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Gutes aus dem Küchengarten Wieder mal ein Buch: „Die Wiederkehr der Gärten“


Es gibt so tolle Bücher über Subsistenzwirtschaft und das Gute Leben. Es gibt noch viel mehr an tollen Frauen, die als Soziologinnen, Agrarwissenschaftlerinnen, Landschaftsplanerinnen, Ökonominnen und Ökologinnen in diese Richtung forschen. Es gibt aber leider immer noch die Dominanz der Herren, welche sich über Subsistenz und drohende ökologische und soziale Krisen hinwegsetzen oder sich selbst als eine Art Retter dieser Probleme öffentlich ins Rampenlicht stellen und dort feiern lassen.

Kein Wunder also, wenn einem das Buch "Die Wiederkehr der Gärten" nur nebenbei in die Hände fällt. Weil man selbst lernte, den Blick auf Männer zu richten, die zu den Themen Subsistenz und Soziales scheinbar etwas zu sagen haben. Dabei ist doch die Fürsorge um das Leben auf diesem Planeten besser in Frauenhänden aufgehoben. Die nebenbei, so mein Eindruck, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen die weitaus anschaulicheren und Praxis tauglicheren Bücher darüber schreiben. Also wundert es mich wenig, dass auf diesen Umstand der männlichen Dominanz in der Danksagung des oben zitierten Buches mit folgenden Worten verwiesen wird:

"Dieses Buch entstand zunächst als Dokumentation einer Adhoc-Gruppe...im Beiprogramm zum Deutschen Soziologiekongreß 1998 in Freiburg. Im Beiprogramm deshalb, weil...die entscheidenden Herren Professoren der Auswahlkommission vom Wiederauftauchen einer überlebensnotwendigen Kleinstlandwirtschaft,..., trotz Globalisierungsdebatte und Wissen um Verarmungsprozesse – sagen wir – "lieber doch nichts wissen wollte". (ebda, S. 7.)

Die Herausgeberinnen, Anne Holl und Elisabeth Meyer-Renschhausen, verweisen auch noch, dass Aufsätze zu diesem Buch als Folge der Vorbereitungen zur internationalen Konferenz "Perspektiven der Kleinstlandwirtschaft in Stadt und Land" hinzukamen. Diese Konferenz, die von 21. bis 25. Juli 2000 in Berlin lief, behandelte die "soziale und ökologische Notwendigkeit von Gärten als.../einer/ ‘weiblichen Ökonomie‘ ".

Wenn wir also über Gartenwirtschaft und Kleinstlandwirtschaft sprechen, dann sind wir gut daran gelegen, einmal die dahingehend forschenden Frauen und ihre Aussagen anzuerkennen. Eine solche Anerkennung gelingt durch die Lektüre von "Die Wiederkehr der Gärten". Sie verändert das Bild vom Kontext des Urban Gardenings, Community Gardenings und der Kleinstlandwirtschaft, weil wir diese besondere Gartenwirtschaft vordergründig gerne als Trend, als schicken nachhaltigen Lifestyle einer ganz besonders bewussten KonsumentInnen-Gruppe sehen. Dabei ist das Garteln zur Selbstversorgung immer im Zusammenhang mit einem Anstieg von Armut und dem Versagen sozialer Strukturen zu betrachten.

Meyer-Renschhausen und Holl bieten als Herausgeberinnen der unterschiedlichsten Beiträge dieses Buches einen Querschnitt durch die Geschichte der Küchengärten. Vom Ackerbürgertum über die Schrebergartenkolonien der Zwischenkriegszeit, die auch als WIderstandszellen gegen das NSDAP-Regime dienten. Bis hin zu Beiträgen über die Kleinstlandwirtschaft in afrikanischen Städten, in Havanna und den Hausgärten der Mayas sowie den Community Gardens in New York. Mit einer solchen Antwort auf Armut und Verwahrlosung bekommt man als LeserIn ein umfassendes Bild des Themenfeldes vermittelt. Dabei wird auch nicht mit Kritik gespart. Die Beiträge zeigen Vor- und Nachteile der unterschiedlichsten Gartenbewegungen auf. Und kritisieren durchaus auch die Politik, die in deutschen Städten die Kleingärtnerei in den 1990er Jahren bzw. zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches zu behindern schien.

Ein Thema zieht sich durch das Buch: Kleinstlandwirtschaft und subsidiäre Gartenwirtschaft findet immer Anklang in Zeiten steigender Verarmung "angesichts der Erwerbslosigkeit" des Mittelstandes (ebda, S.37.).

Fazit: Das Buch sollten alle lesen, die nach Argumenten für ihre Gemeinschaftsgarten-Projekte suchen. Das Thema ist aktueller denn je, in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise und des Booms der Urban Gardening Bewegung in Europa.

Sie werden als LeserIn auch Anregungen finden, wie man in der Vergangenheit diese Gärten bewirtschaftete, sodass eine Subsistenzwirtschaft mit ihnen möglich wurde. "Die Wiederkehr der Gärten" wird aber auch mit so manchen unbekannten Details überraschen können. Alles in allem ein gut lesbares Dokument über die "weibliche Ökonomie". Und ein Motivator für das eigene Tun in diesem Zusammenhang.

Die Zusammenstellung der Autorinnen und Autoren für dieses Buch zeigt die bunte Vielfalt des Themas. Von der Kulturwissenschafterin, Historikern, Landschaftsplanerin, Biologin und Agrarwissenschaftlerin bis hin zum Ökologen, Soziologen und Professor für Gartenbaukultur und Freiraumgestaltung ist die volle Bandbreite des Themenfeldes vertreten. Gut auch, dass es internationale Beiträge gibt.

Leider ist das Buch nicht mehr im Buchgroßhandel verfügbar. Man kann es aber direkt beim Verlag bestellen, was ich als Küchengarten-Aktivistin nur allen Gleichgesinnten empfehlen kann.

Die Wiederkehr der Gärten. Kleinlandwirtschaft im Zeitalter der Globalisierung. Hrsg. v. Elisabeth Meyer-Renschhausen und Anne Holl. Innsbruck: StudienVerlag 2000. Taschenbuch, 229 Seiten. ISBN 3-7065-1534-2

PS: Jetzt umziehen auf die neue Küchengarten-Seite mit Blog. Dieses Blog läuft nämlich mit Ende März aus!


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