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Gutes aus dem Küchengarten: Statt Neukauf einfach neu verwenden

Die vergangenen Tage habe ich mich in fremden Küchengärten herumgetrieben. Und war dabei mehrheitlich bei Frauen zu Gast. Garteln Frauen also anders als Männer? Geht das Gemüsegarteln eher Frauen etwas an, derweil Männer das Grün zum Fußballrasen trimmen und den 70 Quadratmeter-Kinderspielplatz designen?

Frauen-Gärten sehen anders aus. Sie zeigen viel Improvisationsgeschick und Kreativität. Männer würden an solchen Plätzen, neben eines Siedlungshauses am Rand eines Baches mit Lehmboden, wohl kaum zu garteln beginnen – ich unterstelle euch das jetzt mal pauschal. Weil einen Lehmboden mühsam in Beete verwandeln, wenn nichts anderes da ist als Grasschnitt rund ums Siedlungshaus zum Mulchen. Ich denke, das tut sich kaum ein Mann an. Der fährt lieber in den Baumarkt und kauft sich ein Hochbeet, füllt es mit ein paar Säcken gekaufter Erde und Ende an der Fahnenstange.

Oder der Grund, dass sich meist Frauen diese Heidenarbeit antun, ist, sie verfügen über weniger finanzielle Mittel, sich schöne superteure Hochbeete oder den Designer-Hühnerstall zu kaufen. Rund ums Urban Gardening entsteht ja bereits eine eigene Industrie mit vielen Produkten, die an unserem Konsumverhalten nichts ändern. Wir verbrauchen weiterhin enorme Mengen an Ressourcen, das Business geht weiter, wie gehabt. Es ist jetzt einfach nur gartlerisch grün geworden. Frauen mit ihren geringeren Einkommen können dabei nicht mithalten. Sie müssen sich Strategien überlegen, wie sie trotzdem einen Küchengarten gut bestellen können. Diese Strategien liegen in einer Neuverwendung der bestehenden, bereits produzierten Dinge, im Erfahrungswissen wie der Selbstvermehrung des Saatgutes und alter gärtnerischer Kulturtechniken. Frei vom Einsatz der Waren, die jetzt beinahe jeder Baumarkt unter dem Titel "Urban Gardening" führt.

Diese Gärten der Frauen sind nicht groß, haben in vielen Fällen maximal 100 Quadratmeter Fläche und doch wächst in ihnen alles, was die Küche benötigt. Wir fanden sogar noch Kohl vom Vorjahr, der super überwintert hat und jetzt noch in der Küche Verwendung findet. Und wir pflückten frisches Ruccola-Grün, Löwenzahn- und Gänseblümchen-Blüten für den Salat bei meinen Rundgängen mit den Gastgeberinnen. Gärten in Frauenhand sehen einfach anders aus. Sie sind ein Abbild an Improvisationsgeschick und Kreativität. Das ist meine Erkenntnis dieser Besichtigungen.

Auch bei einem Permakulturisten-Paar war ich zu Gast. Er meinte: Die Permakultur käme wohl eher von den Frauen, entspräche ihnen mehr, weil er als Mann lieber das Material kauft, das er für den Garten benötigt. Das habe er so drin, dieses alte Verhaltensmuster: Planen- Einkaufen-Bauen. Aha, bestätigt sich hier also mein Verdacht von oben? Männergärten = Heimwerker-König. Frauengärten = Improvisationsgeschick.

Das könnte wohl so sein, wenn der Hühnerstall aus Paletten und Plexiglas, Altholz und ausrangierten Luftmatrazen besteht. Da las ich doch unlängst dazu etwas bei Sommer/Welzer in "Transformationsdesign": Eine ökologische Wende herbeizuführen gelänge nur, wenn wir dem Bestehenden eine Neunutzung zuweisen. Damit verbrauchen wir weniger und geben den Dingen einen weiteren Nutzen, einen Neuwert, erhöhen ihre Wertigkeit. Das wäre Transformationsdesign pur, so die beiden Autoren. Die Luftmatraze neu ist dann die Wärmedämmung im Hühnerstall. Die Baupalette neu der Bodenrost für Hühner. Das Plexiglas-Teil für Terassenabdeckung neu dann die Wand des Hühnerstalls. Sind Frauengärten also ein Ausdruck nachhaltigen Transformationsdesigns?

Wieder in einem anderen Garten wird Schwemmholz verwendet. Als Sichtschutz zur Straße hin, an dem sich allerlei rankendes Grün klammert. Und Flusssteine begrenzen die Beete. Die Steine kommen aus einer nahen Klamm. Das Schwemmholz vom Fluss im Tal. Richtig! Dieser Garten gehört auch einer Frau. Selbst der Rosenbogen ist für Stangenbohnen als Rankgerüst vorgesehen. Rosenbogen neu = Stangebohnen-Bogen. Das ist Transformationsdesign!

Also liebe Frauen, die ihr eure Küchengärten bewirtschaftet. Seid kreativ und gebt den Dingen eine Neuverwendung. Ihr seid damit ganz nah am Puls der Zeit.

Wer mehr über das Thema des ökologischen Wandels lesen will, wird mit dem oben zitierten Buch gut bedient sein. Mir hat es jedenfalls gefallen, da es zeigt, wir müssen Konkretes tun, statt zu jammern, zu demonstrieren oder laut unseren Unmut äußern. Wir müssen anpacken, bei uns selbst in unseren möglichen Rahmen. Wir müssen aus dem was machen, was bereits produziert ist und uns zur Verfügung steht. Ihr findet "Transformationsdesign. Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Moderne" unter diesem Link.

Übrigens: Ich höre hier auf. Die Inhalte hier werden auf ein Blog übersiedeln, die Informationen rund ums Küchengarteln mit Links, Ansprechpartner, Hintergrundinfos,... gehen auf gutesausdemkuechengarten.com weiter. Ab 1 April ist dieses Blog hier offline. Alle hier veröffentlichten Artikel ziehen ebenfalls um auf www.gutesausdemkuechengarten.wordpress.com. Und können dort dann nachgelesen werden.

  • Angelika Wohofsky
    Angelika Wohofsky