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Gutes aus dem Küchengarten: Wenn einem das Gemüse um die Ohren schießt

Jeder Küchengarten ist vom Wetter abhängig. Was tun also, wenn es laufend regnet, es warm und schwül ist und manche Gemüse nicht so wachsen, wie erwartet?

Jeder Küchengarten ist vom Wetter abhängig. Was tun also, wenn es laufend regnet, es warm und schwül ist und manche Gemüse nicht so wachsen, wie erwartet.

Beispielsweise schießt Salat aus, bildet einen Blütentrieb, wenn es zu warm und feucht ist. Oder Fenchel hat keine Knollen gebildet, weil er zu früh im Jahr gesetzt wurde. Vor allem dieses Gemüse neigt zu solchem Verhalten, der bei zunehmenden Tageslängen Blütentriebe schiebt, statt Knollen zu bilden. Am besten, man setzt ihn im Freiland erst nach der Sommersonnenwende, also nach dem 21. Juni. Dann geht seine Kraft in die Knolle, weil die Tage kürzer werden.

Auch ich habe das heuer übersehen, und den Fenchel zum Schoßen und Blühen motiviert. In meiner Garteneuphorie. Was tut man also, wenn einem das Gemüse über die Ohren wächst? Hier ein paar Vorschläge:

FENCHEL – Die zarten jungen Seiten-Triebe kann man als Fenchelgrün in Suppen, Salaten, zu Kartoffeln etc. verwenden. Ich nehme dabei den ganzen Trieb, mitsamt dem Grün. Beim Schneiden der Fencheltriebe zeigt sich sofort, ob sie holzig oder zart sind.

Zarte Triebe werden verwendet in Kartoffelsuppe, grünem oder gemischtem Salat, Kartoffelsalat, Krautsalat, Gemüsesuppen usw. Später ernte ich die Samen des Fenchels. Die verwende ich als Gewürz im Brot oder auch im Kräutersalz.

BLATTSALAT – Schießt der Salat aus, dann ernte ich nur noch die seitlichen Blätter. Verwende sie wie Salat. Ich lasse aber die Pflanze in der Erde. Denn sie schiebt seitlich immer neue Salatblätter nach. Auf diese Art habe ich zum Beispiel immer noch Forellenschluss-Salat, den ich im zeitigen Frühjahr in den Trog am Fensterbrett gesetzt hatte. Jetzt sind diese Handvoll Pflanzen zu Forellenschluss-Bäumen herangewachsen und schieben seitlich an ihrem Stamm laufend junge Blätter nach.

ZUCCHINI – Schnell hat man sie übersehen. Die Zucchini wachsen bei entsprechender Witterung explosionsartig. Da passiert es leicht, dass man beim Ernten einen unentdeckten Super-Zucchini zwischen den Stauden findet. Was also tun, mit diesem Monster? Man kann ihn füllen (mit Hackfleisch oder Reis) und im Rohr braten. Und die ganze Familie dazu einladen. Oder große Scheiben auf den Grill legen.

Zucchini lässt sich auch gut in Scheiben geschnitten einfrieren. Ohne sie zu blanchieren. Derart konservierte Monsterzucchini bilden dann die Basis für eine Zucchinisoße oder -suppe. Man kann die gefrorenen Scheiben aber auch zu Pastasoße geben. Der Geschmack bleibt erhalten.

TOMATEN – Üppige Ernten werden eingekocht. Zu selbst gemachtem Tomatenpürree. Oder man teilt mittelgroße Tomaten in der Hälfte und trocknet sie im Backrohr. Legt diese dann in Olivenöl ein und verschließt die Gläser, welche kühl gelagert werden. Getrocknete Tomaten können aber auch im Papiersack oder einem Glas an einem kühlen Ort aufbewahrt werden.

MANGOLD – Aktuell habe ich drei Mangoldbäume bei mir im Küchengarten stehen. Die Blätter, die immer wieder seitlich nachwachsen, werden laufend geerntet und auch als Salat verwendet (ebenso wie ganz junger Spinat). Wird der Nachwuchs einem zuviel, friert man ihn, blanchiert, ein. Portionsweise kann dann "Mangold-Eis" in der Küche verwendet werden.

Blüten trocknen. Auch Rosen und Borretsch passen getrocknet ins Salz oder in den Tee. Foto: Wohofsky-Images

KRÄUTER - Wer jetzt eine große Kräuterernte bereits einfahren kann, soll dies schleunigst tun. Dann haben diese Kräuterpflanzen noch Zeit, eine zweite Ernte zu schieben.

Kräuter werden getrocknet, im Schatten oder lichten Schatten. Also unter Dach, nicht in der prallen Sonne; oder auch im Trockenapparat (Backrohr heißluft auf 40 Grad). Welche Kräuter betrifft das jetzt? Pfefferminze, Salbei, Bohnenkraut, Basilikum, Oregano, Thymian, aber auch Dill und Petersilie können jetzt zum Trocknen geerntet werden. So gibt es dann im Herbst noch eine zweite Ernte. Tipp: Aus Minzen jetzt Sirup herstellen, in toller Durstlöscher mit Mineralwasser aufgespritzt.

Liebstöckel friere ich im Ganzen ein und schneide ihn jetzt ordentlich zurück. Er schiebt dann noch einmal bis in den Herbst hinein an. Der Geschmack bleibt beim Frieren besser erhalten als beim Trocknen. Gleich verarbeite ich Schnittlauch. Auch ihn friere ich im Ganzen ein und schneide dann vom Schnittlauchbündel feine Röllchen portionsweise ab. So bleibt das Aroma besser erhalten.

BLÜTEN – Sie werden permanent geerntet. Blühende Pflanzen haben ja zum Ziel, Blüten und dann Samenstände hervorzubringen. Wenn also Blüten permanent geerntet werden, hat man auch über den gesamten Sommer hinweg diese zur Verfügung. Beispiele dafür sind: Kapuzinerkresse, Zucchiniblüten, Borretsch und Rosen (kommen bei mir ins Kräutersalz), Ringelblumen (für Tee).

Zucchiniblüten (die männlichen!) landen bei mir über den gesamten Sommer gebacken in Teig oder nur durch ein geschlagenes Ei gezogen und in Fett herausgebacken als Vorspeise oder Zuspeise am Teller.

Ein paar Blütenstände meiner Ringelblumen lasse ich ausblühen und Samenstände entwickeln. So habe ich selbst gezogenes Saatgut fürs kommende Jahr. Diese Samenstände lasse ich auch bei Kapuzinerkresse ausreifen. Selbst ist die Frau, was die Vermehrung angeht.