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stern-Reporter Volker Hinz: "In Love with Photography"

Kaum ein Fotograf kam den Menschen so nahe wie der stern-Mann Volker Hinz. In seinem Buch "In Love with Photography" zeigt er auch die Gesichter von Kollegen: Prominente und Porträts der besten Fotografen aus fünf Jahrzehnten.

Ein Maskenmann macht ein Selfie

Chuck Close, New York 2012

Von Japanern wird erzählt, dass sie einen seltsamen Glauben an Fotografien haben, der besagt, dass Fotos die Dinge vor dem Verschwinden retten. Deshalb fotografierten Japaner immer alles, was ihnen begegnet, es solle eben nicht verschwinden.

Volker Hinz ist Hamburger, geboren mit Blick auf die Elbe, er lernte mal Elektromechaniker im Flugzeugbau, ging zur Bundeswehr, wo er dank eines Fotografen die feine Technik von Kameras kennenlernte. Das war Mitte der 60er Jahre, und die Kamera und Hinz ließen einander nicht mehr los. Hinz war neugierig, blickhungrig und im besten Sinne frech. So frech, wie man sein muss, wenn man nicht dicht, sondern hinzdicht am Geschehen sein will.

"Ohne Hinz kein Brandt", stöhnte 1971 der Fotograf Hanns Hubmann, weil es auf einem SPD-Parteitag kein Foto des damaligen Kanzlers gab, auf dem Volker Hinz nicht zu sehen war.

1974 kam Hinz zum stern und hat bis 2012 die Bilder gemacht, die den stern ausmachten und den Lesern das Gefühl gaben, immer hinzdicht dabei zu sein, ob von Woody Allens Nase, den Sorgenfalten Willy Brandts oder, jeder kennt das Bild, von den nackten Fußballern Franz Beckenbauer und Pelé unter der Dusche.

Und weil Volker Hinz in diesen vielen Jahren so unglaublich viele solcher Momente gerettet hat und fast alle großen Fotografen, die das auch tun und taten, getroffen und selbstverständlich hinzdicht fotografiert hat, hat er nun ein Buch mit 371 Bildern daraus gemacht. Hinz nennt es innig "In Love with Photography".

Es zeigt neben Hinz’ Bildern berühmter Menschen vor allem eine nie dagewesene Porträtsammlung weltbekannter Fotografen. Helmut Newton, Andy Warhol, David LaChapelle, André Kertész, Annie Leibovitz und die Legende Alfred Eisenstaedt, sie alle sind dabei.

Volker Hinz ist kein Bildersammler, wie die Japaner es sind, sondern ein Bildersucher, einer, der das Detail wittert. Als er einmal Claudia Schiffer fotografierte, dachte man, er sei fertig und schaue nur so durch seine Kamera, die auf den Boden gerichtet war. Nein, er fotografierte unbemerkt Schiffers Füße.

Und als sich einmal in Paris alle Fotografen vor dem großen Yves Saint Laurent aufbauten, blieb Hinz dicht hinter dem Meister und fotografierte die im Rücken verkrampften Hände Saint Laurents, die eine Zigarette hielten.

"In Love with Photography" ist nicht Hinz’ Lebenswerk, dazu ist er immer noch zu wach und zu frech. Das Buch ist vielmehr eine Lehrstunde darüber, was der große Henri Cartier-Bresson einmal forderte: "Jeder von uns braucht Samthandschuhe und Falkenaugen." Denn nur Falkenaugen finden Bilder, wo man sie nicht vermutet. So könnte jeder auch mit einem Smartphone ein bisschen Volker Hinz werden. Schön wär’s.

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  • Jochen Siemens