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30 Jahre nach Atomkatastrophe: Die unheimlichen Geisterstädte um Tschernobyl

Es war eine Katastrophe, die die Welt erschütterte: Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Bis heute ist die Gegend um den Unglücksort schwer strahlenbelastet. Unsere Fotostrecke zeigt eine gespenstige Welt, die einst voller Leben war.

Das Skelett eines Autos steht vor einigen verlassenen Häusern: In dem Dorf Zalissya lebten einst mehrere hundert Menschen - heute liegen die Ruinen der Siedlung im Sperrgebiet um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl. Zalissya ist nur eines von ungefähr 90 Dörfern, die nach der Katastrophe evakuiert wurden.

Das Skelett eines Autos steht vor einigen verlassenen Häusern: In dem Dorf Zalissya lebten einst mehrere hundert Menschen - heute liegen die Ruinen der Siedlung im Sperrgebiet um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl. Zalissya ist nur eines von ungefähr 90 Dörfern, die nach der Katastrophe evakuiert wurden.

In der Nacht zum 26. April 1986, um genau 01.23 Uhr, ereignet sich im Atomkraftwerk von Tschernobyl eine Nuklearkatastrophe von historischen Ausmaßen. Während eines Sicherheitstests explodiert Reaktor 4 der Anlage. Die Detonation wirbelt radioaktive Teilchen in die Luft. Eine Strahlenwolke breitet sich über weite Teile Europas aus. Die radioaktive Strahlung in Tschernobyl war Experten zufolge etwa 500 Mal stärker als nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945. Das Kraftwerkspersonal bekam den Brand lange nicht in den Griff, so kam es damals zur Kernschmelze - ein Super-GAU.

Es war eine menschengemachte Katastrophe, die durch das Verhalten der Behörden noch verschlimmert wurde. Wenn etwas schief ging im Sowjetreich, reagierten die Behörden reflexartig mit Vertuschung. Nichts sollte das Image der Supermacht trüben. Die Behörden in Tschernobyl hielten sich zunächst an diese Praxis. Erst nach anderthalb Tagen wurden die 48.000 Einwohner der nahe gelegenen Stadt Prypjat in Sicherheit gebracht, später mussten alle 116.000 Menschen im Umkreis von 30 Kilometern ihre Häuser verlassen. Alle waren sie zu diesem Zeitpunkt schon massiven Strahlendosen ausgesetzt gewesen. 

Tausende Opfer, Milliarden an Kosten

Beendet ist die Katastrophe längst noch nicht. Noch heute leben fünf Millionen Ukrainer, Russen und Weißrussen in Gebieten mit hoher Strahlenbelastung. Die Zahl der Todesfälle, die langfristig auf die Verstrahlung zurückzuführen sind, ist umstritten. Ein UN-Gutachten rechnete 2005 mit bis zu 4000 Strahlentoten, die Umweltorganisation Greenpeace geht langfristig eher von 100.000 Toten aus.

"Die gewaltigen Mengen Atommüll aus dem Reaktor zu bergen, wird eine zweistellige Milliardensumme kosten", sagte Tobias Münchmeyer von Greenpeace. Die Bundesregierung und ihre G7-Partner müssten die geschwächte Ukraine unterstützen. "Diese Sisyphos-Arbeit muss geleistet werden - obwohl nicht absehbar ist, ob sie je gelingt."

Auch heute noch befinden sich 200 Tonnen Uran in dem Reaktor. Eine dicke Zementhülle ummantelt diesen. Die Hülle droht aber brüchig zu werden. Bis zum kommenden Jahr soll ein neuer 25.000 Tonnen schwerer Stahlmantel fertiggestellt sein, der dann mindestens hundert Jahre hält - so die Hoffnung. Rund 40 Länder tragen zu dem Projekt bei. Einst herrschte in den Städten um Tschernobyl reges Treiben: Es gab Schulen, Schwimmbäder - sogar einen Freizeitpark. Als nach der Katastrophe die Evakuierungen begannen, verließen die Menschen fluchtartig ihre Heimat. Seit dem holt sich die Natur den einstigen Lebensraum der Menschen zurück. Die stern-Fotostrecke zeigt eine Welt, wie sie aussehen würde, wenn der Mensch von heute auf morgen verschwinden würde - in einem Blickwinkel von 360 Grad.

amt / DPA / AFP