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Wein-Wissen für Anfänger: So kaufen Sie guten Wein ein – 10 Tipps für den Weinkauf im Supermarkt

Weintrinken ist nicht schwer: Flasche öffnen, einschenken, trinken. Nur: Welcher Wein ist gut? Muss man ihn dekantieren? Der stern beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von Sonja Helms

Discounter und Supermärkte sind die größten Weinhändler: Jede zweite beziehungsweise dritte Flasche Wein wird dort gekauft.

Discounter und Supermärkte sind die größten Weinhändler: Jede zweite beziehungsweise dritte Flasche Wein wird dort gekauft.

Wäre es damit getan, nur eine Flasche zu öffnen und den Wein zu trinken, würden es sicher mehr Menschen tun - oder sie wären entspannter dabei. Tatsächlich sind viele ziemlich befangen, wenn es um Wein geht, befangener jedenfalls als bei anderen Getränken, weil es so viel zu beachten und wissen gibt. Allein die schier unendliche Auswahl! Es gibt Rotwein, Weißwein, Rosé und Schaumwein, der aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und anderen Ländern kommen kann und je nach Winzer, Weingebiet und Rebsorte, nach Art der Lagerung und Jahrgang anders schmeckt - wie soll man da durchsteigen?

Und damit nicht genug. Auch das Glas, der Korken, das Ambiente beeinflussen den Geschmack. Wie viel muss man wissen über Lage und Farbe, Restzucker und Tanningehalt, um einen Wein zu bewerten? Viele sind verunsichert und trauen ihrem Gaumen nicht, aus Angst, sich zu blamieren. "Schmeckt mir nicht" klingt so - banal. Doch man muss keine Wissenschaft daraus machen, um Wein zu genießen. Es schadet aber nicht, ein paar grundlegende Kenntnisse über Wein und den Umgang mit ihm zu haben, um zu wissen, was alles in ihm stecken kann. Es ist wie in der Kunst: Je mehr man weiß, desto mehr kann man erkennen, in diesem Fall erschmecken - und desto höher der Genuss.

In unserer fünfteiligen Serie widmen wir uns den wichtigsten Aspekte zum Umgang mit Wein. Teil eins beleuchtet den ersten Schritt: den Kauf. Muss guter Wein immer teuer sein? Woran kann man sich orientieren? Welche Weine sollte man besser liegen lassen und warum? Diese und weitere Fragen beantworten wir hier.

Teil 1: Wein kaufen

Wo kaufen die meisten Menschen Wein? Manche gehen zum Fachhändler, andere bestellen ihn im Netz oder besuchen den Winzer direkt - das sind aber eher die fortgeschrittenen, ambitionierten Genießer. Die größten Weinhändler sind andere: Fast jede zweite Flasche stammt vom Discounter, jede dritte aus dem Supermarkt. Weitere Quellen sind Drogeriemärkte, Tankstellen, Kaufhäuser, sogar in Gartencentern bekommt man mitunter Wein, im gehobenen Segment sind auch Weindepots oder Feinkostgeschäfte mögliche Adressen.

Im Schnitt geben die Deutschen für eine Flasche Wein etwa 2,50 Euro aus, je nach Quelle etwas mehr oder weniger, aber in der Regel sind es weniger als drei Euro, sagt unser Weinexperte und -blogger Dirk Würtz. Für dieses Geld bekommt man beim Weinhändler oder Winzer nichts. Fangen wir also mit dem Supermarkt an.

Wein aus dem Supermarkt

Supermärkte sind anonym, sie bedienen, grob gesprochen, den Massenmarkt - was aber nicht bedeutet, dass hier nicht auch gute Weine zu finden wären.

Große Supermärkte, die einer Kette angehören, kaufen anders ein als kleinere Märkte. Bei letzteren findet man mitunter Weine regionaler Winzer, wohingegen große Märkte, vor allem jene, die einer Kette angehören, ein landesweit einheitliches Angebot haben. Sie arbeiten mit großen Produzenten zusammen, die Weine in gleichbleibender Qualität in entsprechender Menge über einen längeren Zeitraum garantieren können. Diese Weine orientieren sich geschmacklich am Durchschnittskäufer, weniger am Weinkenner. Deswegen sind sie aber nicht von schlechter Qualität.

