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Gutes aus dem Küchengarten: Tomaten im Sack, Salat in der Flasche

Regentonnen, Saftkartons und Flaschen sind die neuen Gartenbeete. Was in der Stadt als urbanes Gärtnern schon lange bekannt ist, ist ein echter Hingucker auf dem Land. Angelika Wohofsky macht es vor.

Kennen Sie die Permakultur-Prinzipien? Eines dieser Prinzipien besagt, das zu verwenden, was vorhanden ist. Also aus einer alten Regentonne ein Hochbeet basteln, Eierkartons zum Anziehen von Gemüsepflanzen verwenden, Zucchini in Säcken ziehen oder Salat in Getränkekartons. Ich habe für meinen Küchengarten ein paar dieser Varianten ausprobiert. Hier die Ergebnisse, gepaart mit ein paar persönlichen Gedanken zum Thema Küchengärtnern:

Seit 2011 vereinfache ich mein Leben. Dazu gehört auch, meine laufenden Kosten kreativer zu bestreiten. Beispielsweise wohne ich zur Miete, suche mir diesen Platz auch dahingehend aus, ob ich einen Küchengarten anlegen kann und ein wenig Grün um mich herum habe. So geschehen 2012, als ich ein kleines Häuschen mieten durfte. Mit eingeschlossen war die Nutzung des Gartens. Einzige Bedingung: Bei Auszug musste alles wieder so hergestellt sein, wie ich es vorgefunden hatte. Also fiel die Idee, ein Hochbeet anzulegen, diesmal weg. Dafür musste ich mobile Gartenelemente finden, die im Herbst leicht entfernt werden konnten, denn ich wollte und durfte dort nur ein Jahr bleiben. Der Beginn meines Topf-Sack-Flaschen-Kübelgartens war gelegt.

1.) In Getränkekartons, denen der Boden entfernt wird, und in die man zuunterst eine Tonscherbe legt, danach mit Erde aufgefüllt, lässt sich gut Salat ziehen. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Halbschatten ist bestens für Salat.

Säcke, Kübel, Kisten... Foto: AWohofsky

2.) Salate, Tomaten, Rote Bete etc. lassen sich auch in Säcken ziehen. Ich habe die Säcke, in die Gartenerde verpackt war, verwendet - wieder zuunterst mit Tonscherben gefüllt als eine Art Drainage, darauf dann Erde. Seitlich in die Säcke bohrte ich Löcher, und steckte dort Rote Beete Pflanzen hinein, welche sich nach zwei Tagen aufrichteten und anwuchsen. Ja, das hat funktioniert und ich erntete ein paar schöne Exemplare im Herbst. Zu den Säcken muss ich aber anmerken: Reissäcke funktionieren besser, heizen sich weniger auf und erzeugen ein besseres Kleinklima für die Pflanze.

3.) Aus dem Vertikalen Gärtnern entlehnte ich die Idee, Erdbeeren in Flaschen zu ziehen. Auch das gelang. Ich hatte bis in den August hinein immer ein paar Stück fürs Müsli in der Früh oder mal zum Naschen zwischendurch. Auch hier muss darauf geachtet werden, wie bei den Getränkekartons, dass der Schraubverschluss leicht geöffnet bleibt, um Staunässe zu vermeiden. Heute würde ich aber Erdbeeren in große Töpfe setzen. Der Ertrag ist einfach besser.

Erdbeeren in Flaschen. Foto: AWohofsky

4.) Beim Küchengärtnern stellt sich einem immer wieder die Herausforderung: Was tun mit den Tiefwurzlern. Man kommt also um ein paar tiefe Topf- und Kisteneinheiten nicht herum. Will man Kohlarten oder auch das Liebstöckel (eines meiner Lieblingskräuter in der Küche) anbauen. Also nahm ich eine Regentonne, die leck geschlagen war, und teilte sie in der Mitte zu zwei Ringen. Der Boden der Regentonne wurde gänzlich entfernt. Fertig waren zwei halb Meter hohe Beetringe, in denen ebensolche Tiefwurzler gezogen werden. Die Konstruktion findet sich hier. Diese "Hochbeet"-Variante befindet sich an meinem aktuellen Wohnplatz, in einer Siedlung am Rand der Bezirksstadt Liezen in der Steiermark in Österreich.

Vielleicht werden sich manche Leser hier wundern, weshalb ich übers Küchengärtnern auf Balkon, Terrasse und minimalem Gartenanteil schreibe. Weil ich nicht in einer Großstadt lebe. Antwort: Im semi-ländlichen Raum fällt diese Garten-Art immens auf. Viele Menschen am Land haben nämlich in der Vergangenheit die Kultur des Küchengärtnerns verlassen, pflegen einen Rasen, der wöchentlich streng nach Plan gemäht wird und schnipseln im Ziergarten alles weg, was einer geradlinigen Gestaltung im Weg steht. Wenn ein Garten, dann als Hochbeet, schön ordentlich zusammengeräumt oder die Kräuterspirale, die als dekoratives Gartenelement einen Blickfang darstellen soll. Aber kreativ und individuell Gunstlagen nützen, das sehe ich hier kaum, wohl aber in den größeren Städten.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig ländliche Bevölkerung übers Gärtnern weiß. Wer in der Stadt lebt, hat zumeist mehr Kenntnisse, wie Pflanzen gezogen werden und was es alles an guten alten Sorten gibt. Gerade gestern besuchte ich eine Saatgut-Börse hier in der Region - mitten in der so genannten Pampa, am Land. Da wurden Saatkartoffel angeboten, so mickrig und klein, dass ich die niemals zum Setzen verwenden würde! Man nimmt nämlich immer die starken und schönsten Exemplare zur Saatgutgewinnung. Ist dieses Wissen völlig verloren gegangen? Das hat mich gestern sehr irritiert. Auch, was ich beobachtete. Die Leute kauften Kraut (Weißkohl), Kopfsalat und Radieschen. Alte schmackhafte Sorten werden gar nicht bemerkt, auch wenn sie angeboten sind. Frei wohl nach dem Motto: "Was der Bauer nicht kennt....".

Die Veränderung in unserer Gartenkultur wird von den Städten ausgehen. Denn dort sitzen Menschen, die sich Gedanken über Artenvielfalt, Saatgutverordnung und selbst gezogenes Gemüse in Küchengärten und Gemeinschaftsgärten machen. Kaum eine ländliche Gemeinde, die per Gemeinderatsbeschluss einen öffentlichen Gemeinschaftsgarten plant. Nein, es sind die Stadtverwaltungen, welche Flächen für Permakultur ausweisen und öffentlichen Parkraum in einen essbaren, für alle zugänglichen Garten verwandeln helfen. Deutsche Bespiele: Andernach, Berlin, Kassel und jetzt auch München.

Mit diesen Gedanken wünsche ich einen guten Wochenstart, und im nächsten Beitrag erfahren Sie mehr über Blumen, die man essen kann.