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Anständige Fleischesserin: Würden Sie für Essen töten? Diese Frau aß ein Jahr nur Fleisch von Tieren, die sie selbst erlegte

Die Britin Louise Gray hat Kaninchen, Fasane und einen Hirsch erlegt. Ein Jahr aß sie nur das Fleisch von Tieren, die sie selbst getötet hat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben, das jeder Fleischesser lesen sollte.

Diese Frau aß ein Jahr nur Fleisch von Tieren, die sie selbst erlegte

Diesen Hirsch hat die Britin Louise Gray selbst erlegt

Wie würde Ihr Speiseplan aussehen, wenn Sie das Tier für den Fleischgenuss selbst töten müssten? Diese Frage hat die britische Umweltreporterin Louise Gray so sehr beschäftigt, dass sie es ausprobierte: Tierische Produkte kamen für sie zwei Jahre lang nur dann auf den Teller, wenn sie das Tier selber gejagt, gefangen und getötet hat. 

Gray ist Tochter eines Farmers, gejagt hatte sie aber nie zuvor. In 730 Tagen tötete und verspeiste sie 21 verschiedene Spezies vom Land und aus dem Meer. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Buch "Richtig Tiere essen?!", das bereits vor einigen Monaten erschienen ist, verewigt. Trotzdem ist ihre Botschaft so präsent wie noch nie: Wer Fleisch isst, sollte sich bewusst machen, wie die Tiere auf seinem Teller landeten.

Alles begann mit einem missglückten Versuch, ein Kaninchen zu töten. Das Tier war verletzt und flüchtete in die Wildnis. Es dauerte einige Zeit bis die Reporterin das leidende Tier fand und es töten konnte. Gray war davon so traumatisiert, dass sie ihren Selbstversuch fast abbrach. Ein Jäger aber erklärte ihr, welche Fehler sie gemacht hat und wie man ein Tier richtig tötet. Sie machte weiter, mit dem Ziel eine engere Verbindung zum Tier aufzubauen, dessen Fleisch sie aß. Gray selbst beschrieb sich als "blinden Omnivor", also jemand der Fleisch isst, aber nicht darüber nachdenkt. Das änderte sich just, als sie ihre ersten Tiere erlegte. Zuerst erntete sie Austern und angelte Fisch, später erlegte sie Tauben und Kaninchen. Schließlich schoss sie einen Hirsch. 

Beim Entfernen der Plastikfolie ist das Schein noch blass und unscheinbar, aber dann ...

Louise Gray aß erstaunlich wenig Fleisch

Während ihres Experiments "Wie ich ein Jahr lang nur Fleisch von Tieren aß, die ich selbst tötete" isst Gray erstaunlich wenig Fleisch. Auf der Liste, die im Buch abgedruckt ist, stehen ein Dutzend Muscheln, ein paar Krebse, eine Taube, drei Fasane, ein halbes Schwein und ein Hirsch. Eine Liste wie diese könnte wohl niemand anfertigen, der sein Fleisch aus dem Supermarkt bezieht.

Richtig Tiere essen?! Wie ich ein Jahr lang nur Fleisch von Tieren aß, die ich selbst tötete. Von Louise Gray. Edel-Verlag. 352 Seiten. 19,95 Euro.

Richtig Tiere essen?! Wie ich ein Jahr lang nur Fleisch von Tieren aß, die ich selbst tötete. Von Louise Gray. Edel-Verlag. 352 Seiten. 19,95 Euro.

Obwohl Gray Fleisch genauso konsumiert, wie es ein jeder Fleischesser nachahmen sollte, fühlt sie Schuld. "Das erste Mal fühlte ich mich schuldig", erzählte sie der "Dailymail". "Das Gefühl ging nie weg, aber ich akzeptierte es. Wenn man Fleisch isst, ist ein Tier gestorben und ich würde behaupten, dass man dafür Verantwortung übernehmen sollte. (...) Das Töten eines Tieres war für mich nie etwas Selbstverständliches. Ich fühle immer die Verantwortung dafür, was ich tue. Ich versuchte so human wie möglich zu sein und verwendete alle Teilstücke des Fleisches. Ich glaube, wenn mehr Menschen verstehen würden, woher Fleisch kommt, würden sie Tiere mehr schätzen und Fleisch eher als Genuss- und nicht als Grundnahrungsmittel ansehen." 

Einst besuchte Gray ein Schlachthaus. Sie schwor sich danach, nie wieder Fleisch aus diesen Häuser zu essen. In ihrem Buch schreibt sie aber auch darüber, wie es ist, ein Huhn zu töten, zu rupfen und es auszunehmen. Aber auch über den Genuss, den ihr das Huhn bereitet: "Letzten Endes lohnt sich die Mühe. Meine Freunde sind begeistert, wie aromatisch das gebratene Huhn schmeckt. Die Haut ist knusprig, das braune Fleisch saftig." Sie schließt mit den Worten: "Ich esse dieses erstaunliche Tier langsam und voller Demut." In ihrem Buch fordert sie übrigens niemanden dazu auf, so zu leben, wie sie selbst es tut, aber sich über den Konsum von Fleisch bewusst zu sein. In Nachwort schreibt Gray: "Ich mache Fehler, bin gefrässig und inkonsequent, aber ich bleibe dran. Das ist für mich der Kern dessen, was es heißt, eine anständige Fleischesserin zu sein. 

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