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Gutes aus dem Küchengarten Der Küchengarten des Herrn Haydn

Gutes aus dem Küchengarten: Der Küchengarten des Herrn Haydn

Schon in historischer Zeit gab es in den Städten eigene Gärten zur Versorgung mit Gemüse und Kräutern. Also eine Art Urban Gardening, um Lebensmittel für die Bewohner zu ziehen. Über einen solchen Nutzgarten verfügte der Komponist Josef Haydn in Wien.

Eine Darstellung des Haydnhauses aus dem Jahr 1840 zeigt deutlich den Blick durch die Tor-Einfahrt des Hauses auf einen Garten. Dieser bürgerliche Haus- und Ziergarten diente wohl der Selbstversorgung. Denn:

der sogenannte Kuchelgarten ist jener, dessen Erdboden … mit allen Sorten zur Küche dienlichen Gewächsen, Kräutern und zur Zierde mit Blumen angepflanzet, und auch in den Rabatten, und an den Wänden oder Mauern mit niedrigen Spalierbäumen angesetzet und ausgezieret worden.“...ist (so die Beschreibung eines "altdeutschen Gartens" von J. Th. Colin, 1802, zitiert nach der Schautafel im Haydngarten, Wien.)

Gutes aus dem Küchengarten: Haydn-Haus um 1840. Durch das Tor sieht man einen Garten. Quelle: Wikipedia.
Haydn-Haus um 1840. Durch das Tor sieht man einen Garten. Quelle: Wikipedia.

Diese Tafel am heutigen neu gestalteten Haydngarten in der Haydngasse 19 in Wien (Nähe Hauptbahnhof) weist ausdrücklich auf dessen damalige Funktion als Küchengarten hin.

Heute ist jedoch der Haydngarten eine rekonstruierte Annäherung an den bürgerlichen Hausgarten des beginnenden 19. Jahrhunderts. Dessen Grundriss orientiert sich an einem Katasterplan von 1829, der das Grundstück mit symmetrischem Wegkreuz darstellt.

Der Begriff "Kuchelgarten" fällt auf, als österreichisches Wort für "Küchengarten" in einem städtischen Raum. Außerhalb der Städte sprach man ja vom Bauerngarten, der sich aber selbst wieder an der viergeteilten Symmetrie des Klostergartens mit Wegkreuz orientiert. Hat dieser sich vom städtischen Kuchelgarten des 19. Jahrhunderts inspirieren lassen? Hinweise dazu fand ich noch nicht. Finde aber die Frage interessant, ob schon in historischer Zeit städtische Küchengärten das Aussehen und die Anlage von Haus- und Bauerngärten am Land beeinflusst haben könnten.

Zurück nach Wien. Heute zeigt sich der Haydngarten als Ziergarten mit im 19. Jahrhundert dafür typischen Pflanzen wie alten Rosen und Geißblatt. Er ist öffentlich zugänglich und kann mit einem Besuch der Ausstellung im Wohnhaus Haydns verbunden werden.

Ich wurde von der Musikwissenschafterin Susanne Wosnitzka auf den Haydngarten in Wien aufmerksam gemacht. Sie stellte mir auch ihre Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung und eine kleine Geschichte zum Garten selbst. So besaß Haydn einen Graupapagei, den er in London geschenkt bekam. Der Papagei wohnte in einem Käfig im Kuchelgarten in Wien und soll die Nachbarschaft mit Sprüchen und Geschrei unterhalten und manchmal auch gegen sich aufgebracht, genervt haben.

Vielen Dank, Susanne für Info und Fotos!


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