Bekanntschaften wurden geknüpft. Viele der wartenden Menschen hatten noch nie eine Ausstellung besucht. Sie berichteten später von jenen beglückenden Momenten, als sie staunend vor Monets "Seerosen" standen, in Vincent van Goghs "Sternennacht" tauchten oder sich Edward Hoppers Melancholie hingaben.

Sechs Monate nach der Eröffnung hatten bereits eine Million Menschen die Ausstellung gesehen. "Mit einem solchen Anstrum haben wir nie und nimmer gerechnet", sagt Peter Raue. Der umtriebige Anwalt ist Vorsitzender des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie und Motor der Berliner Schau. Früh hatte sich Raue darum bemüht, den MoMA-Umbau in New York zu nutzen und die Werke als Leihgabe in Berlin auszulagern. Raue bekam den Zuschlag, setzte sich gegen Paris und amerikanische Konkurrenten durch.

Einseitiger Kunst-Kanon

Kritik blieb nicht aus. Die MoMA-Präsentation diene nur dazu, das beschädigte deutsch-amerikanische Verhältnis zu kitten, hieß es. Der renommierte Kunsthistoriker Werner Spies sah das starke Gewicht der US-Kunststars der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gar als MoMA- Komplott und "amerikanische Unfehlbarkeits-Erklärung".

Raue betrachtet diese Kritik als "unglaublich polemisch". Die Werk-Auswahl sei ein Kunst-Kanon, wie ihn Marcel Reich-Ranicki für die Literatur aufgestellt habe. "Dass er einseitig ist - damit kann ich leben". Der Schlüssel für den Berliner Erfolg liege woanders, glaubt Raue. Die Menschen wollten MoMA live sehen - "die echten Bilder und Skulpturen hautnah".

Esteban Engel/DPA / DPA