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Kunstausstellung: MoMA knackt die Viertelmillion

Nur sechs Wochen nach der Eröffnung hat die Ausstellung wurde am Karfreitag der 250.000. Besucher begrüßt. Ein Ehepaar aus Schwäbisch Gmünd erhielt freien Eintritt, den Ausstellungskatalog gratis und eine Goldmünze

Begeisterung und Entzücken - das sind wohl die meist gebrauchten Wörter im Zusammenhang mit der Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art in der Berliner Nationalgalerie. Seit Februar ist das MoMA der Anziehungspunkt in der Hauptstadt, und es bricht alle Rekorde. 212 Werke der berühmtesten Maler der Moderne sind bis zum 19. September zu sehen.

Die Viertelmillion ist voll

Nur sechs Wochen nach der Eröffnung hat die Ausstellung wurde am Karfreitag der 250.000. Besucher begrüßt. Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, und Christian Holz als Vertreter des Hauptsponsors Deutsche Bank überraschten in der 300 Meter langen Warteschlange Thomas Kirschner und seine Ehefrau Sandra aus Schwäbisch Gmünd mit der Nachricht, dass sie die Viertelmillion voll machten.

Das Ehepaar erhielt freien Eintritt, den Ausstellungskatalog gratis und eine wertvolle Goldmünze. Außerdem spendierten der Verein der Freunde der Nationalgalerie und ein Berliner Nobel-Hotel ein festliches MoMA-Dinner in einem Restaurant über den Dächern der Hauptstadt.

700.000 Besucher würden die Kosten decken

Überhaupt ist Peter Raue, der das MoMA nach Berlin holte, "überglücklich" mit der Entwicklung. Allen anfänglichen Befürchtungen der Ausstellungsmacher zum Trotz wird die Schau auch ein finanzieller Erfolg. 8,5 Millionen Euro kosteten Ausleihe und Transport der Werke sowie der Druck der Kataloge. Die Versicherungssumme für die "Superstars" der Moderne war seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 unbezahlbar. Deshalb übernahm die Bundesregierung eine Staatsbürgschaft für die Jahrhundertausstellung. 700.000 Besucher, so haben die Ausstellungsmacher kalkuliert, sind notwendig, um die Kosten wieder reinzubekommen. Jetzt peilen die MoMA-Verantwortlichen die Millionen-Grenze an.

Fast jeden Tag ist Raue, der freundlich einfach nur "Mister MoMA" genannt wird, in den Räumen, um sich die Bilder aus New York anzuschauen. Das Schönste sei für ihn, dass die Ausstellung akzeptiert werde, sagt der Rechtsanwalt, der auch Vorsitzender des Vereins der Freunde der Nationalgalerie ist. Vor allem junge Leute gehören zu den Besuchern. "Viele Gruppen kommen aus Osteuropa", fügt Raue hinzu.

Immer schön "floaten"

Die Jugendlichen genießen die Bilder auf ihre eigene Art. So hat sich eine Schülergruppe aus Prag vor den berühmten Seerosen von Claude Monet im Halbdunkeln auf den Boden gesetzt. Einige Jungs liegen vor dem mehr als zwölf Meter breiten Triptychon. Daneben lässt ein älteres Ehepaar auf einem eigens mitgebrachten Klapphocker die Wucht des Gemäldes auf sich wirken. Raue genießt die lockere Atmosphäre in der Ausstellung. "Das ist unser Konzept", betont der Kunstfreund. Die Besucher sollten durch die Schau "floaten" ohne eine Abgrenzung der Räume.

Neben den Seerosen haben die Besucher den berühmten Tanz von Henri Matisse zu ihrem Liebling auserkoren. Das 1909 von dem Expressionisten gemalte Werk fasziniert die Besucher durch seine Dynamik. Auf weithin leuchtendem Blau wiegen sich die Tanzenden in beschwingten rhythmischen Linien. Neben Matisse, der mit 15 Werken in Berlin zu sehen ist, gehören Pablo Picasso, Paul Cezanne, Roy Lichtenstein, Vincent van Gogh und Salvador Dali zu den Stars.

Besucher müssen Geduld mitbringen

Die Ausstellung ist in den ersten sechs Wochen zu einer Institution in Berlin geworden. Weithin sichtbar leuchtet die MoMA-Signalfarbe über den Potsdamer Platz. Der pinkfarbene Ticketcontainer mit der schwarzen Aufschrift gehört genauso wie die geduldig Wartenden zum Stadtbild. Bei Wind und Wetter harren die Besucher am Mies-van-der-Rohe-Bau aus. Rund eine Stunde Geduld müssen sie mitbringen. Nicht mehr als 1.000 Besucher sollten sich auf einmal in den Räumen aufhalten. Zum Schutz der kostbaren Gemälde gelten strenge Vorschriften.

Auf den Besucherandrang zu Ostern haben sich die Verantwortlichen besonders eingestellt. Die Ausstellung hat an allen vier Tagen bis Mitternacht geöffnet. Ein Ticket kostet zwischen fünf und zwölf Euro. VIP-Tickets ermöglichen einen Besuch ohne vorherige Warteschlange. Der Preis beträgt 27 Euro bei vorheriger telefonischer Reservierung.

Susann Kreutzmann/AP / AP / DPA