Zehn Tipps für den Weinkauf im Supermarkt

1. Ein guter Wein muss nicht teuer sein - aber auch nicht allzu billig. Bei weniger als vier Euro pro Flasche darf man skeptisch sein und sich fragen, ob zu dem Preis anständiger Wein herstellbar ist.

2. Auszeichnungen auf der Flasche bieten Orientierung. Immerhin haben Fachleute diese Weine verkostet und für gut befunden.

3. Bei deutschen Weinen bietet auch die Amtliche Prüfnummer (AP-Nr, siehe Teil 3, Etikett) eine Orientierung. Sie ist auf jedem Etikett eines Qualitätsweines zu finden und ein Garant dafür, dass der Wein sensorisch einwandfrei ist.

4. Achten Sie darauf, wie der Wein präsentiert wird: Wird er lieblos hingestellt, steht er womöglich unter permanenter, greller Beleuchtung? Sind die Flaschen angestaubt? Dann lieber stehen lassen.

5. Stehen lassen sollten Sie auch Weine aus den untersten Regalen, Fachleute nennen dies die "Bückzone". Hier stehen die billigsten Weine, oft zweifelhafter Herkunft, sowie Staubfänger und Ladenhüter.

6. Apropos Ladenhüter: Grundsätzlich sind Weine im Supermarkt für den sofortigen Genuss gedacht und nicht unbedingt lagerfähig. Vor allem Weiß- und Roséweine sollten jung und frisch sein, nicht älter als zwei Jahre (Rotweine vier Jahre). Achten Sie hier auf junge Jahrgänge - ältere sind nur bei hochwertigen Weinen sinnvoll. Die letzten beiden Ziffern der AP-Nr (siehe Punkt 3) geben das Jahr der Abfüllung an. Steht dort zum Beispiel "14" bei einem Weißwein, ist dieser schon drei Jahre alt. Lieber liegen lassen. Für Rotweine im Supermarkt gilt: Sie sollten nicht älter als vier Jahre sein.

7. Manchmal werden Restflaschen zu günstigen Preisen angeboten - hier unbedingt aufpassen! Manchmal sind zu alte Weißweine darunter (siehe Punkt 6) oder Rotweine, die in einer Reifephase stecken, in der sie untrinkbar sind. (Mehr dazu später, in Teil 3: "Wein lagern".)

8.Ein schön designtes Etikett sagt nichts über die Qualität des Weines aus. Lassen Sie sich nicht blenden.

9. Es gibt spezielle Weinführer, die sich darauf spezialisiert haben, Weine aus Supermärkten zu testen, auch Zeitungen bieten diesen Service hin und wieder an und stellen entsprechende Informationen ins Netz. Achten Sie darauf, von wann solche konkreten Tests und BEwertungen sind - veraltete Empfehlungen helfen Ihnen nicht weiter.

10. Auch wenn ein Sonderangebot oder Schnäppchen noch so verlockend erscheint: Bevor Sie eine ganze Kiste eines bestimmten Weines kaufen, sollten sie erst eine Flasche mit nach Hause nehmen und den Wein in Ruhe probieren.

Wein vom Fachhändler

Der Vorteil eines Fachgeschäfts ist, dass der Händler seine Kunden individuell beraten kann und einige Weine zum Verkosten anbietet. Das Angebot kann sehr unterschiedlich ausfallen: Manche Händler haben sich auf ein Land oder eine Region spezialisiert, andere sind breiter aufgestellt. Nicht wenige kennen manche ihrer Winzer persönlich. Es kann ein wenig dauern, bis man seinen Händler des Vertrauens oder seine Anlaufstellen gefunden hat.

Zwar sind im Fachgeschäft keine Billigstweine zu erwarten wie etwa beim Discounter. Dennoch haben die meisten Händler auch preiswerte Alltagsweine im Angebot und nicht nur überteuerte Ware. Und wenn Sie eine ganze Kiste eines Weines kaufen, sind Sonderrabatte möglich. Scheuen sie sich nicht, danach zu fragen.


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