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Gutes aus dem Küchengarten: Ein Garten-Tagebuch führen

Wer seinen Ertrag im Garten steigern möchte, sollte seine Erfahrungen in einem Notizbuch festhalten. Angelika Wohofsky erklärt, was darin stehen sollte.

Wer seinen Garten ertragreich bewirtschaften will, ist gut daran gelegen, ein Garten-Tagebuch zu führen.

Ein solches Tagebuch ist nichts anderes als ein Heft oder kleines Büchlein, in dem Aufzeichnungen getätigt werden, was, wo und wann im Küchengarten gewachsen ist. Man kann beispielsweise nicht jedes Jahr an der gleichen Stelle Bohnen oder Erbsen setzen. Und nicht jedes Gemüse verträgt einen nährstoffreichen Boden.

Ich führe für jedes Gartenjahr ein solchesGarten-Tagebuch. Auf diese Weise lassen sich mit den Jahren Erfahrungen sammeln und Vergleichswerte gewinnen.

Wer in einem Gemeinschaftsgarten seinen Küchengarten bewirtschaftet, der ist ebenfalls gut beraten, ein solches Tagebuch zu führen. Man merkt es sich nämlich nicht, was vor zwei oder drei Jahren am Beet stand.

Um den Ertrag zu sichern, sind derartige Aufzeichnungen ein "Must". Denn nur so kann die Fruchtfolge gezielt eingehalten werden. Fruchtfolge bedeutet, dass man zwischen Stark- und Schwachzehrern unterscheidet. Und nur jene Gemüse in Folge setzt, die auch einander vertragen.

Ich führe mein Garten-Tagebuch auf folgende Weise. Es enthälteinenPflanzplan, was ich in welchem Jahr an welcher Stelle im Küchengarten gesetzt habe. Alles, was ich in Kübeln oder Töpfen setze (beispielsweise Tomaten, Paprika,...) verzeichne ich nicht. Weil diese Erde, die im Herbst nur noch aus Wurzeln besteht, sowieso kompostiert und dann in Beeten im Folgejahr ausgebracht wird.

Dann werden Aufzeichnungen geführt, von welchen Pflanzen ich Samen gewonnen habe. Diese werden mit Bemerkungen über die Qualitätder Pflanzen, von denen der Samen stammt, ergänzt. Beispielsweise werde ich in diesem Jahr vermerken, dass die Tomatensorte "Sibirische Frühe" kleinere Früchte hervorbrachte als dies noch 2013 der Fall war. Das liegt am sehr kühlen und nassen Sommer.

Diese Informationen dienen dann der Weiterzucht. Weil ich immer mehr Saatgut nehme, als ich für den Eigenbedarf im Folgejahr zur Anzucht von Jungpflanzen verwenden werde. So lege ich mir quasi eine Art Saatgut-Bank an. Denn Samen halten sich jahrelang bei sachgerechter und trockener Lagerung. Aktuell habe ich noch Tomatensamen aus dem Vorjahr, und Samen von Chilis, Hokaidokürbis und Salat.

Dann beschreibe ich in meinem Garten-Tagebuch das Wetter. Die Wetterbedingungen halte ich für wichtig, um Informationen über die Rahmenbedingungen meines Saatgutes und Ertrages zu gewinnen. Ein nasses, kühles Jahr wird entsprechend andere Samenqualität hervorbringen als ein trockenes und sehr warmes Jahr. Außerdem ist jeder Gartenstandort ein anderer, ein individueller. Küchengärtner tun gut daran, sich ein Erfahrungswissen um ihren Garten über die Jahre hinweg anzueignen und dieses schriftlich auch festzuhalten.

In der Praxis sieht das so aus: Habe ich beispielsweise Tomatensamen aus einem nassen kühlen Jahr, in dem die Früchte eher klein gerieten. Und verfüge ich in meiner Saatgut-Bank aber auch über Samen aus Jahren, mit sehr großen Früchten, dann ziehe ich im Folgejahr aus beiden Samen-Jahren Jungpflanzen heran. So kann ich einen möglichen Ausfall vermeiden. Wie es mir mit solch einem Mix dann in der Praxis geht, verzeichne ich wieder im Garten-Tagebuch. Man sieht, man muss probieren und seine eigenen Erfahrungen tätigen.

Dann führe ich Aufzeichnungen, was in einem Gartenjahr besondersgut gewachsen ist, womit ich Schwierigkeiten hatte und wo ich Ausfälle verzeichnete. Auf diese Art komme ich auch zu einer Liste der Gemüse und Sorten, die ich anbaute und zu einer Auflistung des Ertrages. Woher ich das Saatgut dazu hatte, wird ebenfalls vermerkt, die Originalverpackungen, wenn ich solches zukaufte, werden aufgehoben und dem Garten-Tagebuch beigegeben. Auf diese Weise erfahre ich, was wächst und welches Saatgut sein Geld wert ist bzw. auch was mein eigenes, selbst gezogenes Saatgut wert ist.

Als Draufgabe verzeichne ich noch Besonderheiten, was mir während des Gartenjahres aufgefallen war. Auch besondere Termine von Pflanzenmärkten können eingetragen und zum Jahreswechsel ins neue Garten-Tagebuch übertragen werden. Um Termine zu planen und auf wichtige Tauschmärkte und Ereignisse nicht zu vergessen.

Solche Informationen sind besonders wertvoll, weil ein guter Küchengärtner nicht vom Himmel fällt. Es macht die jahrelange Erfahrung die Essenz seines Wissens aus, wie sein oder ihr Garten beisammen ist. Ein Bekannter meinte unlängst auf Facebook, das 21. Jahrhundert werde wohl das am schlechtesten dokumentierte Jahrhundert der Geschichte werden. Weil die gedruckten Bücher fehlen. Wenn wir digitale Informationen nicht mehr einlesen können, weil sie auf veralteten Systemen gespeichert wurden, dann geht damit auch Wissen verloren. Also schreiben, Papier, Tagebuch führen! Ich muss nicht erwähnen, dass mir eine solche Aussage mehr als recht ist.

Küchengarteln baut auf beobachten, Daten sammeln und Erfahrungen anwenden auf. So entwickelt man seinen eigenen Stil jährlich weiter. Und man bekommt viel Erfahrung im Umgang mit dem Platz, an dem gegartelt wird. Jeder Küchengarten ist schließlich ein ganz individuelles Stück Land, mit ganz eigenen kleinklimatischen Rahmenbedingungen und Bodenverhältnissen. Je mehr man sich darüber Erfahrungswissen aneignet, es aufzeichnet, umso leichter wird einem das Küchengarteln fallen.