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Stars der Bio-Kiste: Der Wirsing

Seit Generationen macht er auf rustikal. Doch im Innern des plumpen Burschen schlägt ein feinsinniges Herz.

Das Anstrengende, aber letztlich auch Beglückende an der Bio-Kiste ist, dass sie einen mit Gewächsen konfrontiert, um die man normalerweise einen Bogen macht. Weil sie unangenehme Erinnerungen heraufbeschwören an die Tage, als man seinen Teller leer essen musste. Musste!

Jetzt liegt da also der Wirsing. Schon die Größe macht Angst. Wer soll das alles schaffen? Berge von Kohlrouladen kommen in den Sinn, die es damals auf Klassenreise in der Jugendherberge gab...

Gott sei Dank bietet die Bio-Kiste die Gelegenheit, sich mit den Gespenstern der Vergangenheit zu versöhnen - eine Art kulinarischer Verhaltenstherapie sozusagen. Beim Wirsing heißt das: schmecken lernen, dass man uns die guten Seiten des Wirsings vorenthalten hat, nicht aus bösem Willen, sondern aus Unkenntnis. Denn der dicke Kreuzblütler kann sich auch ganz schlank und fein machen. Wenn man seine Blätter von den harten Rippen befreit und kurz blanchiert, werden sie zur eleganten Hülle für Fisch. Und in Sahne mit Curry oder Orangensaft und -schale gedünstet, schmecken sie köstlich zu Pasta. Ganz nebenbei bringen sie noch viel Folsäure, Kalium, Kalzium, Vitamin E und Eisen mit. Da wird es doch endlich Zeit, den Wirsing im Stillen um Verzeihung zu bitten.

Ruth Hoffmann / print
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